Mancherorts werden Ostereier aneinander geschlagen. Gewonnen hat derjenige, dessen Ei zuletzt zerbricht. (Symbolfoto)
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Mancherorts werden Ostereier aneinander geschlagen. Gewonnen hat derjenige, dessen Ei zuletzt zerbricht. (Symbolfoto)

Eierwerfen und Purzelbäume

Diese ungewöhnlichen Bräuche gibt es in der Region Fulda an Ostern

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Während das Verschenken bemalter Eier durch den Osterhasen hierzulande weitbekannte Bräuche sind, gibt es manch andere nur in bestimmten Regionen. Viele müssen in diesem Jahr wegen Corona aber ganz oder wesentlich kleiner ausfallen.

Osthessen - In Wald-Michelbach im Odenwald findet sonst an Ostern ein Wettstreit im Eierweitwurf statt, doch Corona macht dem dieses Mal einen Strich durch die Rechnung. Auch die in vielen Gegenden beliebten Osterfeuer müssen in diesem Jahr ausfallen, weil öffentliche Veranstaltungen nicht möglich sind. Oft heißt es, dass solche Bräuche auf alte germanische Riten zurückzuführen seien – das ist aber aus wissenschaftlicher Sicht mindestens sehr unwahrscheinlich und vermutlich schlichtweg Quatsch.

Auch an den Tagen vor Ostern gibt es bereits einige Bräuche. In manchen katholischen Gegenden wie dem Landkreis Fulda gehen vielerorts an den Kartagen Kinder oder auch Erwachsene durch die Straßen und betätigen eine Klapper, die die Rolle der Kirchenglocken ersetzt. Denn die verstummen in diesen Tagen in Gedanken an den Tod Christi. Trotz der Corona-Pandemie findet dieser Brauch wieder in kleinerem Umfang statt. Im vergangenen Jahr musste er ausfallen. (Lesen Sie hier: Fulda: Hunderte Gläubige feiern Osternacht-Gottesdienst im Livestream)

Fulda: Diese ungewöhnlichen Bräuche gibt es an Ostern

Unproblematisch sind in der Corona-Pandemie hingegen dekorative und kulinarische Bräuche. Beliebt sind in Osthessen die Grüne Soße an Gründonnerstag, die geschmückten Osterbrunnen oder die schon ab dem Sonntag vor Ostern, dem Palmsonntag, hübsch angerichteten Palmkätzchen. Ein wenig aus der Hasenreihe tanzt Ostheim in der bayerischen Rhön. Dort bringt bei vielen Familien nicht ein Fellknäuel, sondern der Storch die bunten Hühnereier – und das schon an Gründonnerstag. Das rührt wohl daher, dass es in der Region viele Störche gibt und diese um die Zeit um Ostern herum wieder aus dem Süden zurückkehrten. Da ließ sich das bunte Eiergeschenk ihnen leicht in die nicht vorhandenen Schuhe schieben.

In einigen bayerischen Gemeinden wie im niederbayerischen Laberweinting ist es Brauch, dass der Pfarrer mit seiner Predigt versuchen muss, die Gläubigen möglichst viel zum Lachen zu bringen. In Frankfurt schweigen indes am Karsamstag nicht die Glocken, sondern tun das Gegenteil: Um 16.30 Uhr läuten alle gemeinsam eine halbe Stunde lang um die Wette.

Video: Warum werden Brunnen zu Ostern geschmückt?

Der Blick in andere Länder offenbart noch viel mehr und teils eigenwillige Osterbräuche. So wird sich in Bulgarien vor manchen Kirchen nach dem Gottesdienst gegenseitig mit Eiern beworfen. Allerdings mit gekochten – und wessen Ei das gut übersteht, dem wird Glück vorausgesagt.

In einigen walisischen Gemeinden treffen sich die Menschen an Ostersonntag auf einem Hügel und schlagen dort Purzelbäume. In Irland werden mancherorts kleine Gräber ausgehoben und dann darin feierlich Heringe bestattet – als Zeichen für das Ende der Fastenzeit. Die Niederländer hingegen kaufen traditionell an Ostermontag scharenweise neue Möbel – doch das wird in diesem Jahr wohl ebenfalls kleiner ausfallen müssen. Frauen haben in Polen am Ostermontag wenig zu lachen. Denn in einigen Regionen ist es Brauch, dass die Männer ihre Auserwählte mit kaltem Wasser übergießen. Früher drangen sie dafür wohl in die Häuser ein, heute findet der Spaß auf offener Straße statt. Aber durch Corona ist dieses Jahr das Risiko einer kalten Dusche vermutlich ebenfalls vergleichsweise gering.

Bräuche an Ostern: Wissenschaftlerin im Kurz-Interview

Professorin Dr. Heidrun Alzheimer, Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie an der Universität Bamberg, beantwortet drei Fragen zum Osterfest:

Ostern ist auf die germanische Frühlingsgöttin Ostara zurückzuführen, heißt es gerne. Was sagen Sie als Wissenschaftlerin zu dieser Theorie?
 Ostern ist ein christliches Fest, mit dem wir die Auferstehung Christi feiern. Die Vorstellung, es gäbe heute noch Bräuche, die mehr als 2000 Jahre alt sind, und ungebrochen überliefert worden seien, wird in den modernen kulturwissenschaftlichen Disziplinen klar verneint. In der Zeit des Nationalsozialismus ist es üblich gewesen, alles Christliche aus den Bräuchen zu verbannen und Phänomene wie Fastnacht oder aus Aufstellen von Rübengeistern im Herbst von den sprichwörtlichen „alten Germanen“ herzuleiten. Das war eine Legitimationsversuche, der auch im 19. Jahrhundert in konservativen Kreisen bereits zu beobachten war, um die deutsche Nationalgeschichte in weit zurückliegender „grauer Vorzeit“ verankern zu können. Inzwischen bemüht die Wissenschaft Germanen und Kelten nicht mehr; vielmehr geht sie grundsätzlich sehr vorsichtig mit ganz großen Kontinuitätslinien um, denn dafür fehlen belastbare Quellen. Weder die Kelten noch die Germanen haben Schriften hinterlassen, aus denen wir ihre Bräuche rekonstruieren könnten. Und auf bloße Vermutungen bauen wir nicht.
Weshalb schenken wir uns zu Ostern eigentlich bunt bemalte Eier? 
In der 40-tägigen Fastenzeit war der Verzehr jedweder tierischer Produkte von der Kirche verboten. Dazu gehören auch Eier. Da das Federvieh aber im Frühjahr fleißig weiter Eier legt, sammelten sich diese bis Ostern an und mussten dann zügig verzehrt werden. Sie wurden gekocht, und um die gekochten von den rohen Eiern unterscheiden zu können, hat man sie gefärbt. Paten schenkten ihren Patenkindern Eier zu Ostern, und um dieses an und für sich nicht sehr wertvolle Geschenk aufzuwerten, wurden sie kunstvoll verziert.
Und warum bringt diese ausgerechnet ein Hase? 
1816 hat der katholische Pfarrer Christoph von Schmid aus Dinkelsbühl in seinem Buch „Die Ostereyer“ folgende Erklärung vorgebracht: Einst fand ein kleines Mädchen hinter einem Wacholderstrauch fünf bunte Eier. Hühnereier sind nicht farbig, das wusste das Mädchen genau. Weil es kurz zuvor ein Häschen hinter dem Busch gesehen hatte, war es sich sicher: Der Hase muss die bunten Eier gebracht haben. Die anderen Kinder fanden das so lustig, dass sie immer wieder vom Eier bringenden Hasen erzählt haben – bis es eine Sage wurde, die wir noch heute kennen. Schmid war einer der ersten, der den Osterhasen als Gabenbringer erwähnte. Die Wahl scheint er eher willkürlich getroffen zu haben; es hätte auch ein Osterferkel oder eine Ostermaus sein können. Der Hase kommt noch in vielen anderen Geschichten vor. Fritz Koch-Gotha hat im Jahr 1924 zum Beispiel „Die Häschenschule“ verfasst. Darin hat er Hasen vermenschlicht. Sie können aufrecht gehen und tragen Kleidung – wie wir Menschen es tun. Richtig durchgesetzt hat sich der Osterhase aber erst durch die Süßwarenindustrie im 19. Jahrhundert, also seit es zu Ostern Häschen und Eier aus Schokolade zu kaufen gibt.

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