Post, Bischof, Goldbach: All das sind Namen, die in bestimmten Orten und Gemeinden im Kreis Fulda besonders häufig vorkommen. (Symbolfoto)
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Post, Bischof, Goldbach: All das sind Namen, die in bestimmten Orten und Gemeinden im Kreis Fulda besonders häufig vorkommen. (Symbolfoto)

Verschiedene Ursachen

Post, Bischof, Goldbach: Wieso in vielen Orten im Kreis Fulda bestimmte Nachnamen oft vorkommen

  • Leon Weiser
    VonLeon Weiser
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Post, Bischof, Goldbach: All das sind Namen, die in bestimmten Orten und Gemeinden im der Region Fulda besonders häufig vorkommen. Die Ursachen hierfür sind verschieden.

Kreis Fulda - Immer wieder fällt es beim Blick ins Telefonbuch auf: In manchen Orten wohnen viele Menschen mit demselben Nachnamen. Aber woran liegt das? Unsere Zeitung hat exemplarisch bei drei Ortsansässigen im Kreis Fulda nach Erklärungen gefragt.

Im Ortsteil Jossa der Gemeinde Hosenfeld sind Personen mit dem Namen Bischof häufig anzutreffen. „Ich habe Ahnenforschung betrieben und einen Stammbaum gezeichnet, der drei Meter lang und einen Meter hoch ist“, erklärt Berthold Schweimer, der in Jossa geboren ist und bis heute dort lebt. Der 70-Jährige hat sich mit der Familiengeschichte beschäftigt, da seine Mutter ebenfalls eine geborene Bischof ist.

Fulda: Wieso in vielen Orten bestimmte Nachnamen besonders oft vorkommen

„Ab 1650 gibt es Unterlagen mit Tauf-, Geburten-, und Sterbebüchern. Deswegen konnte ich ab diesem Zeitpunkt die Namensgeschichte erforschen“, sagt Schweimer. Er habe mehrere Wochen daran gesessen, um drei Bücher durchzuarbeiten. „Das war eine Sisyphusarbeit, weil die Bücher bis zum Jahr 1800 unübersichtlich und auf Latein waren“, beschreibt der Rentner.

Aber er hatte Erfolg und erklärt, wieso der Name Bischof in Jossa verbreitet ist: „Es kam eine Familie mit viele männlichen Nachkommen hierher. Die sind in Jossa geblieben und der Name hat sich durch Heirat und Nachkommen verbreitet.“ Von außerhalb sei kaum ein Bischof in den Ort gezogen. Dennoch sei es der mit Abstand häufigste Nachname in dem Ort.

Früher seien viele Kinder geboren worden, die den Namen verbreitet hätten, erläutert der 70-Jährige. Heutzutage würden nur wenige Kinder geboren, weswegen die Anzahl der Bischofs zurückgegangen sei. In Jossa wohnen aber noch 27 von ihnen, in der Gemeinde insgesamt 36.

In Bad Salzschlirf ist der Nachname Post besonders oft vertreten

In Bad Salzschlirf ist der Name Post besonders oft vergeben. Bürgermeister Matthias Kübel (CDU) erklärt: „Die erste Aufgabe unserer Auszubildenden ist es, bei Anrufen von Herrn oder Frau Post nach dem Vornamen zu fragen.“ Im Meldeamt sind 87 Personen mit dem Namen Post registriert. Zählt man die geborenen Posts dazu, sind es sogar 107 Personen.

Stefan Goldbach aus Dipperz erzählt, warum sein Nachname in dem Ort so häufig vertreten ist.

Der Name Post oder Pfost bezeichne einen Schiffsbauer oder Zimmermann, erklärt Adelheid Eurich aus Bad Salzschlirf: „Es gibt ein Familienwappen. Es zeigt einen Pfosten mit zwei schräg verlaufenden Balken und zwei Nägeln. Die Helmzier ist wohl eine Pflugschar. Der Wahlspruch lautet: ‚Fest steh` im Leben, wie des Hauses Pfosten‘.“

„Der Name Post ist seit dem 15. Jahrhundert in dem Kurort zu finden“, sagt sie. Die Familie gehöre zu den ältesten in Bad Salzschlirf und seien sehr verzweigt. Der Ur-Ur-Großvater der 64-Jährigen war beispielsweise auch ein Post und hat sein Leben lang dort gelebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollen zehn Männer mit dem Namen Karl Post in dem Kurort gewohnt haben.

Serie „Landleben“

Dieser Text ist im Zuge der Serie „Landleben“ in der Fuldaer Zeitung (Ausgabe vom 2. Juli 2021) erschienen.

Alle Beiträge aus der Serie, die das (Land-)Leben zwischen Rhön, Vogelsberg und Spessart beleuchtet, finden Sie im E-Paper von Fuldaer Zeitung, Hünfelder Zeitung, Kinzigtal Nachrichten und Schlitzer Bote.

Ebenfalls in der Serie „Landleben“ ist folgender Artikel erschienen: Kaum Bauplätze im Kreis Fulda: So wollen die Kommunen Baulücken schließen und Leerstände bekämpfen

In Dipperz ist der Name Goldbach weit verbreitet. In der gesamten Gemeinde sind 47 Personen mit dem Familiennamen und acht Personen mit dem Geburtsnamen Goldbach gemeldet. Einer, der Erklärungen liefern kann, ist der Dipperzer Stefan Goldbach. Er ist mit einem Großteil der Goldbachs in der Gemeinde über mehrere Ecken verwandt. „Der Guckaihof bei Kleinsassen kann als Wurzel der Goldbachs bezeichnet werden. Da hat alles angefangen“, erklärt der Dipperzer, der seine ersten Jahre dort verbracht hat. Nicht nur er ist in der Region geblieben.

Video: Wie oft gibt es deinen Nachnamen noch auf der Welt? 

Wie Goldbach erklärt, seien häufig Söhne geboren worden, die zur Namensvererbung beigetragen haben: „Im Schnitt hatte jeder vier Kinder. Sie haben ihre Namen weitergegeben und sind in ihrer Heimatregion geblieben“, beschreibt der 57-Jährige, der zwei Geschwister und 13 Cousins und Cousinen hat. Diese wohnen in Dipperz, aber auch im Ortsteil Wolferts – sind also ortsansässig geblieben.

„Es liegt an der Heimatliebe,dass so viele Goldbachs in Dipperz wohnen. Bei Familientreffen sind wir oft 20 Personen“, sagt Goldbach und lacht. Eine Häufung der Nachnamen wird es bestimmt auch in Zukunft geben, vorausgesetzt die Nachkommen bleiben ortsansässig, heimatverbunden und erhalten Nachkommen, die den Namen vererben.

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