Seit Anfang September können Radfahrer die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde bewerten – auch die von Fulda.
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Seit Anfang September können Radfahrer die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde bewerten – auch die von Fulda.

Fahrradklimatest läuft

Fahrradfahrer zur Umfrage-Teilnahme aufgerufen: Wie radelt es sich in Fulda?

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Der Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) läuft wieder: Seit Anfang September können Radfahrer die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde bewerten – auch die von Fulda. Bei den vergangenen Bewertungen landete die Barockstadt allerdings auf einem der hinteren Plätze.

Fulda - Wie fährt es sich auf dem Fahrrad in Fulda? Diese Frage, die der ADFC alle zwei Jahre in seinem Test formuliert, ist in den vergangenen Jahren überwiegend negativ beantwortet worden. Rückblick: 2018 hatten 330 Menschen an der Umfrage teilgenommen und Fulda die Schulnote 4,2 für seine Fahrradfreundlichkeit gegeben.

Gelobt wurden neben der Wegweisung für Radfahrer die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad sowie die Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer in die Gegenrichtung. Kritikpunkte gab es unter anderem für die mangelnde Akzeptanz von Radfahrern als Verkehrsteilnehmer und der fehlenden Werbung für das Radfahren. Im Vergleich mit ähnlich großen Städten fiel die Barockstadt zurück – auf Platz 85 von 106.

Radexperte über Fahrrad-Situation in Fulda: „Es hat sich einiges getan“

Eine Verbesserung im Vergleich zum Test von 2016 gab es nicht: Damals wurde die Verkehrssituation in Fulda mit der Schulnote 4,28 bewertet. Unter den hessischen Städten vergleichbarer Größe landete Fulda auf Platz 88 von 98.

2018 schnitt Fulda beim Fahrradklimatest mit der Schulnote 4 ab. Seither habe sich einiges getan, betont die Stadt – und verweist unter anderem auf neue Fahrradabstellplätze am Bahnhof, die im April 2020 in Betrieb genommen wurden.

Doch in der Zwischenzeit hat sich einiges für Fuldas Radfahrer getan, erklärt Wolf-Ulrich Schlösser vom ADFC Fulda. Nicht nur die Berichterstattung in den Medien zu Fahrradthemen habe sich verstärkt, auch die Anfragen in den Parlamenten zu Fahrradthemen und die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinden zum Thema Fahrrad und Radverkehr hätten zugenommen. „Das Fahrrad spielt im Zusammenhang mit dem Klimaschutz und dem Anteil des motorisierten Verkehrs an der Verschlechterung des Klimas eine Rolle“, erklärt Schlösser.

Radfahrer aus Fulda können jetzt am ADFC-Fahrradklimatest teilnehmen

Darüber hinaus haben die Stadt Fulda, andere Gemeinden des Landkreises – zum Beispiel Petersberg – und der Landkreis selbst Radverkehrskonzepte erarbeiten lassen. „Solche Konzepte füllen Papier oder Datenspeicher – erst, wenn in ihnen formulierte Ideen auch umgesetzt werden, hilft das den radfahrenden Menschen und bringt dann auch bessere Bewertungen beim Klimatest“, mahnt Schlösser und erinnert: „Die Stadt Fulda hat seit 1992 ein Radverkehrskonzept, trotzdem stabil schlechte Noten.“

Mitmachen

Bis 30. November können Menschen online am ADFC-Fahrradklimatest teilnehmen und die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde bewerten. In diesem Jahr werden darüber hinaus Fragen zur Corona-Pandemie gestellt: Bewertet werden soll, wie eine Stadt oder Gemeinde auf die veränderte Mobilität der Menschen reagiert hat. Die Ergebnisse des Tests sollen im Frühjahr 2021 vorliegen.

Der Radexperte hat eine Zunahme des Radverkehrs beobachtet: „Mehr Menschen fahren Rad und der Boom bei den Pedelecs hat Menschen aufs Rad gebracht, davon einige, die ein Fahrrad nach dem Führerscheinerwerb in den Keller gestellt hatten.“ Das sei erfreulich, sorge aber auch dafür, dass die Zahl von Konfliktsituationen zunehme. „Wir brauchen mehr Platz fürs Rad, auch auf den Straßen.“

ADFC-Test: Stadt Fulda nimmt Ergebnisse mit Interesse zur Kenntnis

Die Stadt Fulda erklärt, die Ergebnisse der ADFC-Tests würden mit Interesse zur Kenntnis genommen und in die Bemühungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Radfahren in Fulda mit einfließen. Auch in der laufenden Aktualisierung des Radverkehrskonzeptes fänden die Ergebnisse Berücksichtigung. ADFC-Umfrage und Beurteilungen sind aber nach Einschätzung der Stadt eher allgemein und subjektiv zu verstehen – und weniger als konkrete Handlungsanleitung für bestimmte Örtlichkeiten, wie die Pressestelle betont. Unter anderem sei zu berücksichtigen, dass viele Kommunen aufgrund mangelnder Teilnehmerzahl gar nicht berücksichtigt wurden.

Lesen Sie hier: Konzept für Fahrradverkehr in Fulda wird geprüft: Weniger Platz für Autos und Tempo 30?

Das stimmt, wie Wolf-Ulrich Schlösser vom ADFC erläutert: „Jede Kommune kommt erst dann in die Auswertung, wenn sich mindestens 50 Personen an der Umfrage beteiligen. Fulda hat dieses Ergebnis immer souverän erreicht, aber die umliegenden Gemeinden nicht. Es wäre schön, wenn auch von dort Ergebnisse vorliegen würden, die den für den Verkehr Verantwortlichen Hinweise geben können.“

Stadt Fulda: Radverkehr spielt im Verkehrsentwicklungsplan wichtige Rolle

Auf die Frage, was sich seit dem Test von 2018 für Fuldas Radfahrer getan hat, nennt die Stadt ein Bündel an Maßnahmen, unter anderem den Ausbau des Giesel- und des Horastal-Radwegs, den Neubau von Radwegen zwischen dem Münsterfeld und Maberzell, an der Pacelliallee und der Amand-Ney-Straße, die Freigabe von weiteren Einbahnstraßen für Radfahrer, die Errichtung von Radstellplätzen am Bahnhof und die Umsetzung eines Wegweisungskonzepts im Stadtgebiet.

Darüber hinaus spiele der Radverkehr im Verkehrsentwicklungsplan und im Masterplan „Green City“ eine wichtige Rolle; und die Teilnahme an Aktionen wie dem „Stadtradeln“ und an den Sitzungen „Runder Tisch Radverkehr“ zeugten von der Relevanz des Themas für die Verwaltung. „Seit 2020 finden zudem regelmäßig sogenannte Radverkehrsschauen statt, bei denen Vertreter der Stadtplanung, der Verkehrsbehörde, der Polizei, des Tiefbauamts sowie von Radfahrorganisationen wie dem ADFC bei einer gemeinsamen Radtour bestimmte Bereiche des Radwegenetzes kritisch unter die Lupe nehmen und Lösungen erarbeiten“, erklärt die Pressestelle.

Auch künftig wolle die Stadt Fulda etwas für den Radverkehr tun: unter anderem mit dem Neubau von Radwegen – darunter entlang der Johannesberger Straße zwischen Ortsausgang und Westring, zwischen Neuenberg und Fulda Galerie sowie zwischen Haimbach und Maberzell. Darüber hinaus sollen weitere Fahrradstellplätze in der Innenstadt installiert werden.

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