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Brennen für den Glauben - So wurde die Osterkerze für die Innenstadtpfarrei gestaltet

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Von: Alina Komorek

Die Idee für die Osterkerze geht auf das Fastentuch zurück, das in der Stadtpfarrkirche hing.
Die Idee für die Osterkerze geht auf das Fastentuch zurück, das in der Stadtpfarrkirche hing. © Marzena Seidel

Die Gestaltung des Fastentuches greift Dr. Henriette Klasmeier jedes Jahr für das Osterbild der Innenstadtpfarrei auf – das Motiv wiederum ist Vorbild für die Osterkerze, die in der Osternacht entzündet wird. 

Fulda - Blauer Himmel, goldene Sonne: Die Farben der ukrainischen Flagge erinnern seit einigen Wochen im Kreis Fulda daran, dass in der Ukraine Krieg ist, dass Menschen flüchten, dass Frieden etwas ist, was verloren gehen kann. (Lesen Sie auch: Pfarrer erklären - Das können wir aus der Osterbotschaft in Kriegszeiten ziehen)

In diesen Farbtönen ist das diesjährige Osterbild von Henriette Klasmeier gehalten – obwohl der Krieg noch gar nicht tobte zu der Zeit, in der sie es malte. Denn das Motiv des Osterbildes wählt die 39-Jährige seit 2018 Jahr für Jahr in Anlehnung an das Motiv, das die Stadtpfarrei bereits im Januar für das Fastentuch gewählt hat.

Das Fastentuch kommt von Bernadette Wahl, Referentin Citypostoral. „In diesem Jahr war darauf eine Origami-Taube als Friedenssymbol. Aber sie stand zu der Zeit noch für inneren Frieden, der in Zeiten der Pandemie, der ständigen Erreichbarkeit und vieler Sorgen schwer zu finden ist“, erzählt Klasmeier.

Fulda: Osterkerze der Innenstadtpfarrei - Das bedeuten die Symbole und Farben

Als die ausgebildete Medizinerin und Journalistin überlegte, wie sie das Motiv für das Osterbild gestalten sollte, ergänzte sie die Idee des inneren Friedens um das, was außen herum stattfindet: „Die Taube ist ein Friedenssymbol – aber auch das Symbol für den Heiligen Geist“, beschreibt Klasmeier.

„Und die Anwesenheit Gottes. Deshalb richtet sich die Taube nach außen. Mir geht es um den Frieden, der im Inneren anfängt und dann größere Kreise zieht: Frieden in der Familie, in der Gesellschaft und schließlich auf der ganzen Welt.“

Auch das Kreuz, das auf dem goldenen Hintergrund zu sehen ist, sei in diesem Sinne zu deuten: „Die Vertikale stellt die Verbindung der Menschen zu Gott dar, die Horizontale die Verbindung der Menschen untereinander.“ Das Gold im Hintergrund zeige das Licht der Ostersonne, das durch die Dunkelheit bricht.

Das Kreuz hat neben dieser christlichen Symbolik noch eine praktische und liturgische Bewandtnis: „Ich arbeite es jedes Mal in die Bildkonzeption ein, da daran orientiert in der Osternacht vom Pfarrer die fünf Wachsnägel in die Kerze gedrückt werden, welche die Wundmale Jesu symbolisieren“, erklärt die 39-Jährige.

Sechsköpfiges Team überträgt Bildnis auf die Osterkerze

Um dieses Motiv, das auch auf Heftchen zu den Messen der Innenstadtpfarrei zu sehen sein wird, auf die Osterkerze zu übertragen, bereitet Klasmeier in jedem Jahr eine Vorlage vor. Denn das Format des Bildes ist meist zu flach – die Variante aus Wachs muss höher und länger sein. Ein sechsköpfiges Team trifft sich dann, um die Papiervorlagen auf das Wachs zu übertragen, um die bunten Wachsplatten mit Bastel-Skalpellen auszuschneiden und das Bild schließlich auf die Kerze zu bringen.

„Das macht man einfach mit Handwärme. Und legt am besten noch Butterbrotpapier dazwischen, um zu vermeiden, dass Fingerabdrücke auf dem Wachs zurückbleiben“, erklärt die Fuldaerin.

Henriette Klasmeier sitzt an den Heftchen, die zu den Ostermessen verteilt werden. Darauf sind ihre Bilder zu sehen, innen steht noch ihre Botschaft.
Henriette Klasmeier sitzt an den Heftchen, die zu den Ostermessen verteilt werden. Darauf sind ihre Bilder zu sehen, innen steht noch ihre Botschaft. © Alina Komorek

Das Team um Pfarrer Stefan Buß könne sich mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten in der Pfarrei einbringen. Das schätzt Klasmeier sehr: „Pfarrer Buß gibt uns Raum, und er nimmt die Vielfältigkeit der Menschen an.“ (Lesen Sie hier: Osterpredigt im Fuldaer Dom - Bischof Michael Gerber setzt Fokus auf Ukraine-Konflikt)

So kam es auch, dass Klasmeier ihr Hobby, das Malen, mit dem Engagement für die Kirche vereinbaren konnte. „Ich komme immer wieder zur Kunst zurück“, erzählt Klasmeier. Sobald sie kreativ werde, ordne sie ihre Gedanken. Den Lockdown habe sie genutzt, um das Malen mit Acryl zu lernen – und ist für das diesjährige Osterbild dabei geblieben.

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