Das Unternehmen Pappert wird von Poppenhausen in der Rhön nach Eichenzell-Rönshausen ziehen.
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Das Unternehmen Pappert wird von Poppenhausen in der Rhön nach Eichenzell-Rönshausen ziehen.

Aus der Rhön nach Rönshausen

Pappert darf umziehen: Gemeinde Eichenzell gibt grünes Licht für XXL-Backhaus

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Der Neubau des Backhauses der Bäckerei Pappert in Eichenzell-Rönshausen rückt näher: Eichenzells Gemeindevertreter gaben grünes Licht für die Änderung des Bebauungsplans.

Eichenzell - In Poppenhausen, wo die Bäckerei Pappert seit Jahrzehnten arbeitet, ist es dem Unternehmen zu eng geworden. Hier gibt es für das stark wachsende Unternehmen keine Erweiterungsmöglichkeiten, der Weg zur Autobahn ist lang.

Im August 2019 hat das Familienunternehmen deshalb angekündigt, den Umzug an den Rand des Industrieparks Rhön zu planen. Hier hat das Unternehmen Platz für Produktion, Logistik und Verwaltung – und die Autobahn ist 15 Minuten näher als in Poppenhausen. Seitdem wurde hinter den Kulissen viel geplant – in der Gemeinde und in dem Unternehmen. Die Corona-Pandemie hat die Planungen nur unwesentlich gebremst. (Lesen Sie auch: Fast alle Kassenbons landen im Müll - Pappert setzt auf QR-Codes)

Fulda: Bäckerei Pappert darf nach Eichenzell ziehen - „Riesenprojekt“

„Wir wollen ein Backhaus der Zukunft bauen. Das ist ein Riesenprojekt. Hier sollen die Abläufe zukunftsweisend organisiert sein. Auch um noch handwerklicher und mit noch mehr Qualität produzieren zu können, brauchen wir mehr Platz“, sagt Thomas Bertz, Sprecher des Unternehmens.

Der Neubau wird grob etwa 110 Meter mal 110 Meter groß – aber nicht quadratisch – und rund 15 Meter hoch, berichtet die Gemeinde Eichenzell auf Anfrage. Bei ihr liefen die Fäden für die Änderung des Bebauungsplans zusammen. Im August 2019 hatten die Gemeindevertreter schon einmal in einem Grundsatzbeschluss grünes Licht für den Umzug gegeben, jetzt votierten sie einstimmig für den für den Neubau geänderten Bebauungsplan. Weil Pappert etwas kleiner baut als zunächst geplant und die Firma auch eine zunächst vorgesehene Reservefläche nicht benötigt, muss der Plan noch einmal vier Wochen öffentlich ausgelegt werden, und die Vertreter müssen noch einmal abstimmen. Die Zustimmung in der September-Sitzung der Gemeindevertreter gilt aber als sicher.

„Auch die Optik hat sich etwas verändert. An den Außenfassaden gibt es jetzt weniger Rot als ursprünglich von dem Unternehmen geplant und dafür mehr Holzflächen“, erklärt Eichenzells Rathauschef Johannes Rothmund (CDU).

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„Wenn der Bebauungsplan beschlossen ist, wollen wir kurz danach den Bauantrag stellen und nach dessen Genehmigung ohne Verzögerung mit dem Bau beginnen“, sagt Bertz. „Wir würden uns freuen, wenn das noch in diesem Jahr erfolgen könnte.“ Bei der Genehmigung des Bauantrags durch das Kreisbauamt sieht Rothmund keine Hindernisse: „Alle Einzelheiten des Bauvorhabens sind ja in dem Bebauungsplanverfahren mit allen betroffenen Behörden bereits abgesprochen worden“, berichtet der Eichenzeller Bürgermeister.

Das Unternehmen Pappert rechnet damit, dass zwischen dem Baubeginn und der Inbetriebnahme des neuen Backhauses rund zwei Jahre vergehen werden.

Noch nicht endgültig entschieden ist die Frage, ob Teile des Unternehmens in Poppenhausen bleiben. „Es spricht aber viel dafür, dass wir nicht nur in Teilen, sondern komplett aus der Rhön nach Rönshausen umziehen werden“, sagt Bertz. Zum Investitionsvolumen will sich das Unternehmen noch nicht äußern.

Pappert-Weggang ist herber Verlust für Poppenhausen

Im Kurzinterview mit unserer Zeitung erklärt Manfred Helfrich (63, CDU), Bürgermeister von Poppenhausen, was der Umzug für seine Gemeinde bedeutet:

Was bedeutet der Weggang von Pappert für Poppenhausen?
Der Weggang von Pappert ist für uns ein herber Verlust – auch an Arbeitsplätzen und Gewerbesteuereinnahmen. Der Fitness-Bäcker passt zu uns als Natursportgemeinde. Wir haben das Unternehmen mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in seiner Expansion unterstützt. Aber die Anforderungen der weiter wachsenden Firma an Gewerbeflächen von mindestens zehn Hektar hätten wir schon aus topographischen Gründen nicht erfüllen können.
Haben Sie schon überlegt, wie Poppenhausen den Weggang kompensieren kann?
Der Weggang von Pappert ist eigentlich nicht zu kompensieren. Wir werden auch künftig vor allem die bestehenden Betriebe unterstützen. Die Neuansiedlung von Gewerbe wird untergeordnet bleiben. Unsere Stärken sind die intakte Natur und die herrliche Landschaft. Daher ist es seit vielen Jahren mein Bestreben, uns als Tourismus-Ziel weiterzuentwickeln. Wir sind jetzt schon mit 110.000 Übernachtungen eine der führenden Tourismusgemeinden der Rhön.
Gibt es Überlegungen, wie der Standort neu genutzt werden kann?
In erster Linie ist es Sache der Eigentümer, über eine Folgenutzung zu entscheiden, die Gemeinde kann hier nur beraten. Wir hoffen, dass Pappert den Standort Poppenhausen , wenn auch untergeordnet, weiter nutzt. Ob das Sinn macht, muss das Unternehmen entscheiden. Eine Folgenutzung für andere Branchen ist wohl nicht ganz einfach. Die spezielle Architektur und das bestehende Raumkonzept lassen nicht jede Nutzung zu.

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