Dem Angeklagten wird vorgeworfen, mit einem Radschlüssel zugeschlagen zu haben.
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Dem Angeklagten wird vorgeworfen, mit einem Radschlüssel zugeschlagen zu haben. (Symbolfoto)

Landgericht Fulda

Prozess um versuchten Totschlag: Schlug der Fliedener mit einem Radschlüssel zu?

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Im Verfahren gegen einen 63-Jährigen aus der Großgemeinde Flieden, der wegen versuchten Totschlags angeklagt ist, sind am Freitag vor dem Landgericht Fulda die Plädoyers gehalten worden. 

Fulda - Staatsanwältin Dr. Christine Seban rückte darin vom in der Anklage formulierten Tötungsvorsatz ab und forderte wegen Körperverletzung eine zwölfmonatige Haftstrafe für den Fliedener. Zudem soll er wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 35 Euro verurteilt werden.

Dem Mann wird vorgeworfen, im Januar 2019 einen Bankangestellten aus Flieden mit einem eisernen Radschlüssel bedroht und dessen Haustür mit dem Schlüssel beschädigt sowie einen weiteren Bankmitarbeiter mit der Metallstange angegriffen zu haben. Außerdem soll er ohne die entsprechende Erlaubnis einen scharfen Revolver besessen haben. Diesen Vorwurf räumte der Angeklagte vor dem Landgericht Fulda ein.

Prozess um versuchten Totschlag: Plädoyers vor dem Landgericht Fulda gehalten

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Auch wenn Staatsanwältin Seban bei den Taten des Angeklagten keinen Tötungsvorsatz mehr sah, machte sie sich weitgehend die Aussagen der Zeugen zu eigen, die geschildert hatten, dass sie der 63-Jährige aggressiv angegangen und mit der Eisenstange attackiert hatte.

Aus den Umständen des Geschehens im Zuge der mit der Sache zusammenhängenden Zwangsversteigerung könne man ein Stück weit nachvollziehen, dass der 63-Jährige sich ungerecht behandelt gefühlt habe. Zugunsten des Angeklagten sei zu werten, dass in den Monaten nach der Tat nichts vorgefallen sei. Dennoch habe der Angeklagte die Zeugen massiv bedroht, was auch psychische Folgen gehabt habe. Daher fordere sie eine Gesamtstrafe von zwölf Monaten für die gefährliche Körperverletzung und eine versuchte gefährliche Körperverletzung. Sie soll drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden.

Schraubenschlüssel oder nicht? „Flugbahnuntersuchung“ soll wichtige Urteil-Frage klären

Thomas Scherzberg, der Verteidiger des Fliedeners, beurteilt das Geschehen grundsätzlich anders. Zwar seien dessen aufbrausendes Verhalten und die Neigung, mit aggressiven Formulierungen um sich zu werfen, in keiner Weise zu tolerieren. Dennoch gehe es in den beklagten Fällen weder um versuchten Totschlag noch um gefährliche Körperverletzung. Scherzberg beantragte daher, seinen Mandanten wegen unerlaubten Waffenbesitzes, der Sachbeschädigung an einer Haustür und wegen einfacher Körperverletzung zu einer Geldstrafe zu verurteilen. Deren Höhe ließ er offen.

Um seine Einschätzung des Falls zu untermauern, äußerte er sich zunächst grundsätzlich zur mitunter geringen Belastbarkeit von Zeugen-Erinnerungen. Dann widmete er sich nochmals dem Vorfall, der zur Anklage wegen versuchten Totschlags geführt hatte. Anhand der am Tatort zu findenden Spuren sei klar erkennbar, dass sein Mandant, anders als vom Zeugen berichtet, nicht von oben mit dem Metallschlüssel nach dem Mann geschlagen habe.

Für den Fall einer Verurteilung des Fliedeners wegen versuchten Totschlags oder vollendeter gefährlicher Körperverletzung stellte der Anwalt am Freitag „Hilfsbeweisanträge“, in denen unter anderem eine „Flugbahnuntersuchung“ für den mutmaßlichen Schraubenschlüssel-Schlag oder -wurf gefordert wird. Das Verfahren wird am Dienstag, 17. November, um 12 Uhr fortgesetzt.

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