Paulin Kalkofen hat mit 19 Jahren Knochenmark gespendet.
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Paulin Kalkofen hat mit 19 Jahren Knochenmark gespendet.

Frau aus den USA ist ihr genetischer Zwilling

Paulin Kalkofen aus Fulda hat mit 19 Jahren Knochenmark gespendet

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von zehn Jahren nach Registrierung bei der DKMS angerufen zu werden und als potenzieller Spender in Frage zu kommen, liegt bei 1,5 Prozent. Paulin Kalkofen aus Fulda gehörte zu diesen 1,5 Prozent. Mehr noch: Sie überstand alle Tests und spendete vor etwa einem Jahr Stammzellen für eine Empfängerin aus den USA.

  • Paulin Kalkofen aus Fulda hat mit 19 Jahren Knochenmark gespendet.
  • Ihr genetischer Zwilling ist eine Frau aus den USA.
  • Die Schülerin erzählt von ihrer Operation und dass sie nie einen Rückzieher gemacht hätte.

Fulda - Um sich an ihre Knochenmark-Spende zu erinnern, hat sich die Schülerin ein Tattoo auf den Arm stechen lassen. Es zeigt eine Weltkugel mit einem kleinen Flugzeug, das um die halbe Welt fliegt. „Es zeigt den Weg, den mein Knochenmark zurückgelegt hat“ – von Frankfurt in die USA.

Der Anruf von der DKMS kam am 11. Juni 2019. „Mir wurde gesagt, dass ich potenzielle Knochenmark-Spenderin bin. Das war wirklich merkwürdig. Das war ein Anruf, mit dem man nicht gerechnet hat.“

Anruf der DKMS kam überraschend - Paulin Kalkofen hat mit 19 Jahren Knochenmark gespendet

Angemeldet hatte sich die Schülerin bereits kurz nach ihrem 18. Geburtstag. Ihre Schule – die Eduard-Stieler-Schule – habe die Jugendlichen darauf hingewiesen, dass man sich bei der DKMS registrieren lassen kann, wenn man sich das zutraue. „Es kommt ein kleiner Funke Hoffnung mehr in den Topf, dass eine erkrankte Person ihren genetischen Zwilling findet“, erklärt sie die Intention ihrer Registrierung.

Als sie dann wirklich spenden sollte, prüfte zunächst der Hausarzt, ob auch wirklich alles passt, denn die Speichelprobe, mit der man sich registriert, enthalte nicht alle Informationen, die benötigt werden. Kurz darauf der Anruf: Alles passt. Aufgeregt war Kalkofen zu diesem Zeitpunkt nicht.

Paulin Kalkofen hat mit 19 Jahren Knochenmark gespendet.

Bei einer erneuten Untersuchung in Frankfurt wurde sie dann komplett „auf links gedreht“, erinnert sie sich und fügt hinzu: „Es wurde geschaut, dass alles im Körper richtig funktioniert.“

Knochenmark wurde in einer Operation entnommen

Vor der OP wurde der Fuldaerin eine Betreuerin zur Seite gestellt, die sie rund um die Uhr erreichen konnte. Die eigentliche Operation fand dann etwa einen Monat später – am 10. Juli 2019 – statt. Für die Entnahme der Zellen gebe es zwei Techniken. Bei der einen Technik würden die Zellen direkt aus dem Blut, bei der anderen Methode aus dem Beckenkamm entnommen. Letztere Methode sei allerdings mit einer Operation verbunden.

„Ich habe mich gefreut, als die Ärzte gesagt haben, dass sie es bei mir über die Operation machen möchten.“ Der Grund: Zwölf Stunden mit Nadeln in den Armen sei für die 20-Jährige eine Horrorvorstellung gewesen. Mitbestimmungsrecht habe man bei der Auswahl der Technik allerdings nicht.

„Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass ich das wirklich gemacht habe“, resümiert die Schülerin nach knapp einem Jahr. Seltsam sei für sie, dass man in ein Krankenhaus gehe, obwohl man gesund ist.

Kontakt zur Patientin erst nach vier Jahren möglich

Über die Empfängerin weiß Kalkofen lediglich, dass es sich um eine Frau mittleren Alters handelt, die in den USA lebt. Kontakt zu dieser Person könne erst nach vier Jahren hergestellt werden – und das auch nur, wenn beide Seiten einwilligten. Vorher dürfe man die Person nicht kennenlernen. Was die Schülerin sich wünschen würde, wäre zu wissen, ob ihre Zellen der Frau geholfen haben.

Die OP an sich dauerte eine Stunde. Abgelaufen ist sie so: „Man wird während der Narkose auf den Bauch gedreht, mit ganz feinen Nadeln wird durch den Knochen gebohrt und dann werden die Zellen entnommen.“ Das Knochenmark sei noch am gleichen Tag mit dem Flieger in die Staaten gebracht worden.

„Nie an einen Rückzieher gedacht“

In den zwei Wochen nach der OP fühlte sie sich schlapp. „Ich war zu nicht viel imstande, ich habe viel geschlafen. Ich konnte auch nicht alleine laufen, weil mein Kreislauf geschwächt war.“ Langfristig geblieben seien allerdings lediglich zwei kleine Punkte am Rücken. Angst vor Folgeschäden habe sie zu keiner Zeit gehabt.

Auch an einen Rückzieher habe die heute 20-Jährige nie gedacht. „Für mich gibt es nicht die Frage, ob man es nicht macht. Das ist wie, wenn man Menschen verweigern würde, ihnen zu helfen, wenn sie hinfallen. Man hilft jemand anderem, indem man selbst ein bisschen von sich abgibt.“

Schmerzen hatte die 20-Jährige nicht. Sie betont: „Und auch wenn, das wäre mir egal gewesen. Es geht einem danach besser.“ Über ihre Spende ist die Schülerin rückblickend glücklich, auch wenn sie weiß, dass der Körper der erkrankten Person ihr Knochenmark auch annehmen muss. „Ich kann nur einen kleinen Teil geben.“ Sie ist froh darüber, dass sich in ihrem Umfeld nun viele Menschen angemeldet haben.

In der Region fanden schon einige Aktionen statt, bei denen sich Menschen als Knochenmarkspender registrieren konnten: Im Dezember 2019 haben sich 907 Freiwillige für Nomi in Hilders typisieren lassen. Für Martin aus Fulda fand ebenfalls eine Typisierungsaktion statt.

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