Im September 2018 soll es in einer Sauna in Fulda zu einer sexuellen Nötigung gekommen sein. (Symbolfoto)
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Im September 2018 soll es in einer Sauna in Fulda zu einer sexuellen Nötigung gekommen sein. (Symbolfoto)

Sexuelle Nötigung im Esperanto?

Opfer sagt nach Sauna-Vorfall in Fulda aus: „Ich will das aus meinem Kopf löschen“

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Wegen Exhibitionismus und sexueller Nötigung in einem besonders schweren Fall steht ein 57-jähriger Fuldaer vor Gericht. Am ersten Verhandlungstag am Amtsgericht sagte das Opfer aus, ein 23-jähriger Mann, der sich auch fast zwei Jahre nach der Tat noch sehr erschüttert zeigte.

Fulda - Der Angeklagte soll sich im September vor zwei Jahren in der Dampfsauna im Stadtbad Esperanto in Fulda zunächst selbst befriedigt haben. Danach habe er sich der einzigen weiteren Person dort, einem damals 21-Jährigen aus Fulda, genähert und nach dessen Glied gegriffen, erklärte Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald während der Verlesung der Anklage. Der Beschuldigte habe dann das Glied seines Opfers in den Mund genommen. Der 21-Jährige habe versucht, den Kopf des Tatverdächtigen wegzudrücken, was schließlich gelang.

Die Kriminalpolizei hatte sieben Monate später, im April 2019, nach dem Angeklagten mithilfe einer Kameraaufnahme gesucht, die den Beschuldigten beim Verlassen des Schwimmbads zeigte. Die Öffentlichkeitsfahndung hatte damals das Amtsgericht Fulda auf Antrag der Staatsanwaltschaft angeordnet. Und sie hatte Erfolg: Der Tatverdächtige konnte schnell festgenommen werden.

Sexuelle Nötigung in der Sauna? Opfer sagt vor dem Fuldaer Amtsgericht aus

Während des ersten Verhandlungstags berichtete der heute 23-Jährige von seinem Besuch in der Sauna, von dem Vorfall und von seinen Gefühlen. Schon bevor er die Dampfsauna betreten hatte, habe er sich vom Angeklagten beobachtet gefühlt, erklärte er. Dieser sei ihm dann in die Sauna, in der der Dampf die Sicht erschwerte, gefolgt. „Aus den Seitenwinkeln habe ich gesehen, dass er mit seinem P*nis spielte.“ Er habe versucht, dies nicht weiter zu beachten – und gehofft, dass der Ältere die Sauna bald verlässt. Doch stattdessen sei er näher gekommen und habe sein Glied in die Hand genommen. Davon sei er völlig überrascht und überrumpelt worden. „Das war ein ekliger Moment, ich war geschockt.“ Ihm sei trotz der warmen Sauna plötzlich eiskalt geworden: „Ich konnte mich fast nicht wehren.“

Der Fall wird vor dem Amtsgericht in Fulda verhandelt.

Das Opfer, dessen Worte teilweise von einem Dolmetscher übersetzt werden mussten, versuchte seine Gefühle und Gedanken genau zu erklären: „Es war, als wenn jemand in mir schreit. Ich habe versucht, meinen Körper zu bewegen, doch ich stand unter Schock.“ Er habe dann den Kopf des Mannes aus seinem Intimbereich gedrückt. „Ich habe an seine Stirn gefasst. Ich kann heute noch seine Falten an meinen Fingern spüren.“

Sauna-Vorfall in Fulda: Beschuldigter soll Glied des Opfers in den Mund genommen haben

Er habe damals Angst gehabt, da er auch alleine in dem Raum gewesen sei. Und er habe gefürchtet, sich möglicherweise mit einer Krankheit infiziert zu haben. Nachdem der Mann weg war, habe er sich gründlich gewaschen.

Ausführlich schilderte der junge Mann sein Gefühlsleben: „Ich war schockiert, ganz blass im Gesicht und konnte kaum mehr stehen, weil meine Knie weich waren.“ Und er habe sich geschämt, überhaupt jemandem von der Tat zu erzählen. Nachdem er seiner Freundin, die sich ebenfalls im Bad aufhielt, schließlich doch davon berichtet hatte, informierten beide auch einen Mitarbeiter sowie letztendlich die Polizei.

Die Suche nach dem Angeklagten vor Ort sei jedoch ergebnislos verlaufen, er hatte das Schwimmbad in der Zwischenzeit verlassen. Allerdings habe die Polizei Kameraaufnahmen sichern können.

Freundin des Opfers sagt aus: 23-Jähriger nach Vorfall in Sauna psychisch labil

Noch heute sei er „seelisch gestört“ durch die Tat, bekannte der 23-Jährige. „Ich versuche Tag für Tag, das zu vergessen.“ Sein Wunsch ist, eine Therapie beginnen zu können: „Damit ich das aus meinem Kopf löschen kann“. Die Tat habe wahrscheinlich nur Sekunden gedauert, „aber für mich sind sie wie Stunden vorgekommen.“

Die Freundin des Geschädigten berichtete am Dienstag ebenfalls über den Tattag und bestätigte die bis heute labile psychische Verfassung ihres Freundes. Weil es zeitlich nicht möglich war, alle weiteren Zeugen, darunter die Polizeibeamten, zu vernehmen, wurde der Prozess vertagt. Dann wird voraussichtlich auch der Angeklagte aussagen.

Lesen Sie hier: Vorwurf der Vergewaltigung: Landgericht Fulda spricht 26-Jährigen frei.

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