Nicht viele Bahnhöfe in der Region sind so, wie sie sich der Fahrgast wünschen würde.
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Nicht viele Bahnhöfe in der Region sind so, wie sie sich der Fahrgast wünschen würde.

Gravierende Mängel

Relikte aus der Dampflokzeit? Im Kreis Fulda sind laut ProBahn viele Bahnhöfe in katastrophalem Zustand

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Nicht viele Bahnhöfe in der Region sind so, wie sie sich der Fahrgast wünschen würde. Das zeigt eine Anfrage unserer Zeitung beim Fahrgastverband ProBahn nach einer Bewertung der Bahnhofszustände im Kreis Fulda.

Kreis Fulda - Weitgehend gute Noten in der kritischen Betrachtung erhalten nur wenige Bahnhöfe - wie Hünfeld und die ausgebauten Fernverkehrgleise in Fulda. Ansonsten gibt es viele kleinere, aber auch gravierende Mängel. „Manche Bahnhöfe sind auf dem Stand des Dampflokzeitalters stehen geblieben“, stellt Thomas Kraft, Vorsitzender des ProBahn-Landesverbandes Hessen, fest. So müssen in Großenlüder mitunter Gleise überquert werden, um in den Zug einsteigen zu können.

Immer wieder als Kritikpunkt taucht die fehlende Barrierefreiheit auf. Was ein jüngerer, sportlicher Mensch vielleicht gar nicht als Problem erkennt, wird mit Rollstuhl, Kinderwagen oder mit altersbedingten körperlichen Einschränkungen zur Herausforderung. Nicht wenige Fahrgäste entscheiden sich aus Furcht vor schwer überwindbaren Hürden für das Auto, obwohl sie eigentlich gerne den öffentlichen Nahverkehr nutzen würden.

Fulda: Im Landkreis sind laut ProBahn viele Bahnhöfe in katastrophalem Zustand

An vielen Stationen passt die Bahnsteighöhe nicht zu den Zügen, die dort halten. Kleinere Höhenunterschiede lassen sich durch Rampen im Zug bewältigen, aber dann wird der Einstieg gleich viel komplizierter, Fahrgäste mit Rollstuhl sind auf fremde Hilfe angewiesen. Oft wissen die aber schon gar nicht, wie sie einen Bahnsteig überhaupt erreichen sollen, wenn lediglich Treppen dort hin führen und es weder Rampen noch Aufzüge gibt. Weitere Kritikpunkte von ProBahn sind fehlender Wetterschutz und fehlende Gleise, um einen reibungsloseren oder höher frequentierten Zugverkehr zu ermöglichen.

Überhaupt bedauert es der Fahrgastverband, dass viele Strecken und Bahnhöfe in den vergangenen Jahrze hnten stillgelegt wurden. „Es gab zwar noch eine ganze Reihe von Nebenstrecken. Jedoch sind die ja schon seit den 1950er bis 1970er Jahren für den Personenverkehr stillgelegt und größtenteils abgebaut. In ganz Hessen gibt es 95 ehemalige Trassen auf einer Länge von rund 1500 Kilometer“, führt Kraft aus. Viele davon wurden zu Radwegen - wie die Strecke von Götzenhof nach Hilders oder von Bad Brückenau nach Jossa.

Bahnhöfe im Kreis: Fahrgastverband listet Mängel auf

Der ehemalige Bahnhof in Götzenhof liegt an der Strecke nach Hünfeld. „Es ist ein Nachteil, dass diese Station nicht mehr besteht, es wäre eine gute Ergänzung im Stadtverkehr Fulda“, sagt Kraft. Gleiches gelte für Steinau wenige Kilometer weiter. Unsere Anfrage an die Bahn zu mittelfristigen Sanierungs- und Ausbauplänen in der Region blieb unbeantwortet.

Viele Bahnhöfe sind in teils katastrophalem Zustand. Das sagt der Fahrgastverband ProBahn nach einer Bewertung zu einzelnen Bahnhöfe im Kreis Fulda:

Fulda: Der Fuldaer Bahnhof soll in den kommenden Jahren barrierefrei ausgebaut werden. Dafür ist er in einem entsprechenden Programm des Bundes vorgesehen. Bislang wurden nur die Bahnsteige mit den Gleisen 3 und 4 sowie 6 und 7 saniert - dort hält der Fernverkehr. „Die beiden Bahnsteige haben eine Höhe von 76 Zentimetern. Für die anderen Bahnsteige wurde überhaupt nichts getan“, stellt ProBahn fest. Der Bahnsteig für die Gleise 8 und 9 habe eine Höhe von 55 Zentimetern. „Noch schlimmer ist es mit allen Gleisen, die irgendwie mit der Fläche rund um das Bahnhofsgebäude verbunden sind“, stellt der Fahrgastverband fest.

Viele Bahnhöfe im Kreis Fulda sind einem schlechten Zustand. Auch für den Bahnhof Fulda listet ProBahn Mängel auf.

Das hochfrequentierte Gleis 1 mit den Regionalzügen nach Frankfurt sowie die Gleise 36 bis 38 für Regionalzüge in Richtung Norden sind nur 38 Zentimeter hoch. Die Züge haben laut ProBahn aber alle eine Einstiegshöhe von 55 Zentimetern, sodass Ein- und Ausstieg erschwert sind. „Im Haus gibt es nur eine Rolltreppe nach oben aber nicht nach unten, überall an den Bahnsteigen fehlen Aufzüge“, bemängelt der Fahrgastverband zudem. An den Gleisen 36 bis 38 fehlten ausreichend Wetterschutzhäuschen. Reparaturen dauerten oft mehrere Monate. „Der barrierefreie Bahnhof wird kommen und vieles mehr. Das aktive Bemühen der Stadt Fulda um Verbesserungen im und am Bahnhof zahlt sich konkret aus“, sagte Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) vor wenigen Wochen.

Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld: Der barrierefreie Bahnhof Fulda wird kommen

Bad Salzschlirf: Hier liegen stillgelegte Gleise, und es muss für die eine Fahrtrichtung über das eine Gleis gestiegen werden, wodurch keine Barrierefreiheit gegeben ist. Es bedarf der kompletten Sanierung des Hausbahnsteigs mit Fahrtrichtung Gießen und des Neubaus eines Bahnsteigs in Fahrtrichtung Fulda. Damit ein unkomplizierter Begegnungsverkehr ermöglicht werden kann, sollte hier ein Gleis 3 als Ausweichgleis wieder aufgebaut werden.

Bimbach: Durch die Straßenüberführung über die B 254 ist eine Anbindung ohne Treppen vorhanden. Die Bahnsteige sind jedoch nur 38 cm und damit nicht barrierefrei im Einstieg in die Nahverkehrstriebwagen der Hessischen Landesbahn, die eine Höhe von 55 cm haben. Da die Wege über die Gemeindestraßen sehr weit sind, sollte eine Unterführung direkt unter dem Bahnsteig vorhanden sein. 

Video: Deutschlands Bahnhöfe: 22 Prozent nicht barrierefrei

Burghaun: Die Bahnsteige sind saniert, sie sind 55 cm hoch. Da es sich um Seitenbahnsteige handelt, kommt man von benachbarten Straßen ohne Stufen auf den Bahnsteig. Jedoch sind die Wege zu der jeweils anderen Seite sehr weit.

Hünfeld: Die Station ist ausgebaut, das Bahnhofsgebäude von der Stadt Hünfeld umfassend saniert. Der Bahnhof Hünfeld als „Bahnhof des Jahres 2014“ ist mit 55 cm hohen Bahnsteigen barrierefrei, um an der Bahnsteigkante in den Cantus-Zug zu gelangen. Er ist zudem barrierefrei zugänglich. Was fehlt, sind Ausweichgleise mit barrierefreien Bahnsteigen.

Großenlüder: Die Bahnsteigsituation ist miserabel und auf der Zeit des Dampflokzeitalters stehengeblieben. Es gibt einen Hausbahnsteig, der ist befestigt. Jedoch wird auch ein mit wassergebundener Decke quasi auf Schotterebene vorhandener schmaler Bahnsteig zwischen den beiden Personenzuggleisen genutzt. Es liegen noch stillgelegte Gleise umher. Auf den miserablen Mittelbahnsteig wird man in nostalgischer Weise erst gelassen, wenn der Zug eingefahren ist. Es bedarf der kompletten Sanierung des Hausbahnsteigs mit Fahrtrichtung Gießen und des Neubaus eines Bahnsteigs in Fahrtrichtung Fulda. Damit ein unkomplizierter Begegnungsverkehr ermöglicht werden kann, sollte hier ein Gleis 3 als Ausweichgleis wieder aufgebaut werden.

Bahnhof Hünfeld als „Bahnhof des Jahres 2014“ ausgezeichnet

Neuhof: Die Bahnsteige sind auf 76 cm erneuert, die Barrierefreiheit ist über Rampen gegeben, es halten ausschließlich Doppelstockzüge, die aber einen Einstieg von 55 cm haben. An der Bahnsteigkante gibt es da Schwierigkeiten, ansonsten ist alles okay.

Flieden: Die Bahnsteighöhe beträgt aufgrund der relativ neuen Bahnsteige 55 cm. Es fehlen Aufzüge und Dächer für den Wetterschutz.

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