Hier führte der Weg entlang, der die zwei Weiher trennte.
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Hier führte der Weg entlang, der die zwei Weiher trennte.

Zwei Weiher werden zu einem

Wegen Aueweiher-Sanierung in Fulda: Naturschützer sorgen sich um Brutvögel

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Die Umgestaltung des Aueweihers schreitet voran. Beide Seen sind mittlerweile durch einen Dammdurchbruch miteinander verbunden worden. Derweil fürchten Naturschützer einen „Biodiversitätsschaden“: Graureiher und Eisvögel seien bereits aus dem Gebiet verschwunden.

Fulda - Aus Zwei mach Eins: Der Blick über den Aueweiher in Fulda reicht jetzt weit. Dort, wo die Seen geteilt waren und ein Fußweg entlang führte, fließt das Wasser beider Weiher nun ineinander. Der Grund dafür, dass sich die Stadt dazu entschieden hatte, die Landbrücke zu beseitigen, ist zuvörderst ein wirtschaftlicher: Die Filterung für das Gewässer, das saniert werden soll, muss so nur einmal betrieben und vorgehalten werden.

Wegen Aueweiher-Sanierung in Fulda: Naturschützer sorgen sich um Brutvögel

Davon zeugen derzeit auch lange Rohrleitungen, die noch auf der Wasseroberfläche schwimmen: Über sie soll künftig das Weiherwasser entnommen und einer Filteranlage, die im Böschungsbereich der Karl-Storch-Straße gebaut wird, zugeführt werden. Dort wird das Wasser aufbereitet und über eine weitere Leitung wieder in den Weiher eingebracht. Die jetzt noch sichtbaren Rohre werden später eingeschwemmt und liegen dann auf dem Grund des Weihers, erklärt die städtische Pressesprecherin Monika Kowoll-Ferger. In den kommenden Monaten stehen weitere Arbeiten an; sie werden voraussichtlich im Oktober abgeschlossen sein.

Die Kritik der Naturschützer verstummt derweil weiterhin nicht. Lothar Herzig, Kreisbeauftragter der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, klagt: „Brutvogelarten wie Graureiher und Eisvogel haben in diesem Jahr das Aueweihergebiet verlassen und nicht mehr gebrütet.“ Dafür sei die Stadt Fulda verantwortlich; den Naturschutzverbänden legt Herzig nahe zu überlegen, wie der Schaden „eingeklagt und saniert“ werden könne. Denn die Baggerarbeiten hätten ausgerechnet in der Vogelbrutzeit begonnen. Schon früher hatte der Vogelschützer kritisiert, dass die Stadt den Artenreichtum der Aue einem „Halli-Galli“ während der Landesgartenschau opfern wolle.

Dem tritt die Stadt jedoch entschieden entgegen: „Alle Arbeiten am Aueweiher werden durch eine ökologische Baubegleitung überwacht und begleitet“, betont Kowoll-Ferger. Dazu zähle die Beobachtung der Brut- und Rastvögel. Schon vor dem Beginn der Erdarbeiten an der Mittelinsel habe es eine Begehung gegeben, um unter anderem die Brutaktivitäten von Graureihern zu betrachten. Doch dabei habe sich herausgestellt, dass gar keine Graureiher hier brüteten, sagt Kowoll-Ferger. Und für den Eisvogel wurde eine künstliche Brutwand mit zwei Nisthöhlen auf der Mittelinsel geschaffen. Diese sei jetzt für Menschen nicht mehr zugänglich, damit ein neuer ruhiger Rückzugsraum für den Vogel entsteht.

Video: Startschuss für Umgestaltung des Aueweihers in Fulda

Auch hätten die Baumfällungen außerhalb der Vogelbrutzeit stattgefunden, sodass keine Vögel oder Fledermäuse zu Schaden gekommen seien. Zudem stünden den rund 100 gefällten Bäumen – von denen die meisten unterhalb der Frankfurter Straße nahe dem Lidl standen – rund 270 neue Bäume gegenüber. Diese würden zum Beispiel im „Park überm Engelshaus“, im „Garten am Sprengelsrasen“ sowie am Nord- und Südufer des Weihers gepflanzt.

Auch ein „Halli-Galli“ sei keinesfalls vorgesehen, verspricht die Stadt: Während der Landesgartenschau gebe es keine lauten Massenveranstaltungen, und die Besucher und Besucherinnen würden an sensiblen Bereichen vorbeigeführt. Die Vegetation und die „hohe Qualität der Umgebung“ solle auf die Gäste wirken. Der Artenreichtum werde nicht geopfert, sondern ganz im Gegenteil: „Durch die Schaffung von Flachwasserzonen werden sogar Lebensbereiche geschaffen, die es vorher nicht gab.“

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