Immer wieder berichten Opfer von Schockanrufen. Die Polizei in Fulda gibt Tipps, was man tun kann, wenn Betrüger anrufen.
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Immer wieder berichten Opfer von Schockanrufen. Die Polizei in Fulda gibt Tipps, was man tun kann, wenn Betrüger anrufen.

Aktion am Donnerstag

Was tun, wenn Betrüger am Telefon sind? Polizei in Fulda gibt Ratschläge zum Umgang mit Schockanrufen

  • Andreas Ungermann
    vonAndreas Ungermann
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Mit Enkeltrick und Schockanrufen bringen Betrüger ihre Opfer nicht nur um viel Geld. Auch psychische Folgen bleiben nicht aus. Wie sich Menschen davor schützen oder damit umgehen können, darüber informiert das Polizeipräsidium Osthessen in einer Telefonaktion mit unserer Zeitung.

Fulda/Vogelsberg - Tief durchatmen musste eine 65-Jährige aus Edelzell (Fulda), nachdem sie Anfang des Jahres einen Anruf aus einem Trickbetrüger-Callenter erhalten hatte. Ihre angebliche Tochter brauche dringend 50.000 Euro, weil sie in große Probleme geraten sei. Schnell war der Frau klar geworden, dass es sich am anderen Ende der Leitung um Betrüger handeln musste, auch weil die Edelzellerin selbst keine Kinder hat. Dennoch: Ganz spurlos ist das Telefonat an der Frau, die richtig handelte und die Polizei informierte, nicht vorbeigegangen. „Die Nacht danach war nicht so prickelnd“, erinnert sich die 65-Jährige an die Aufregung nach jenem ersten Anruf, dem noch weitere folgen sollten.

Das Polizeipräsidium Osthessen in Fulda berichtete außerdem, dass es am Montag, 17. Mai, mehrere Versuche durch betrügerische Anrufe gab, um an Wertgegenstände, Schmuck und Bargeld zu gelangen. Ein 88-Jähriger wurde dabei Opfer. Der Mann aus Lauterbach wurde telefonisch von den unbekannten Tätern kontaktiert. Einer gab sich als sein Enkel aus, der sich aktuell aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls in einer Notlage befände und Bargeld benötige. Der Mann übergab nach Aufforderung Bargeld in Höhe mehrerer tausend Euro an einen Abholer, nach dem die Polizei nun fahndet.

Polizei in Fulda gibt Ratschläge zum Umgang mit Schockanrufen und Enkeltrick-Betrügern

Auch bei einer Familie aus dem Vogelsbergkreis, die beinahe tatsächlich das Geld bezahlt hätte, um für die Tochter eine Kaution zu stellen, war der Schockanruf noch lange Thema. Vollkommen durch den Wind seien ihre Eltern gewesen, berichtet die echte Tochter und spricht von „Panik hoch zehn“ und „wahnsinniger Sorge“ bei der Mutter. Denn schließlich hatten die Anrufer ihr erzählt, die Tochter habe bei einem Unfall eine Frau getötet, und im Hintergrund zudem Schreie wie „Mama, hilf mir“ eingespielt.

„Dass die Täter derlei Sequenzen nutzen, um einen immensen Druck aufzubauen, ist keine Seltenheit“, erklärt Hendrick Mikulasch, Leiter Betrugsermittlungen beim Polizeipräsidium Osthessen in Fulda. Außerdem gehöre es zu den Maschen, die immer perfider würden, dass die potenziellen Opfer von ihrem Umfeld isoliert würden. Umso wichtiger sei es deshalb, dass beispielsweise Bankmitarbeiter sensibilisiert seien, wenn vornehmlich ältere Kunden hohe Beträge und dies ohne Angabe von Gründen abheben. So geschehen im Fall der Vogelsberger Familie, in dem eine Bankmitarbeiterin aufmerksam wurde und die Polizei informierte.

Trickbetrüger: In Spitzenzeiten werden der Polizei 30 bis 50 Telefonate am Tag aus Osthessen gemeldet

In einem anderen Fall in Fulda vereitelte Taxifahrer Norbert Reinhardt einen Betrugsversuch, der eine Kundin teuer hätte zu stehen kommen können. Dass deren Sohn bei Weimar einen Unfall gehabt haben soll und nun dringend Bargeld benötige, sei ihm merkwürdig vorgekommen. Während sein Fahrgast in der Sparkassen-Filiale in der Rabanusstraße das Geld abheben wollte, alarmierte der Taxifahrer die Polizei.

Nicht immer aber gehen diese Betrugsversuche so glimpflich aus wie in diesen Beispielen. Denn die Betrüger seien hartnäckig und suchten so lange, bis sie das passende Opfer haben und erfolgreich sind. „In Spitzenzeiten werden uns 30 bis 50 Telefonate am Tag aus Osthessen gemeldet“, sagt Mikulasch. Dabei gingen die Täter „wellenartig“ vor und wechselten ihre Maschen, die mit Emotionen und Urängsten der Opfer spielten. So machen sich die Anrufer etwa auch die Corona-Pandemie zunutze, indem sie behaupten, Familienmitglieder seien an Covid-19 erkrankt und brauchten nun Geld, um notwendige Medikamente zu kaufen.

Video: Trickdiebe nutzen Corona-Angst - So schützen Sie sich vor Betrügern

Sind Menschen erst einmal auf einen Enkeltrick, Schockanrufe oder falsche Polizeibeamte hereingefallen, stellt sich oft ein Schamgefühl ein. „Da geht es häufig nicht um den finanziellen Verlust, der bisweilen im sechsstelligen Bereich liegt, sondern auch um psychische Belastungen. Viele Betroffene, die oft auch die Warnungen kannten, fragen sich: ,Wie konnte das gerade mir passieren?‘ Da ist jede Menge Scham und auch Angst im Spiel“, weiß Kriminalhauptkommissar Marco Hohmann, Leiter der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle beim Polizeipräsidium Osthessen.

Telefon

Der Leiter Betrugsermittlungen beim Polizeipräsidium Osthessen, Kriminalhauptkommissar Hendrik Mikulasch, und der Leiter der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, Kriminalhauptkommissar Marco Hohmann, sind am Donnerstag, 20. Mai, in der Zeit von 15.30 Uhr bis 18 Uhr unter der Telefonnummer (06 61) 1 05 10 98 zu erreichen.

Weil dieses stark auf Prävention setzt, stehen Mikulasch und Hohmann am Donnerstagnachmittag am Telefon Rede und Antwort. Thematisiert werden kann dann alles rund um Trickbetrug, Enkeltrick, Schockanrufe und deren Folgen sowie mögliche Hilfen.

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