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Thalauer Putenfarm ist verkauft: Käufer will Photovoltaikanlagen anbringen und Hallen verpachten

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Von: Jessica Vey

Fast drei Hektar Land, zwei 90 Meter lange Ställe, Futtersilos und eine Lagerhalle – die Putenmastanlage an der B279 am Ortsrand von Thalau ist für eine halbe Million Euro zwangsversteigert worden.
Fast drei Hektar Land, zwei 90 Meter lange Ställe, Futtersilos und eine Lagerhalle – die Putenmastanlage an der B279 am Ortsrand von Thalau ist für eine halbe Million Euro zwangsversteigert worden. © Hartmut Zimmermann

Die Putenfarm in Ebersburg-Thalau ist zwangsversteigert worden. Das landwirtschaftliche Anwesen kam für eine halbe Million Euro unter den Hammer. Der Käufer aus Unterfranken berichtet unserer Zeitung, was er nun plant. 

Fulda/Thalau - Das Interesse an der Zwangsversteigerung war groß – der Saal im Amtsgericht Fulda war am Freitag voll. Drei Bieter taten sich aus dem Publikum hervor. Einer war bereits nach einer Angebotsabgabe verstummt, während die anderen beiden sich immer wieder gegenseitig überboten. Bei 505.000 Euro fiel schließlich der Hammer.

„Das war meine Schmerzgrenze, höher wäre ich nicht gegangen“, verrät der Käufer aus Unterfranken nachher im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Verkehrswert der Putenmastanlage wurde mit 484.000 Euro bemessen. Namentlich möchte der Käufer nicht erwähnt werden, seine Pläne legt er aber offen.

Ihm gehe es um nachhaltige Stromproduktion. Er möchte Potovoltaikanlagen auf den Dächern der beiden Putenställe und möglichst auch auf der Fläche installieren – denn er hat bei der Versteigerung auch das zugehörige Grundstück erworben, das fast drei Hektar groß ist. Er könne sich eine Agri-Photovoltaikanlage vorstellen – dabei stehen die PV-Platten so, dass die Fläche darunter bepflanzt und bewirtschaftet werden kann.

Fulda: Putenfarm in Thalau zwangsversteigert - Käufer nennt seine Pläne

Der 48-Jährige, der aus dem unterfränkischen Karlstadt kommt, halte immer mal Ausschau nach Objekten, die zwangsversteigert werden. Er trete aber als Privatmann auf, beteuert er. Er wolle sein Geld, statt es auf dem Konto zu lassen, für nachhaltige Energiegewinnung einsetzen. Natürlich gehe der gelernte Bauingenieur auch davon aus, dass sein Vorhaben rentabel sein wird.

Die Putenställe selbst – in denen Platz für bis zu 15.000 Tiere ist – würde er auch weiterhin verpachten. Seinen Angaben zufolge sei er bereits mit der bisherigen Eigentümerfamilie Krista aus Thalau im Gespräch gewesen, ob sie die Anlagen pachten und weiterbetreiben möchte. Falls nicht, sei er aber auch offen für andere Anbieter oder eine andere Nutzung als Lagerräume oder ähnliches, sagt er.

Matthias Krista aus Thalau war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ein Vertreter der Familie, die die Putenfarm bisher betrieben hat, war im Amtsgericht nicht vor Ort. Matthias und sein Bruder Markus Krista hatten unserer Zeitung vor Kurzem erklärt, dass es zu der Zwangsversteigerung gekommen sei, weil sie mit dem Hauptabnehmer der gemästeten Tiere im Clinch lägen, der immer noch vor Gericht ausgefochten werde.

Putenfarm-Gerüche stören Thalauer - Bürgermeisterin hofft auf Lösung

Wer die Zwangsversteigerung mitverfolgt hat, ist Brigitte Kram (CDU), Bürgermeisterin der Gemeinde Ebersburg. Sie war mit dem Beigeordneten Luzian Hamm (CDU) und Benjamin Reinhart (parteilos), der als neu gewählter Bürgermeister ab Oktober ins Rathaus einzieht, zugegen. Kram machte dem Käufer ein Gesprächsangebot und sie tauschten Nummern aus.

Unserer Zeitung erklärt die Bürgermeisterin: „Wir haben kein Problem mit einer landwirtschaftlichen Nutzung. Wir sind auch offen für andere Nutzungen.“ Aber schön wäre, wenn sich die Geruchsproblematik künftig entschärfen würde, sagt Kram.

Damit spricht sie den Unmut aus Thalau an. 2009 hatte sich eine Bürgerinitiative gegen den Bau der Putenmastanlage gebildet. Heute gehen die Meinungen über die Ställe auseinander, erklärt Ortsvorsteher Stefan Röhrig auf Nachfrage. Der überwiegende Teil der Thalauer sehe die Anlage und ihre Geruchsemissionen kritisch. Vor allem die, die unweit der Anlage wohnen – dazu gehören auch diejenigen, die ein Baugrundstück im Neubaugebiet erworben haben.

Gegen den Verkauf der Anlage kann noch innerhalb von zwei Wochen Beschwerde eingelegt werden.

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