Hinweise aus dem privaten Umfeld des Tatverdächtigen deuten daraufhin, dass der 37-Jährige die Bluttat in Fulda-Neuenberg aus Eifersucht begangen hat.
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Hinweise aus dem privaten Umfeld des Tatverdächtigen deuten daraufhin, dass der 37-Jährige die Bluttat in Fulda-Neuenberg aus Eifersucht begangen hat.

Hinweise aus privatem Umfeld

Mord aus Eifersucht? - Staatsanwaltschaft Fulda mit neuen Erkenntnissen zur Bluttat in Neuenberg

  • Leon Schmitt
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Der am 15. Februar in Fulda-Neuenberg erschossene Familienvater ist wohl aus Eifersucht umgebracht worden. Darauf deuten laut Staatsanwaltschaft Hinweise aus dem Umfeld des Tatverdächtigen hin.

Update vom 4. März, 13.47 Uhr: Der 37-jährige Syrer, der aktuell in U-Haft sitzt, wollte sich bislang nicht zur Tat am 15. Februar in Fulda-Neuenberg äußern. Das teilte Staatsanwältin Dr. Christine Seban am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Hinweise aus dem Umfeld des Tatverdächtigen wiesen allerdings darauf hin, dass der 37-Jährige die Tat aus Eifersucht begangen habe. Für einen Zusammenhang mit Clan-Kriminalität gebe es hingegen keinen Hinweis.

Bluttat in Fulda-Neuenberg: Tatverdächtiger rückte nach wenigen Stunden in den Ermittlunger-Fokus

+++ 20.05 Uhr: Der mutmaßliche Täter und sein Opfer haben sich gekannt – so gut, dass der 37 Jahre alte Syrer schon wenige Stunden nach der Tat ins Blickfeld der Ermittler rückte. „Der Beschuldigte geriet aufgrund einer bereits am Montag getätigten Zeugenaussage in den Fokus der Ermittlungen“, berichtet die Fuldaer Staatsanwältin Dr. Christine Seban unserer Zeitung. In den persönlichen Beziehungen der beiden Syrer vermutet die Sprecherin der Anklagebehörde auch das Motiv: „Es ist derzeit davon auszugehen, dass das Motiv für die Tat im privaten Verhältnis der Beteiligten zueinander liegt.“

Die Fuldaer AfD reagierte auf die Festnahme am Mittwoch mit einer Pressemitteilung. Darin erklärte AfD-Kreisgeschäftsführer Pierre Lamely, die Tatsache, dass Täter und Opfer beide aus Syrien stammten, mache ihm Sorgen. Er stellte die Frage: „Bekommen wir mit der Zuwanderung zunehmend auch hier die Zustände wie in den Herkunftsstaaten, aus denen geflüchtet wird?“ 

+++ 15.43 Uhr: Das Amtsgericht Fulda hat Haftbefehl gegen den Verdächtigen aus dem Raum Dorsten erlassen. Das berichtete Christoph Mangelsdorf, Sprecher des Amtsgerichts Fulda, auf Anfrage unserer Zeitung. Der Beschuldigte war am Dienstagnachmittag festgenommen worden.

Die Dorstener Zeitung berichtet von einer spektakulären Festnahme an der Autobahn 31.

+++ 12.34 Uhr: Der tatverdächtige Syrer ist in einem spektakulären Einsatz auf der Autobahn bei Dorsten festgenommen worden. Am Rande des Ruhrgebiets war ein nordrhein-westfälisches Spezialeinsatzkommando (SEK) im Einsatz. „Anwohner beobachteten am Dienstag geschockt, wie hart die Polizei bei der Festnahme eines 37-jährigen Dorsteners auf der Autobahn 31 im Bereich einer Ausfahrt zu Werke ging“, berichtet Reporterin Claudia Engel von der Dorstener Zeitung.

Spektakuläre Festnahme nach Bluttat in Fulda: SEK fasst Täter auf der A31 bei Dorsten

Der Mann sei mit seinem Fahrzeug auf der A31 zwischen Kirchhellen und Dorsten in Richtung Emden unterwegs gewesen, als sich die Polizei und ein Spezialeinsatzkommando mit mehreren Fahrzeugen an seine Fersen hefteten. In der Ausfahrt Holsterhausen der Autobahn 31 kam es dann zu den spektakulären Szenen, die ein Zeuge so schilderte: „Ein Polizeifahrzeug fuhr auf den Wagen des Mannes auf, ein anderes stellte sich quer vor den Wagen.“ Dann seien die Ermittler unter vorgehaltenen Waffen aus ihren Einsatzwagen gesprungen und hätten den Mann aus dem Auto geholt.

+++ 10.46 Uhr: Die Obduktion der Leiche hat ergeben, dass der Mann durch einen Schuss in den Kopf tödlich verletzt wurde. Das teilen die Staatsanwaltschaft Fulda und das Polizeipräsidium Osthessen in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. „Es liegen derzeit keine Anhaltspunkte für eine Selbstbeibringung der tödlichen Verletzungen vor, sodass von einem Tötungsdelikt ausgegangen werden muss“, heißt es.

Bäckerei-Mitarbeiter in Fulda durch Kopfschuss getötet: SEK nimmt Tatverdächtigen fest

Im Zuge der Ermittlungen durch die Kriminalpolizei Fulda und die Staatsanwaltschaft Fulda sei ein 37-jähriger syrischer Mann aus dem Raum Dorsten (Nordrhein-Westfalen) als Tatverdächtiger ins Visier der Ermittler gerückt. Dieser sei am Dienstag gegen 14 Uhr mit Unterstützung der Polizei aus Nordrhein-Westfalen unter Hinzuziehung eines Spezialeinsatzkommandos in Dorsten festgenommen worden.

Video: Leiche mit Schussverletzung in Auto gefunden

„Im Laufe des Mittwochs wird der Tatverdächtige dem zuständigen Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Fulda vorgeführt, nachdem die Staatsanwaltschaft Fulda einen Haftbefehlsantrag gestellt hat“, teilen die Behörden mit. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Fulda und der Kriminalpolizei Fulda dauern weiter an. Die Sicherungen von Spuren und Beweismitteln am Tatort ist weitestgehend abgeschlossen.

Ursprungsmeldung vom 17. Februar, 6.58 Uhr:

Fulda - Im Klosterwiesenweg in Fulda-Neuenberg, dem Ort des Leichenfundes, sind die Ermittler mittlerweile abgezogen. Fast einen ganzen Tag lang hatten Beamte des Polizeipräsidiums Osthessen und des Landeskriminalamts (LKA) das Fahrzeug der Tat und die Umgebung untersucht. Die Absperrung der Polizei ist jetzt aufgehoben. Der graue Personenwagen, in dem der kurdische Syrer am Montagmorgen gegen 4.45 Uhr ums Leben kam, ist abtransportiert. Auch die Freunde des Syrers, die am Montag den ganzen Tag über an den Absperrbändern geduldig und schweigend auf Neuigkeiten gewartet hatten, sind am Tag danach nicht mehr da.

An dem Bereich des Klosterwiesenwegs, wo der Bäckerei-Mitarbeiter am frühen Montagmorgen starb, haben Freude des Getöteten am Dienstag eine Kerze aufgestellt.

Nur einige von der Polizei aufgebrachte rosafarbene Markierungen auf dem Boden und viele kleine Splitter von – vermutlich durch einen oder mehrere Schüsse aus einer Waffe – zerborstenen Autoscheiben erinnern noch an die Tat in Fulda-Neuenberg*, über die auch hna.de berichtete. Der Syrer, Vater von fünf Kindern, wollte frühmorgens zu seiner Arbeit in der Bäckerei Pappert in Poppenhausen fahren, als er durch mindestens einen Schuss ums Leben kam. An das Opfer erinnert jetzt eine Kerze, die Freunde der Familie aufgestellt haben.

Fulda: Obduktionsergebnis soll Klarheit über getöteten Familienvater bringen

Die Leiche des Mannes wurde am Dienstag in der Gerichtsmedizin in Gießen genau untersucht. Auch die Fuldaer Staatsanwältin Dr. Christine Seban war vor Ort. Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft dauern an. Sie gehen vielen Fragen nach: War es eine Gewalttat? Wenn ja, durch wen? Oder hat sich der kurdische Syrer, der 2015 aus seiner früheren Heimat in Nordsyrien nach Deutschland gekommen war, vielleicht selbst etwas angetan?

Am Dienstag gab es zu den Fragen keine weiteren öffentlichen Erklärungen von Staatsanwaltschaft Fulda und des Polizeipräsidiums Osthessen. Am heutigen Mittwoch wollen sich die beiden Behörden in einer gemeinsame Presseerklärung an die Öffentlichkeit wenden. Das kündigte die Staatsanwaltschaft am Dienstagabend gegenüber unserer Zeitung an. *hna.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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