Robert Behr war mehr als 20 Jahre Chefarzt der Neurochirurgie am Klinikum Fulda.
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Robert Behr war mehr als 20 Jahre Chefarzt der Neurochirurgie am Klinikum Fulda.

Chefarzt am Klinikum Fulda

Neurochirurg Robert Behr bleibt der Medizin im Ruhestand erhalten

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Langeweile wird er nicht haben. Prof. Dr. Robert Behr (65) ist nach mehr als 20 Jahren als Chefarzt der Neurochirurgie am Klinikum Fulda in den Ruhestand getreten. Er wird mehr Zeit für Hobbys haben, aber er bleibt der Medizin erhalten. 

Fulda - Als Chirurg am Klinikum Fulda konnte er unzähligen Patienten helfen – etwa Menschen ohne Hörnerv oder Hörschnecke, Menschen mit einem Tumor und auch Menschen mit einer degenerierten Wirbelsäule. Aber als Robert Behr vor fast 50 Jahren in Bamberg Abitur machte, war gar nicht klar, dass er einmal Mediziner werden würde.

Seine frühe Leidenschaft galt der Fliegerei. Schon als Junge hatte er Modellflugzeuge gebaut und fliegen lassen. Mit dem ersten Geld, das er mit Ferienjobs auf dem Bau und im Lager erarbeitet hatte, machte er den Flugschein. Seinen ersten Fachartikel veröffentlichte er in der Zeitschrift „Flugmodelltechnik“. Dabei ging es um die Schwerpunktberechnung von Flugzeugen, die nur aus Flügeln bestehen.

Fulda: Neurochirurg Robert Behr bleibt Medizin im Ruhestand erhalten

Doch auch die Medizin hatte Behr früh interessiert. „Ich erinnere mich noch, wie ich Anfang der 1970er Jahre die Fernsehserie ‚Jahrhundert der Chirurgen‘ förmlich verschlungen habe.“ Während des Wehrdienstes fiel dann die Entscheidung für die Medizin: „Wenn ich das Fliegen zum Beruf gemacht hätte, hätte ich Luft- und Raumfahrttechnik studiert und wäre früher oder später zu einer militärischen Verwendung gekommen. Das wollte ich nicht.“

Behr nahm sich vor, erst einmal zwei Semester Medizin zu studieren, um zu sehen, ob es ihm gefällt. „Die Medizin hat mich sofort fasziniert. Sie ist vielfältig, man kann Menschen helfen, man kann sich entwickeln, und man kann an technischen Entwicklungen teilhaben.“ (Lesen Sie hier: Klinikum verabschiedet Neurochirurgie-Chefarzt Robert Behr)

All das war bei Behr der Fall: Bei der Entwicklung des „Auditory Brainstam Implantat“ (ABI), einem Hirnstamm-Implantat, mit dem junge und alte Menschen ohne Hörnerv wieder hören können, stand Behr weltweit an der Spitze. Mehr als 150 dieser extrem schwierigen Operationen hat er durchgeführt – auf allen Kontinenten.

Der rasende technische Fortschritt hat seine Arbeit über die Jahrzehnte begleitet und verändert: Zu Beginn war ein Computer-Tomograph so groß wie eine Schrankwand. Bei jeder Aufnahme musste begründet werden, warum sie nötig ist. „Damals dauerte ein CT 30 Minuten, heute braucht man nur 30 Sekunden – und die Bilder sind viel besser.“ CTs seien aber auch oft nötig, um sich juristisch abzusichern. Die Zahl der Klagen von Patienten sei im Laufe der Zeit stark gewachsen.

Behr: „Ich habe die Ehrfurcht vor der Schöpfung nie verloren“

Geändert hat sich auch der Umgang der Kliniken mit angehenden Medizinern: In Behrs Ausbildungszeit wurden Nachwuchsärzte hart gefordert; heute lassen die Kliniken den Wünschen des Nachwuchses nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance viel Raum.

Die Technik – etwa die Kontrolle der Hirnfunktionen während eines Eingriffs – erlaubt heute Operationen, die vor Jahrzehnten nicht oder nur mit sehr viel Risiko möglich gewesen wären. „Bei aller technischen Unterstützung habe ich die Ehrfurcht vor der Schöpfung nie verloren. Wenn man die komplizierten Organe eines Menschen betrachtet, dann ahnt man, welch gewaltige schöpferische Kraft in jedem Menschen steckt.“ Weil ein Neurochirurg das Leben eines Menschen sehr beeinflussen kann, sei er für das Vertrauen der Patienten immer besonders dankbar gewesen.

„Wenn ich sehe, wie vielen Patienten wir helfen konnten, bin ich dankbar. Aber es gab auch Fälle, in denen die Medizin machtlos war. Auch diese Menschen haben wir, so gut es ging, begleitet.“ Diese Arbeit im Team wird Behr jetzt besonders fehlen, sagt er. (Lesen Sie auch: „Genießen volles Vertrauen“: Drei Ärzte des Klinikums Fulda als Top-Mediziner ausgezeichnet)

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Im Ruhestand ist Behr als Experte für Hirnstammimplante weiter gefordert – als Operateur und als Ratgeber im OP. „Im November bin ich in Wien und in Bern im Einsatz“, berichtet der Mediziner. „Ich gebe Unterricht, halte Vorträge – auch am Klinikum –, und schreibe wissenschaftliche Aufsätze.“

Behr wird man jetzt öfter in und um seinen Wohnort Petersberg sehen: beim Golfen und Fotografieren, Joggen und Radfahren. Rechtzeitig vor dem Ruhestand hat Behr 2019 den Jagdschein gemacht. Und auch über den Wolken wird sich Behr öfter aufhalten.

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