Häusliche Gewalt Symbolbild Faust
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Ein ehemaliger Polizist soll einen Bekannten und seine Freundin geschlagen haben.

Berufungsprozess in Fulda

Polizist soll zugeschlagen haben: Eifersucht als Motiv für häusliche Gewalt?

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Betrug, fahrlässige Körperverletzung und Freiheitsberaubung: Die Vorwürfe, die dem 49-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg gemacht werden, der bis vor Kurzem als Polizist gearbeitet hat, haben es in sich.

Arzell - Ein Jahr und acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung – so lautet das Urteil des Amtsgerichts Bad Hersfeld Ende Februar 2020. Dagegen hat der Angeklagte Berufung eingelegt. Deshalb wird der Fall nun noch einmal vorm Landgericht Fulda verhandelt.

Gleich zu Beginn stellt Richter Dr. Jochen Müller eine Sache klar: „Häusliche Gewalt ist keine Privatangelegenheit, sondern liegt im Interesse der Justiz. Erst recht, wenn der Beschuldigte bei der Polizei ist.“ Der Angeklagte war lange bei der Polizei in Rotenburg. Seit September ist er pensioniert. Damit sein Mandant die Pensionsbezüge nicht einbüßt, kämpft Verteidiger Hans J. Hauschild im Berufungsprozess um jeden Monat. Ab einem Jahr Freiheitsstrafe würde der 49-Jährige den Beamtenstatus verlieren.

Ein Polizist soll einen Bekannten mit einem Baseballschläger verprügelt haben

Im Wesentlichen geht es daher um die Frage, ob der Beschuldigte eine schwere Körperverletzung verübt und einen Bekannten mit einem Baseballschläger verprügelt hat oder nicht. Hintergrund soll eine Eifersuchtsattacke am 11. Februar 2019 gewesen sein. Weil er einen Chatverlauf seiner Freundin mit einem gemeinsamen Bekannten gelesen hatte, erfuhr er, dass die beiden eine sexuelle Beziehung miteinander haben. Daraufhin fuhr er zu dem Bekannten, der vor Gericht als Nebenkläger auftritt.

Als dieser die Tür öffnete und zum Wohnzimmer ging, wo die Freundin des Angeklagten saß, sei der Beschuldigte auf den Mann losgegangen. Das räumt der 49-Jährige auch ein: „Ich war so enttäuscht. Wir waren ja befreundet. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass er das macht. Er hat auch immer betont, dass er meine Freundin nicht einmal mit der Kneifzange anfassen würde.“ Sie hingegen habe angekündigt, den Nebenkläger anzumachen, um zu zeigen, dass er nicht loyal sei.

Ist Eifersucht das Motiv?

Dass er auf den Nebenkläger losgegangen ist, tue ihm leid, sagt der Angeklagte. Mit dem Baseballschläger angegriffen, habe er ihn aber nicht. Vielmehr soll es der Nebenkläger gewesen sein, der ihn mit dem Schläger attackierte. „Ich habe versucht, ihm den Schläger zu entreißen“, erklärt der 49-Jährige, der Kampfsport betreibt. In dem Moment habe er aus Notwehr gehandelt.

Aus dem Urteil des Amtsgerichts geht aber auch hervor, dass er gegenüber seiner damals schwangeren Freundin ebenfalls handgreiflich geworden sein soll. So habe er sie geohrfeigt und an den Haaren gezogen. Offenbar kam es zwischen dem Angeklagten und seiner Freundin, die über 20 Jahre jünger ist als er, immer wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen. Mehrfach habe sich das Paar getrennt, sei aber stets wieder zusammengekommen. Inzwischen sind die beiden verlobt. Weshalb die junge Frau ein Zeugnisverweigerungsrecht hat.

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Angeklagter soll seine Freundin geschlagen haben

Im Prozess ebenfalls behandelt werden noch weitere Vorwürfe: Einmal geht es um eine Waschmaschine, die der Angeklagte im Jahr 2017 auf den Namen seiner Exfrau bestellt habe. Dann soll er im August 2018 auf Lanzarote den Mietwagen „aus erzieherischen Gründen“ so stark gebremst haben, dass die Tochter seiner jetzigen Verlobten sich leicht verletzte. Auch einige Körperverletzungen gegenüber der Verlobten sind noch anhängig: So soll er im Dezember 2018 sie so fest geschlagen haben, dass die Schneidezähne wackelten und ihr Mobiltelefon zerstört wurde.

Die Verhandlung wird am Freitag um 9 Uhr am Landgericht fortgesetzt.

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