Oberbürgermeisterwahl in Fulda

Größter Dissens beim Wohnungsbau: Heiko Wingenfeld und Jonathan Wulff diskutieren über Ziele

Über die Kernthemen, die Fulda in den nächsten Jahren beschäftigen werden, sind sich die Oberbürgermeister-Kandidaten Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) und Jonathan Wulff (SPD) einig. Für die Wege zum Ziel haben sie jedoch unterschiedliche Ideen.

Fulda - Heiko Wingenfeld oder Jonathan Wulff - am 14. März entscheiden die Menschen in Fulda, wer künftig die Geschicke der Stadt lenken soll. An diesem Tag findet auch die Kommunalwahl in Hessen statt. Welche Themen Amtsinhaber Wingenfeld und Herausforderer Wulff umtreiben, wird während des FZ-Wahlforums schnell deutlich, als Moderator Eike Zenner die Kandidaten nach ihren Wahlslogans fragt: Wulff will „Oberbürgermeister aller Fuldaer sein“, weil „manche Menschen und Bereiche in den Vorjahren nicht ausreichend berücksichtigt wurden“.

Eben daraus leitet er seine Ziele ab: bezahlbarer Wohnraum, Verbesserung bei Bus- und Radverkehr sowie in der Kinderbetreuung. Wingenfeld schreibt sich hingegen „bewegen und bewahren“ auf die Fahnen. Seine Bilanz und sein Anspruch lauten: „Ich habe vieles erreicht, will aber besser werden.“ Bewegung will er in Bildung, Digitalisierung, medizinische Versorgung, Wohnungsbau, Sicherheit, Kultur und Gemeinschaftssinn bringen.

FZ-Wahlforum vor der Oberbürgermeisterwahl in Fulda: Das sagen die Kandidaten zum Thema Wohnungsbau

Die Schulnote 2 würde sich der amtierende Oberbürgermeister selbst für die Wohnungsbaupolitik der vergangenen fünf Jahre ausstellen. Fest macht er diese Bewertung an 1700 Wohneinheiten, die in dieser Zeit entstanden seien, und an der Erschließung von Flächen in der Kernstadt wie in den Stadtteilen. Der Waidesgrund und Haimbach fallen immer wieder als Beispiele. Gleichwohl will er beim „behutsamen Wachstum“ künftig den Blick vermehrt auf größere Familien und „Menschen mit kleinerem Geldbeutel“ richten. Gerade diese zwei Personengruppen rückt auch der Herausforderer, der Wingenfeld eher die Note 3 oder schlechter attestiert, in den Blick. In selbigen will Wulff zudem die Frage nehmen: „Welche Investoren bauen überhaupt in unserer Stadt?“

Aktuell setze der Magistrat zu sehr auf private Investoren, er sehe viel stärker die hiesigen Wohnungsbaugenossenschaften in der Pflicht. „Wenn die aber nicht wollen oder können, dann wäre eine kommunale Wohnungsbaugenossenschaft die zweitbeste Lösung“, erklärt Wulff und lässt durchblicken, dass das Projekt im Waidesgrund durchaus ein Indikator für diese Bereitschaft sein könnte. Wingenfeld indes denkt eher über Projektvergaben in Erbpacht nach und setzt „auf einen Mix der Akteure im Wohnungsbau“. Die von ihm ins Spiel gebrachten Haushaltsmittel von zwei Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau hält Wulff für zu niedrig.

Verkehrspolitik in Fulda: So stehen die Oberbürgermeister-Kandidaten dazu

Ähnlich weit wie beim Wohnungsbau gehen die Bewertungen der Verkehrspolitik der vergangenen Jahre auseinander. Während Wingenfeld betont, die Stadt habe in den vergangenen Jahren mit einst 3,2 Millionen und zuletzt 3,9 Millionen Euro Akzente im Busverkehr gesetzt, sieht Wulff Handlungsbedarf. In den Randzeiten und mit halbstündiger Taktung seien die Busverbindungen nicht ausreichend und auch der Radverkehr sei nicht optimal strukturiert. „Warum müssen Lindenstraße und Heinrichstraße zweispurig für Autos befahrbar sein und bieten nicht einen breiten Fahrradweg?“, fragt der Sozialdemokrat.

Die in den vergangenen Jahren geschaffenen Radwege, die sein Gegenüber lobt, seien Luxuswege im Grünen. Die Radanbindung der Innenstadt aber lässt in Wulffs Augen zu wünschen übrig. „Fulda ist topografisch nicht Kopenhagen, wir haben den Aschenberg und den Frauenberg“, entgegnet Wingenfeld und spricht sich für einen Nutzungsmix aus. Darin komme etwa das Anrufsammltaxi (AST) vor, und ein zukunftsweisendes Projekt sei das E-Car-Sharing, erklärt der Amtsinhaber. Der spricht sich deutlich für eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt des Oberzentrums Fulda mit den – „in Zukunft hoffentlich umweltfreundlichen“ – Autos aus. Das sei wichtig für den Handel. Ob die Friedrichstraße dabei für Autos freigegeben bleibe, lasse sich nur mit den ortsansässigen Akteuren und mit Blick auf die Corona-Pandemie und die innerstädtische Entwicklung sagen, lautet der Konsens der zwei Kandidaten.

Innenstadt und Handel: Wingenfeld und Wulff wünschen sich mehr Regionalität

Überhaupt besteht, so räumen Wulff und Wingenfeld ein, zwischen ihnen und in der Stadtpolitik ein großer Konsens über die Belebung der Innenstadt. So wünschen sich beide deutlich mehr Regionalität im Produktmix und in den Ladenlokalen als Alleinstellungsmerkmale der Stadt und Region. Was die Mischung von Handel, Wohnen, Bildung und Büronutzung angeht, will Wingenfeld auf eine Erschließung der Kerber-Immobilie setzen.

Wulff rückt unterdessen in der Debatte das Nachbargebäude in den Fokus: „Im ehemaligen Rhön Energie-Gebäude kann ich mir gut eine Markthalle vorstellen. In meinem Geburtsland Frankreich sind das echte Frequenzbringer“, sagt der Sozialdemokrat, während der Christdemokrat das Potenzial kultureller Veranstaltungen – etwa des Musicalsommers, der Konzerte, des Stadtfestes oder auch des Weihnachtsmarktes – hervorhebt. Klar ist für beide: Stadtverwaltung und -politik müssen Handel und Gastronomie aktiv unterstützen – beispielsweise mit Workshops und fachmännischem Rat. (Von Andreas Ungermann)

Rubriklistenbild: © Jacqueline Kleinhans

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