Das Haus, in dem Timnits Eltern leben, ist mit einem Zaun vom Fulda-Kanal getrennt.
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Das Haus, in dem Timnits Eltern leben, ist mit einem Zaun vom Fulda-Kanal getrennt.

Kritik im Internet

Nach Fund von totem Mädchen im Fulda-Kanal: Polizei nennt Details zur Suche nach zweijähriger Timnit

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Bedrückende Fragen: Wie und warum? Auch am Mittwoch stand die Region Fulda weiter unter Schock und betrauerte den Tod der zweijährigen Timnit. Die Obduktion hat nun neue Erkenntnisse geliefert. 

Update vom 21. Dezember, 20.10 Uhr: Wie konnte es dazu kommen, dass die kleine Timnit aus Fulda ums Leben kam? War es ein Unglück? Liegt Fremdverschulden vor? Es gibt bisher weder Anhaltspunkte für eine Straftat noch für eine Verletzung der Aufsichtspflicht durch die Eltern, sagt Dr. Christine Seban, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Fulda, unserer Zeitung.

Update 4. Dezember, 15.51 Uhr:  Dass das kleine Mädchen ertrunken und nicht etwa erfroren ist, hat die Obduktion ergeben, die am Freitag durchgeführt wurde. Das teilte die Staatsanwaltschaft Fulda auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Anhaltspunkte auf eine Gewalteinwirkung konnten nicht festgestellt werden.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag außerdem, dass es sich bei dem gefundenen Kind zweifelsfrei um Timnit handelt. Die Polizei hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass eine endgültige Identifizierung noch ausstünde.

Polizei in Fulda nennt Details zur Suche nach der zweijährigen Timnit

Erstmeldung vom 3. Dezember:

Fulda - Zahlreiche Kerzen vor dem Haus, in dem Timnits Eltern leben, deuten schon darauf hin: Die Nachricht über Timnits Tod hat die Region in und rund um Fulda tief bewegt. Das zweijährige Mädchen war am Montagabend verschwunden und am Dienstagnachmittag tot im Kanalabschnitt unter der Filzfabrik gefunden worden.

Wie es dazu kommen konnte, ist noch unklar. Polizeisprecher Dominik Möller erklärt: „Bei dem Fulda-Kanal handelt es sich um einen Flusslauf, der teilweise oberirdisch, teilweise unterirdisch verläuft.“ Dort, wo das Haus steht, in dem die Familie der kleinen Timnit lebt – in der Frankfurter Straße, Ecke Karl-Storch-Straße (Westring) in Fulda –, verlaufe er oberirdisch, erst bei der Filzfabrik in der Frankfurter Straße ändere sich das. Einen speziellen Zugang zu dem Kanal, den das Kind selbstständig genutzt haben könnte, gebe es nicht.

Nach Fund von totem Mädchen im Fulda-Kanal: Staatsanwaltschaft Fulda ordnet Obduktion an

Vom Hintereingang des Hauses, in dem Timnits Eltern leben, bis zum Kanal sind es nur wenige Meter. Ein gepflasterter Weg, ein wenig Wiese und ein Zaun trennen Haus und Kanal voneinander. Der Zaun endet an einem großen grauen Kasten, der auf einem Steinvorsprung steht. An dieser Stelle hat er zwar keine Lücke, aber ein Loch.

Steigt man auf das etwa 30 Zentimeter hohe Fundament des Steins sind es nicht mehr viele Zentimeter, bis der Zaun nach oben hin endet. Denkbar wäre, dass ein Kind an dieser Stelle zum Ufer des Kanals gelangt ist. An welcher Stelle genau die kleine Timnit jedoch ins Wasser gelangt ist, ist noch immer unklar, schreibt die Polizei in Fulda am Mittwochvormittag in einer Pressenotiz.

Dass Personen an einer anderen Stelle gefunden werden, als dort, wo sie ins Wasser gelangt sind, ist laut Möller nicht ungewöhnlich. Dabei könne es sich um mehrere Meter, wenn nicht sogar um einige Kilometer handeln. Der Grund dafür sei die Strömung und der Flussverlauf.

Ob es sich um ein tragisches Unglück oder um einen fremdverschuldeten Unfall handele, sei die Frage, die man sich nun stelle. Derzeit liegen der Polizei in Fulda jedoch keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung vor. Zur Klärung der genauen Todesumstände habe die Staatsanwaltschaft Fulda eine Obduktion angeordnet, die voraussichtlich am Freitag stattfinden wird. Mit ersten Ergebnissen sei frühestens im Laufe der kommenden Woche zu rechnen. Auch die endgültige Identifikation des Leichnams durch die Familie stehe noch aus.

Am Wohnhaus der zweijährigen Timnit wurde eine Gedenkstelle errichtet.

Suche nach zweijähriger Timnit in der Nacht zum Dienstag abgebrochen - Das sorgt für Kritik im Netz

In den sozialen Medien kursiert darüber hinaus die Frage, weshalb man die Suche nach der kleinen Timnit in der Nacht zu Dienstag abgebrochen habe. Möller erklärt, dass man die Suche nach acht Stunden – gegen 3 Uhr – vorerst beendet habe. „Wir haben in allen angrenzenden Bereichen gesucht, an denen wir das Mädchen vermutet haben.“

Obwohl es keinerlei Hinweise auf den Verbleib von Timnit gegeben habe, habe man trotz kalter Witterung und schlechten Lichtverhältnissen getan, was zur Nachtzeit möglich gewesen sei. Gegen 3 Uhr habe man sich schließlich entschieden, die Suche abzubrechen und neue Kräfte zu bündeln, um die Suche am Dienstagmorgen fortzusetzen. „Eine solche Suche bedarf außerdem einer gewissen Strukturierung“, sagt der Fuldaer Polizeisprecher. „Wir haben alles in unserer Macht stehende getan.“

Ob man in der Nacht bereits den Fulda-Kanal ins Visier genommen hatte, konnte der Polizeisprecher nicht beantworten. Er macht jedoch darauf aufmerksam, dass ein lebloser Körper in einem solchen Gewässer einerseits nicht direkt sichtbar ist und sich andererseits auch weiterbewegen kann. „Ob sich das Mädchen die ganze Zeit dort befunden hat, wo wir sie gefunden haben, weiß man nicht.“

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