Auf der Fläche unweit des Gersfelder Hofs, angrenzend an die Straße Auf der Wacht und oberhalb der Egon-Langheinrich-Straße, sollen 15 Bauplätze entstehen.
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Auf der Fläche unweit des Gersfelder Hofs, angrenzend an die Straße Auf der Wacht und oberhalb der Egon-Langheinrich-Straße, sollen 15 Bauplätze entstehen.

Entscheidung der Stadtverordneten

„Wollen IKEK nicht gefährden“ - Planungen für Neubaugebiet in Gersfeld vorerst auf Eis gelegt

  • Jessica Vey
    VonJessica Vey
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Gersfeld möchte 15 Bauplätze im Bereich „Auf der Wacht“ ausweisen. Die Stadtverordneten haben die Planungen nun gestoppt. Sie wollen, dass zuerst geprüft wird, ob das Dorfentwicklungsprogramm IKEK – und damit Fördergelder – gefährdet werden könnten. 

Gersfeld - In Gersfeld sind kommunale Bauplätze Mangelware. Seit Langem möchte die Stadt eigene Flächen ausweisen. Nun wurde der Bereich Auf der Wacht – unweit des Gersfelder Hofs – ins Auge gefasst.

Ein Planentwurf mit Bebauungsplan wurde aufgestellt. Bürgermeister Dr. Steffen Korell (CDU) warb während der jüngsten Stadtverordnetensitzung dafür, dass das Parlament diesen Entwurf billigt – aber unter der Voraussetzung, dass man noch nicht in die Offenlage geht. Offenlage heißt, der Entwurf würde öffentlich ausgelegt – jeder kann dann dazu Stellung nehmen, auch verschiedene Behörden.

Fulda: Planungen für Neubaugebiet in Gersfeld auf Eis gelegt - Das ist der Grund

Man wolle vor der Offenlage zunächst prüfen, ob eine Ausweisung eines Neubaugebiets für das IKEK-Verfahren schädlich sein könnte. Das IKEK (Integriertes Kommunales Entwicklungskonzept) ist ein Dorfentwicklungsprogramm – Gersfeld nimmt seit 2016 daran teil. Das Programm läuft noch bis 2024 und verspricht Fördergelder für Projekte wie die Sanierung des Freibads Dalherda und des Bürgerhauses Rengersfeld.

Der Bürgermeister sagte, er habe Rücksprache mit dem Landkreis Fulda gehalten, und man habe ihm signalisiert, dass die Ausweisung des Baugebiets dem IKEK nicht schädlich werden würde. Deshalb drängte er zur Eile: „Wir haben viele Anfragen von jungen Familien, die bauen wollen. Sie schauen sich um und wandern in andere Kommunen ab. Wir müssen jetzt schauen, dass wir ihnen etwas anbieten können.“ (Lesen Sie hier: Kaum Bauplätze im Kreis Fulda: So wollen die Kommunen Baulücken schließen und Leerstände bekämpfen)

Gersfelds Bürgermeister drängt auf Neubaugebiet - Parlament ist nicht überzeugt

Das Parlament indes zeigte sich nicht überzeugt, dem Planentwurf ohne Offenlage bereits zuzustimmen. „Es hängt viel dran am IKEK-Programm. Jetzt etwas zu beschließen, beinhaltet ein großes Risiko“, mahnte Bauausschussvorsitzender Rainer Goldbach (CDU). Für die CDU erklärte er, dass man sich innerhalb der Fraktion nicht einig sei und unterschiedlich abstimmen werde.

SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Gutermuth übte scharfe Kritik an Bürgermeister Korell und warf ihm vor, einen „groben Fehler“ begangen zu haben. „Viele Bürger setzen große Hoffnungen in das Dorfentwicklungsprogramm, denn es werden sowohl öffentliche als auch private Vorhaben gefördert.“

Man müsse nun erst prüfen, ob das zuständige Ministerium bestätigt, dass die Ausweisung des Baugebiets den Zielen der Innenentwicklung, die Gersfeld mit dem IKEK anstrebt, nicht entgegensteht. „Das hätte man als Chef der Verwaltung bereits tun müssen“, monierte Gutermuth. Nun dennoch über den Planentwurf abzustimmen, mache zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn.

Das Bündnis für Gersfeld (BfG) sieht indes noch Änderungsbedarf am Bebauungsplan. Bei den Vorgaben für angehende Häuslebauer müsse der Fokus noch mehr auf Umweltthemen liegen.

Stadtverordneten stimmten für den Antrag der SPD, Planung für das Neubaugebiet ruhen zu lassen

Klaus Grösch (BfG) trug den Antrag vor. Das Bündnis fordert unter anderem, dass Dachflächen und Fassaden für die Gewinnung von Solarenergie genutzt werden müssen. Weiter erklärte Grösch, dass die Außenbeleuchtung den Vorgaben des Sternenparks Rhön entsprechend verpflichtend umzusetzen seien. Außerdem seien als Einfriedung ausschließlich Holzzäune oder Hecken zulässig.

Bürgermeister Korell äußerte erhebliche Bedenken, was solch strikte Vorgaben für Bauherren angehe. Stadtverordnetenvorsteher Uwe Glück (BfG) entgegnete: „Wir müssen ja nicht Sie überzeugen, Herr Korell, sondern die Stadtverordneten.“ Diese entschlossen sich schließlich dazu, die Planungen für das Neubaugebiet ruhen zu lassen. Solange, bis man die Zustimmung aus dem Ministerium erhält.

Dieser Antrag der SPD wurde mit 20-mal Ja, sieben Nein-Stimmen und einer Enthaltung angenommen.

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