Joachim Wieczorek (links), seine Frau Silke Gramatzki-Wieczorek und Uwe Hanstein kümmern sich seit Jahren um heimatlose Tiere aus der Region.
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Joachim Wieczorek (links), seine Frau Silke Gramatzki-Wieczorek und Uwe Hanstein kümmern sich seit Jahren um heimatlose Tiere aus der Region.

380 Mitglieder

„Viele emotionale Fälle“ - Tierschutzverein in Hainzell hat 15 arbeitsreiche Jahre hinter sich

  • Marcus Lotz
    VonMarcus Lotz
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Seit 15 Jahren kümmert sich der Tierschutzverein Verantwortung Leben in Hainzell um das Wohl von Tieren. Die Arbeit ist für die 35 Helferinnen und Helfer nicht immer einfach, aber erfüllend.

Hainzell - Was der Tierschutzverein in 15 Jahren auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich: Aus einer Initiative gegen Tierdiebstähle wurde im Jahr 2006 ein Tierschutzverein, zu dem heute 380 Mitglieder zählen. Aus der ehemaligen Scheune eines Viehhändlers machten die Tierschützerinnen und Tierschützer ein sicheres, sauberes und in seiner Bauweise einmaliges Zuhause für etwa 200 Katzen im Jahr sowie eine Handvoll Pferde. Der Verein nimmt hauptsächlich Fund- und Abgabetiere auf.

Wie ein Paradies für Stubentiger mutet das offene Stockwerk unter dem Dach der Scheune an, in dem die Katzen umherstreifen. Nebenan ist erst vor wenigen Monaten eine Lodge für besonders alte oder pflegebedürftige Katzen fertig geworden. In hellen Zimmern mit flauschigen Teppichen, Kratzbäumen, Sesseln und Sofas fühlen sich die Tiere sichtlich wohl. Welche Katze bewohnt schon ein Privatzimmer mit Balkon?

Fulda: Pferde vor dem Schlachter retten - 15 Jahre Tierschutzverein

Von dort können die Katzen nicht nur das Dorfleben beobachten, sondern auch die Pferde, denen etwa wegen einer Hufentzündung das Schlachtermesser drohte. Stattdessen verbringen sie ihren Lebensabend in Hainzell (Kreis Fulda), fressen spezielles Heu und laufen in Hufschuhen – denn Nägel würden den Stoffwechsel der Tiere stören.

„Die Leute sagen, es ist gut, was wir hier machen“, sagt die Vorsitzende Silke Gramatzki-Wieczorek, die für ihr Engagement für das Tierwohl 2015 den Bürgerschaftspreis gewonnen hatte, zufrieden. Und auch der Verein kann diverse Auszeichnungen vorweisen, etwa die Tierschutzpreise „Goldene Pfote“ und „Goldener Fressnapf“.

Spenden

Der Verein finanziert sich – abgesehen von einer kleinen Zuwendung der Gemeinde – ausschließlich über Spenden. Diese können erfolgen an

Raiffeisenbank
Großenlüder
IBAN: DE 17 5306 2035 0003 7195 02
BIC: GENODEF1GLU

Viel aussagekräftiger für den Erfolg ist allerdings die breite Resonanz. „Die Leute kommen teilweise aus München, Düsseldorf oder Flensburg hierher, um eine Katze abzuholen“, erzählt Gramatzki-Wieczorek. Vermittelt bekommt der Verein, wie die Vorsitzende sagt, alles – von der dreibeinigen bis zur einäugigen oder blinden Katze. Unter dem Motto „Senioren für Senioren“ werden dabei auch oft ältere Menschen mit einem Tier bedacht.

Eine Vermittlung geschieht aber immer erst nach intensiver Prüfung, bei dem die Tierschützerinnen und Tierschützer abklopfen, ob der- oder diejenige auch für das Tier geeignet ist – gerade in Corona-Zeiten mit einer noch höheren Nachfrage. Auswärtige müssen ein Video ihrer Wohnung schicken.

Doch nicht nur die Tiere und deren zukünftige Besitzerinnen und Besitzer, auch die Ehrenamtlichen profitieren von der Arbeit des Vereins: „Die Kinder und Jugendlichen lernen, sich um die Pferde zu kümmern und Verantwortung zu tragen. Sie haben bald einen Blick dafür, wenn es den Pferden nicht gut geht. Manche Kinder verbringen jede freie Minute im Stall. Sie lieben die Tiere, als wären es ihre eigenen.“ (Lesen Sie hier: Tierschützer finden sechs Katzenbabys in Plastiktüte - nur eins überlebt)

Und manchmal kann es diese Liebe sein, die bei Mensch und Tier Erstaunliches bewirkt. „Wir hatten mal ein Kind hier, das Opfer von Mobbing war. Es hat zwei Jahre nicht geredet, hat dann aber durch die Pferde wieder zurück ins Leben gefunden.“ Viele der „Mädels“, wie Gramatzki-Wieczorek die fast ausschließlich weiblichen Helfenden nennt, blieben dem Verein jahrelang treu. „Wir sehen sie hier aufwachsen“, erzählt Joachim Wieczorek, Vorstandsmitglied und Kassierer.

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Doch längst nicht immer ist das Vereinsleben ruhig und beschaulich. Oft nutzt der Verein seine Reichweite in den sozialen Netzwerken, um für dringend notwendige Operationen an verletzten Tieren zu sammeln. „Wir haben viele emotionale Fälle“, sagt die Vorsitzende und berichtet von der Arbeit des Vereins in Messi-Häusern, in denen manchmal Dutzende Tiere unter erbärmlichen Umständen dahinvegetieren. „Nach solchen Einsätzen müsste man eigentlich mal durchatmen“, sagt Gramatzki-Wieczorek.

Zum Durchatmen und zur Feier des 15-jährigen Bestehens war das Lüderhaus bereits gebucht. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Feier stattdessen in die Scheune verlegt. Und auch für die Zukunft hat der Verein bereits Pläne – die Katzen-Lodge soll erweitert werden.

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