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„Meine Erwartung bei weitem übertroffen“: Kunstwerke von Franz Erhard Walther in Fulda

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Von: Volker Feuerstein

Spiegelpartitur mit Künstler Franz Erhard Walther im Innenhof der Hochschule Fulda.
Spiegelpartitur mit Künstler Franz Erhard Walther im Innenhof der Hochschule Fulda. © Volker Feuerstein

New York, Hamburg oder Fulda? Für Franz Erhard Walther keine Frage: „Habe alles gesehen in der Welt, vermisse nichts und finde Fulda großartig, zumal ich zu meiner Heimatstadt eine emotionale Beziehung habe“, begründet der international anerkannte Künstler die Wahl, in der Barockstadt zu leben.

Fulda - Anfangs von dem konservativ-biederen Teil der Bürgerschaft aufgrund seiner fortschrittlich-kreativen Kunst eher skeptisch betrachtet, wird Walther jetzt auch in seiner Heimatstadt als Weltkünstler akzeptiert und verstanden. Fühlt Walther sich und seine Kunst in Fulda angemessen präsentiert?

„Mittlerweile ja!“, kommt die Antwort spontan. Sie resultiert in ihrer Relativierung auch aus neuen Werken, die in der Hochschule Fulda und in den Räumen der neuen Tourist-Information am Bonifatiusplatz installiert wurden. „Beide Installationen haben meine Erwartung bei weitem übertroffen“, schwärmt der 82-Jährige.

Walther freut sich, dass seine Frau Susanne Walthers künstlerische Präsenz in Fulda mit dem Werk des US-Künstlers Donald Judd vergleicht, der in einem kleinen Ort in Texas, Marfa, Kunst, Architektur und Natur zusammengebracht hat. „In Fulda“, ergänzt Walther „kommt noch die historische Architektur dazu, mit der meine Werke korrespondieren“.

Fulda: Neue Werke von Franz Erhard Walther installiert

In der Tat dürften selbst Zeitgenossen, die mit der Kunst wenig am Hut haben, von Walthers Werken in Fulda beeindruckt sein. Sie finden an 13 Plätzen der Stadt Objekte, die sie als Betrachter und Begeher auch schon mal selbst zum Bestandteil der Kunstwerke werden lassen.

Um sie zu finden, hat die Stadt jetzt unter der Redaktionsleitung von Elisabeth Schrimpf, der langjährigen Chefin des Tourismus und Kongressmanagements Fulda, einen informativen, wegweisenden und attraktiven Prospekt herausgebracht. Diesen zu studieren, lohnt sich auch für Bürger der Barockstadt. Er gibt Auskunft über Werk und Leben Walthers, vor allem über den Kunst-Rundgang durch Fulda. Der Flyer liegt ab 14. Februar bei der Tourist Info aus.

Wortkunstwerk „Orte, Zeit und Raum“ von Walther in der Tourist Information

Ganz besonders das Wortkunstwerk „Orte, Zeit und Raum“ in den Räumen der Tourist Information dürfte für Besucher aus Fulda und der ganzen Welt ein Erlebnis werden. Zumal die moderne, ästhetische Innenarchitektur des Fuldaer Architekten Stephan Koch mit dem scheinbar an den Wänden schwebenden Lese-Form-Gefüge der spiegelnden Buchstabenformen Walthers harmonieren.

Eine Art plastische Partitur sind 24 runde Metallscheiben und sieben Quadrate, die Walther auf der Fassade eines Innenhofes in der Hochschule Fulda installieren ließ. Fein geschliffen wie Spiegel folgen sie einem genau festgelegten Rhythmus. Der Betrachter und sein Abbild finden sich darin wie in einem optischen Musikstück wieder. Eine „Partitur“. Ebenso wie die Buchstaben in der Tourist Information wurden auch die Metallplatten von der Metallwerkstatt Karl-Winfried Vogel in Kämmerzell hergestellt.

Fulda: Auf ein Wort und einen Buchstaben. Franz Erhard Walther in der Tourist-Information.
Auf ein Wort und einen Buchstaben. Franz Erhard Walther in der Tourist-Info in Fulda. © Volker Feuerstein

Das Treppenhaus des Hochschulpräsidiums in der Moltkestraße wurde durch ein Werk Walthers in Zusammenarbeit mit dem Architekten Jörg Sturm zu einer skulpturalen Form. Das Wortwerk „Alphabet“ geht zurück auf eine Schriftform, die der Künstler bereits 1958 entwickelt hat.

Es besteht aus in der Wand vertieften Buchstaben, die je nach Beleuchtung ein Spiel von Licht und Schatten erzeugen. Damit ist der Treppenbereich eine Art von begehbarer Skulptur. Der Künstler hat bei den Konzeptionen auf eine marktgerechte Vergütung verzichtet und sie als Geschenk an seine Heimatstadt Fulda zur Verfügung gestellt.

Ausstellung von Walther hinter dem Paulustor soll im Sommer eröffnet werden

Noch ein Blick in die Zukunft: Die Arbeiten an der Architektur der Villa Schmitt hinter dem Paulustor machen Fortschritte. Die Stadt und Walther gehen davon aus, dass die Dauerausstellung „Frühe Werke“ aus der Sammlung Seng und weiteren Werken im Sommer dieses Jahres eröffnet wird. Dazu soll die Sichtachse auf die Villa von der Straße aus mit einem Durchbruch in der Steinmauer, die das Grundstück begrenzt, freigegeben werden.

Für Franz Erhard Walther ist Fulda damit zu einer Art „Marfa“ geworden, einem Ort, in dem er und seine Kunst gestaltend, erfahr- und sichtbar für die Öffentlichkeit leben und erlebt werden können.

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