Winfriedschule Jüdisches Leben in Fulda
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An die Deportation am 8. Dezember 1941 erinnerten (von links): Anja Listmann, Lisa Janzen, Laura Heil, Alina Kraus, Ronja Meyer, Laura-Marie Auth, David Greb und Robert Brand. (Es fehlen: Leni Manthey und Sarah Tadesse).

Deportation vor 80 Jahren

Projektgruppe der Winfriedschule gedenkt Fuldaer Juden

  • Jana Albrecht
    VonJana Albrecht
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135 jüdische Bürgerinnen und Bürger der Stadt Fulda sind vor 80 Jahren in das Ghetto nach Riga deportiert worden. Von ihnen überlebten nur 12. Am Mittwoch gedachte die Projektgruppe „Jüdisches Leben in Fulda“ der Winfriedschule der Opfer.

Fulda - „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ – mit diesen Worten wird das Gedenken an die 135 Jüdinnen und Juden aus Fulda, die in der Nacht auf den 8. Dezember 1941 aus ihren Häusern gerissen und in das Ghetto nach Riga gebracht wurden, eingeleitet.

Sechs Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 16 Jahren der Projektgruppe „Jüdisches Leben in Fulda“ der Winfriedschule gedenken gemeinsam mit Projektleiterin Anja Listmann, die auch Beauftragte der Stadt für jüdisches Leben in Fulda ist, und Politik- und Deutschlehrer Robert Brand der damals deportierten Menschen. Aufgrund der pandemischen Lage, findet die Veranstaltung nur in kleinem Rahmen statt – ursprünglich geplant war ein Schweige- und Gedenkmarsch, der vom Alten Jüdischen Friedhof bis zum Bahnhof Fulda führen sollte.

Fulda: Projektgruppe der Winfriedschule erinnert an Deportation der Juden

Stattdessen trifft sich die Gruppe in einem Raum, liest die Namen der damals Deportierten vor und hält dies in einem digitalen Gedenktagebuch fest. Dieses ist ab Donnerstag online abrufbar. Außerdem werden als Erinnerung das Datum und die hebräischen Worte „Zachor“ für „erinnere dich“ vor den Haupteingang der Schule gelegt sowie Kerzen für die Opfer angezündet.

Historie

135 Fuldaer Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 2,5 Monaten und 76 Jahren wurden vor 80 Jahren – am 8. Dezember 1941 – von der Turnhalle in der Rabanusstraße zum Bahnhof geführt und zunächst nach Kassel deportiert. Nach einer Nacht unter menschenunwürdigen Bedingungen wurden insgesamt 1011 Menschen am Tag darauf von Kassel aus in das Ghetto nach Riga gebracht. Dort kamen sie vier Tage später, am 13. Dezember, an. Nur 12 der 135 Fuldaerinnen und Fuldaer überlebten den Holocaust der folgenden Jahre.

„Es ist ein Irrglaube, dass es Antisemitismus und Rassismus heute nicht mehr gibt – das sind Dinge die nach wie vor existieren, und es ist wichtig, immer wieder darauf aufmerksam zu machen“, betont die 15-jährige Alina Kraus. Es reiche nicht, einfach nur zu sagen „ich bin gegen Antisemitismus“. Jeder könne selbst aktiv werden und seinen Teil dazu beitragen, dass eine fremdenfeindliche Einstellung keine Chance mehr habe, sagt die 16-jährige Laura-Marie Auth – ihre Mitschülerin Ronja Meyer ergänzt: „Es darf niemand diskriminiert werden, wir sind alle gleich!“

Das Aussprechen der Namen sei deshalb so wichtig, weil sie die Verstorbenen für Angehörige wieder ins Hier und Jetzt bringe, sagt Anja Listmann.

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