Wer verbirgt sich hinter dem Rapper Mo43?
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Wer verbirgt sich hinter dem Rapper Mo43?

Newcomer Muhammed Ilguez

Deutschrap-Newcomer aus Fulda: Auf den Spuren von Sido und Bushido - Das ist Rapper MO43 

  • vonMarius Scherf
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MO43, bürgerlich Muhammed Ilguez, ist ein Deutschrap-Newcomer aus Fulda. Mit seinem zweiten Song schaffte er es bereits in die Single-Charts des Radiosenders You FM. Im Gespräch mit unserer Zeitung träumt der 24-Jährige nicht nur von der großen Karriere, sondern spricht auch über seine Heimat in der Barockstadt.

Fulda - Seine Freunde waren zunächst skeptisch, ob das mit dem Rappen klappen kann. Doch scheu war Muhammed Ilguez aus Fulda nie, schon in der Schule hat er vor seinen Klassenkameraden seine Texte performt - und Tatsache: Heute sammelt er bei YouTube und Spotify Klicks.

Fulda: Rapper MO43 im Gespräch - Newcomer sammelt mehr als 400.000 Klicks

Mehr als 400.000 waren es alleine auf der Musik-Streaming-Plattform für seinen zweiten Song „Alleine“. Klicks - das ist die Erfolgswährung in der Branche. Wer als Newcomer heute hoch hinaus will - vor allem auf dem hart umkämpften Pflaster des Deutschrap - muss eine gewisse Erfolgsbilanz vorweisen können.

Muhammad hat da durchaus etwas zu bieten und ist heute selbst am meisten verwundert, wenn er darüber berichtet. Eigentlich müsse er ja in die große Stadt, um weiter voranzukommen, hatte sogar ein Vertragsangebot aus dem Ruhrgebiet. Ein Essener Plattenlabel wollte den 24-Jährigen unter Vertrag nehmen, doch er lehnte ab (lesen Sie auch hier: „Ich gucke Fußball und beobachte Vögel“ - Tobias Sammet über Corona, das neue Avantasia-Album und Günter Netzer).

Denn der Fuldaer hängt an seiner Stadt. Hier ist er geboren und aufgewachsen, ging auf die Richard-Müller-Schule und machte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. So weit, so fuldisch normal. Doch da war schon immer diese Seite an ihm, die begeistert war von amerikanischem Hip-Hop und den Deutschrap-Urgesteinen wie Sido oder Bushido: „Seit ich 15 bin, beschäftige ich mich mit Beats und Texten. Musik spielte schon immer eine Rolle in meinem Leben“, erinnert sich Muhammed. Heute kann er von seiner Musik leben, wie er sagt.

MO43 kennt die Zutaten (und Outfits), die die passenden Bilder im Kopf erzeugen. Doch wer verbirgt sich hinter den Designerjacken?

Dass es dazu kam, verdankt er dem Zufall und einem guten Kontakt: „Ein guter Freund hat mich bei meinem heutigen Manager vorgestellt und der fand gut, was ich mache“, sagt er. Seit Ende Juni 2020 steht der Rapper nun bei dem Eichenzeller Musiklabel „JK Records“ unter Vertrag. Im Juli erschien seine Debüt-Single „Alleine“ und im Oktober kam der Song „Mi Amor“ raus.

Rapper MO43 aus Fulda kennt die Zutaten für den perfekten Rap-Song

In seinen Musik-Videos rekeln sich die Models im Pool einer kroatischen Villa, während MO43 im BMW sitzend durch die Stadt fährt. Im Hintergrund wummern die Bässe. Der Newcomer kennt die Zutaten, aus denen sich ein Deutschrap-Song zusammensetzt. Die Attitude stimmt: Vollbart, Tattoos und die typischen Handgesten fehlen nicht. „Am Anfang habe ich mich dabei wie ein ungelenker Baum gefühlt“, sagt Muhammed. Doch irgendwann saßen Moves und Prada-Jacke.

Das Image muss stimmen, alles perfekt und „krass sein“, wie Muhammed sagt. „Krass sein“ – das scheint auch eine dieser Währungen im Hip-Hop zu sein. Im Genre spricht man gemeinhin von der „street credibility“ oder Authentizität. Aber kauft man MO43, der in seiner weißen Prada-Jacke mitunter doch nervös erscheint, seine Geschichte ab?

Rapper MO43: Von Fulda nach ganz oben - eine Geschichte mit Potential

Hinter der Kunstfigur scheint sich beim genaueren Blick ein richtiger „Fuldaer Jong“ zu verstecken, der sich für seine Musik die Nächte um die Ohren schlägt. Wenn er vom Alltag im Studio erzählt, lehnt sich der 24-Jährige begeistert auf seinem Stuhl nach vorne. Sein Produzent kreiert die Melodien, Muhammed schreibt die Texte. „Mein Traum wäre es schon, groß rauszukommen“, gibt der 24-Jährige zu.

Vom kleinen Fulda nach ganz oben - in dieser Geschichte steckt Potential. Man kauft sie dem Rapper ab. Authentizität: Check. Was ihn aber wirklich glaubwürdig macht, ist, dass er so gar nicht abgehoben wirkt. Er prahlt nicht damit, jetzt schon der Beste zu sein. Das unterscheidet ihn von anderen Rap-Parvenüs. Sich selbst gerecht zu werden, das macht Muhammed aber auch inneren Druck: „Meine Songs hätte ich im Nachhinein so nie veröffentlicht, heute bin ich musikalisch viel weiter.“ Deswegen lässt er sich mit seinem ersten Album, an dem er gerade arbeitet, Zeit.

Doch ob Traumkarriere oder nicht - der 24-Jährige möchte seinen Lebensmittelpunkt in Fulda behalten. „Hier trifft und kennt man sich“, hier sind seine Freunde, deren Feedback ihm am wichtigsten ist. Die Barockstadt hat für den Rapper mehr „Realness“, als die Großstadt, wie er sagt. Echter, greifbarer, Heimat. Das passt zu Muhammed, genau wie sein Künstlername. Beim Erklären muss er lachen: „MO - das ist mein Spitzname“ Und 43? „36043 - eine der Postleitzahlen von Fulda.“

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