Die leere Tanzfläche des S-Club Fulda
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Der S-Club in Fulda plant ab September auf den Bar-Betrieb umzusteigen. (Archivfoto)

Serie zum Nachtleben

S-Club in Fulda wird im September zur Bar - Übergangslösung für Corona-Durststrecke

  • Anja Hildmann
    VonAnja Hildmann
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Seit Beginn der Corona-Pandemie herrscht auch in Fuldas Clubs Tanzverbot. Der S-Club hat sich um Alternativen zum herkömmlichen Club-Betrieb bemüht - und plant für den Herbst eine vorübergehende Öffnung als Bar.

Update vom 13. August, 20.44 Uhr: Der Artikel hat bisher viele Reaktionen hervorgerufen. Die Betreiber des S-Clubs betonen, dass der Bar-Betrieb nur als vorübergehende Lösung geplant sei. Ein Ende des S-Clubs als Party-Location sei nicht gekommen.

Sie kündigen zudem an, die neusten Entwicklungen im Hinblick auf die Corona-Regeln für Nachtclubs weiter im Blick zu halten. So können Clubs in Baden-Württemberg beispielsweise bereits kommende Woche wieder öffnen. Eine frühere Öffnung des S-Clubs sei also bei entsprechender Gesetzeslage möglich und würde gegenüber des Bar-Betriebes bevorzugt werden, teilt Jens-Ole Bolik mit.

Nachtleben in Fulda: S-Club steigt im September auf Bar-Betrieb um

Erstmeldung vom 13. August, 6.36 Uhr:

Fulda - Im Frühjahr 2020 fiel das Nachtleben in Fulda in einen tiefen Dornröschenschlaf. Im vergangenen Sommer konnten Bars und Kneipen dann unter Auflagen wieder öffnen. Die Clubs blieben jedoch weiter geschlossen. Nach strengem Lockdown-Winter wiederholt sich das Spiel in diesem Sommer: Bars ja, Clubs nein. Feiern wie vor der Pandemie ist mittlerweile für viele eine utopische Vorstellung geworden.

Die Fuldaer Zeitung berichtet von heute an in einer neuen Online-Serie in loser Folge über verschiedene Aspekte des Fuldaer Nachtlebens - und wie es aktuell stattfindet. Der erste Teil der Serie dreht sich um die Clubs und Diskotheken in Fulda und ihren Kampf mit der Corona-Durststrecke.

In den Clubs in Fulda wird schon lange nicht mehr getanzt. Es ist ruhig geworden. Der letzte Instagram-Beitrag des Musikparks ist von 2020 - und gegenüber unserer Zeitung äußert sich die Diskothek nicht. Andere Clubbetreiber überlegen sich alternative Lösungen, um die Corona-Zeit zu überbrücken. Im S-Club Fulda beispielsweise entschied man sich im vergangenen Jahr für ein eher ungewöhnliches Konzept: Die Clubräume wurden in ein buntes Selfie-Paradies verwandelt. Verschiedene Kulissen luden die Besucher zum Posieren, Fotografieren und Filmen ein.

Die Serie

In einer neuen Serie berichtet die Fuldaer Zeitung in loser Folge über verschiedene Aspekte des Nachtlebens in Fulda - und wie es in Zeiten von Corona stattfindet. Der erste Teil dreht sich um die Clubszene.

„Die Resonanz war im Herbst 2020, also zur Eröffnung sehr gut, wir konnten überregionale Aufmerksamkeit erzeugen, viele Tickets wurden von Gästen aus Regionen wie Kassel, Gießen und aus Bayern gekauft. TV-Teams von RTL Hessen und der Hessenschau waren vor Ort und haben berichtet“, sagt Jens-Ole Bolik, der zusammen mit Clemens Neidert den S-Club Fulda betreibt. Doch bereits nach vier Tagen kam der zweite Lockdown und der Club blieb über sieben Monate geschlossen.

Mit den Lockerungen im Sommer konnte der Selfie-Club wieder öffnen. Doch die „enorme Aufmerksamkeits-Welle“ der Eröffnung im Herbst sei beim zweiten Mal ausgeblieben. „Die Leute hatten nach sieben Monaten Lockdown nun endlich wieder eine offene Gastronomie und ein bisschen das Gefühl, wieder ausgehen zu können wie vor der Pandemie - die Prioritäten haben sich verschoben und uns war klar, dass der Selfie-Club ein Winter-Thema war und eben kein Sommer-Thema“, beschreibt der Inhaber die Resonanz.

Trotz der „enormen finanziellen Verluste“ bleibe die Arbeit an dem Selfie-Konzept in guter Erinnerung. „Teile unseres Teams waren wieder zusammen und haben gemeinsam gearbeitet. Und wir als Betreiber wussten, dass die Idee gut war“, betont Bolik. Die äußeren Umstände hätten jedoch vieles erschwert.

Und während dem Selfie-Club Lebewohl gesagt wird, passt ein anderes Konzept der Betreiber in den Sommer: Seit Juni heißt es auf den Propstei-Terrassen: Entspannen, Musik hören und Cocktails trinken. (Lesen Sie hier: Stadtstrand in Fulda sorgt für Urlaubsfeeling)

„Patrick Bohl von Genuss³ hat uns Anfang Juni angesprochen, ob wir als S-Club Interesse haben, ihn auf dem Gelände der Propstei Johannesberg gastronomisch zu unterstützen. Da wir uns lange kennen, war das ganz einfach und dann haben wir losgelegt“, erklärt Club-Betreiber Bolik den Hintergrund. „Da der Sommer sehr durchwachsen ist, läuft es mal so, mal so. Insgesamt ist es ein schönes Sommer-Projekt und eine tolle neue Erfahrung.“

Verständnis für geschlossene Clubs: „Wäre schnell ein Super-Spreader-Event“

Und nach dem Sommer? „Wir planen, im Laufe des Septembers den Club als ‚Bar‘ zu öffnen“, verrät Bolik. Das heißt: Statt Tanzfläche und Stehtischen werden dann einzelne Tische und Sitzgelegenheiten in ausreichendem Abstand das Bild der Innenräume prägen. So können Fans des S-Clubs und Besucher dort wieder entspannt etwas trinken, auch wenn es erst einmal nichts wird mit dem ausgelassenen Tanzen.

Aufgrund der Größe des Clubs seien die geltenden Corona-Maßnahmen gut umzusetzen. Doch der Betreiber ist vorsichtig: „Warten wir mal ab, wie die Bedingungen bis dahin sein werden.“ Der S-Club beschreitet damit einen Weg, den viele Clubs in Deutschland pandemiebedingt gehen.

Das Kulturzentrum Kreuz kann mit der Situation hingegen entspannter umgehen. „Wir haben schon vor der Pandemie kaum Partys selbst veranstaltet. Meistens haben wir die Räume nur vermietet“, erklärt Wolfgang Wortmann vom Kulturzentrum. Veranstaltungen wie die 90er-Partys wurden beispielsweise von externen DJs aus Frankfurt veranstaltet. Das Kulturzentrum Kreuz sieht Wortmann deshalb vorrangig als Kulturveranstalter, der mit Konzerten und anderen Veranstaltungen derzeit bei „Kultur.Findet.Stadt“ im Museumshof aktiv ist. „Die harten Regeln für Clubs betreffen uns deshalb nur sekundär“, merkt er an.

Video: In diesen Clubs darf wieder getanzt werden

Dass die Clubs derzeit als einzige noch nicht öffnen können, können die Inhaber des S-Clubs nachvollziehen. Schließlich sei die neue Virus-Variante hoch ansteckend und „ein voller Club, ohne ein Mindestmaß an Abstand, wäre schnell ein Super-Spreader-Event“. Das hätten Cluböffnungen in anderen Ländern gezeigt.

Nichtsdestotrotz sind Bolik und Neidert hoffnungsvoll: „Wir glauben daran, dass irgendwann im Jahr 2022 wieder ein fast normales Clubleben vorstellbar ist. Bis dahin werden wir versuchen, unser gastronomisches Angebot an die Maßnahmen anzupassen und unseren Gästen über den Winter eine gute Zeit zu bieten.“

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