Mit der Priesterausbildung steht die gesamte Theologische Fakultät in Frage.
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Mit der Priesterausbildung steht die gesamte Theologische Fakultät in Frage (Symbolfoto).

Wenige Seminaristen

Bald keine Priesterausbildung mehr in Fulda? - Bischofskonferenz arbeitet an neuem Konzept

  • Volker Nies
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An der Katholischen Fakultät in Fulda sollen keine zukünftigen Priester mehr studieren. Das Studium soll bundesweit in Mainz, Münster und München konzentriert werden. Das schlägt eine Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz vor, der auch Fuldas Bischof Michael Gerber angehört.

  • Die Bischofskonferenz arbeitet an einem neuen Konzept für die Priesterausbildung.
  • Der Standort Fulda spielt in der bisherigen Planung keine Rolle mehr.
  • Stattdessen soll das Studium in Mainz, Münster und München konzentriert werden.

Fulda - Noch ist keine Entscheidung gefallen, aber der von Januar bis Juni 2020 entwickelte Vorschlag der Arbeitsgruppe ist deutlich: Sie schlägt vor, die Priesterausbildung räumlich zu konzentrieren, damit ausreichend große Lerngruppen entstehen.

Ihr Vorschlag: Zukünftige Priester absolvieren eine Einführungsphase vor dem Studium in Freiburg und Bamberg, studieren in München, Münster oder Mainz und durchlaufen dann den Pastoralkurs in Paderborn in Kooperation mit Erfurt, Rottenburg-Stuttgart und einem Standort in Bayern.

Priesterausbildung: Bischofskonferenz arbeitet an neuem Konzept - ohne Fulda

Die Bischöfe betonen, ihre Vorschläge seien lediglich die „Grundlage für weitere Diskussionen und Überlegungen“. „Wohl aber ist eine Richtung angezeigt“, sagt Bischof Gerber (dieses Jahr 50 geworden). Dass Vieles noch in Bewegung sei, betont Bistumssprecher Robert Eberle: „Fragen, ab wann Entscheidungen greifen und mit welchen Folgen sie für die Standorte verbunden sein könnten, lassen sich derzeit nicht seriös beantworten.“

Aber Fulda wird im Konzept der Bischöfe nicht mehr genannt. Darin wird sich wohl nichts mehr ändern – zu klein sind hier die Zahlen: Zur Zeit, so berichtet Eberle, haben fünf Seminaristen aus dem Bistum Fulda ein Zimmer im Priesterseminar. Zwei von ihnen wohnen nur teilweise dort, da sie bereits Diakone und in Gemeinden im Einsatz sind; ihre Priesterweihe ist am 12. September. Zwei weitere Seminaristen kommen im Herbst wohl neu hinzu. Zudem leben sechs Seminaristen aus dem Ausland (Kongo, Rumänien, Ukraine) im Priesterseminar Fulda. Sie gehen in der Regel nach dem Studium zurück in ihre Heimat.

Fuldas Bischof Gerber wirbt für Reform: „Priesterausbildung hat nicht das Ziel, Standorte zu halten“

In einem Beitrag für das Juli-Heft der „Herder-Korrespondenz“ wirbt Gerber für sein Konzept: In einer Zeit voller Umbrüche und Sprünge müsse die Kirche „selbst bereit sein zu springen“. Bei der Organisation der Priesterausbildung müsse es darum gehen, dass die Geistlichen wichtige Kompetenzen erwerben – und nicht darum, Standorte zu verteidigen.

Gerber erklärt: „Kein Bischof will in der Diözesangeschichte gern als derjenige erscheinen, der das Seminar – und gegebenenfalls noch die damit verbundene Fakultät – aufgegeben hat. Doch kritisch gefragt: Sind Seminaristen in der Art und Weise, wie und vor allem wo sie ihre Ausbildung zu absolvieren haben, de facto wesentlich auch dazu da, um bestimmte Standorte zu „halten“?“

Bischof Dr. Michael Gerber.

Lesen Sie hier: Michael Gerber zieht Bilanz nach einem Jahr als Fuldas Bischof. Und: Fuldaer Bischof ganz privat: Michael Gerber spricht über Glück, Luxus und Genuss.

Mit der Priesterausbildung steht die gesamte Theologische Fakultät in Frage. In ihr studieren vor allem Theologen, die nicht Priester werden. Wenn in Fulda keine Priester mehr ausgebildet werden, bedeute das nicht automatisch das Aus für die Fakultät, sagt Eberle: „Bischof Gerber ist die Zukunft der Fakultät wichtig. Dazu dienten Gespräche bereits vor seiner Amtseinführung und der Besuch mit dem Rektor und dem Prorektor bei der Vatikanischen Bildungskongregation Mitte Mai 2019.“

Vor dem Hintergrund der rückläufigen Zahlen von Priesteramtskandidaten und von Theologiestudenten führe Gerber derzeit viele vertrauliche Gespräche – bei der Deutschen Bischofskonferenz und vor Ort mit Vertretern der Fakultät und des Priesterseminars. Gerber wolle die komplexe Lage gründlich prüfen und mögliche Optionen ausloten.

Lesen Sie hier: Generalvikar Christof Steinert über die wachsende Zahl der Kirchenaustritte.

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