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Von der Metzgerei zum Rathaus: Bauprojekt in Hosenfeld gewinnt Nachhaltigkeits-Wettbewerb

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Von: Marcus Lotz

Im Beisein von Peter Malolepszy (von links) übergab Jürgen Simon die Auszeichnung an Heiko Merz und Manuel Habicht.
Im Beisein von Peter Malolepszy (von links) übergab Jürgen Simon die Auszeichnung an Heiko Merz und Manuel Habicht. © Marcus Lotz

Nachhaltig und ressourcenschonend bauen – diesen Gedanken sieht der Landkreis Fulda mit dem Bau des neuen Rathauses in Hosenfeld verwirklicht. Das Projekt ist einer der Gewinner des Wettbewerbs „Regional bauen &leben“.

Hosenfeld - Eigentlich, räumt Bürgermeister Peter Malolepszy (CDU) scherzhaft ein, hätte er schon gerne noch einen Zapfhahn und eine Wursttheke im Eingangsbereich des Rathauses einbauen lassen – als Erinnerung an die bewegte Vergangenheit des Gebäudes. Denn die ist lang, wie der in Hosenfeld geborene Rathauschef weiß: Etliche Jahre beherbergte das ehemalige Brähler-Areal eine Gastwirtschaft und eine Metzgerei. Auch Vereine tagten hier früher in einem kleinen Versammlungssaal.

Seit Oktober befindet sich dort das Bürgerbüro und die Gemeindeverwaltung samt dem Büro des Rathauschefs. Direkt angrenzend befindet sich die Seniorentagespflege Heimatliebe. „Dieses Gebäude hat Geschichte, es hat Tradition, und hat mich im Leben begleitet. Ich bin damit groß geworden. Es war das Vereinslokal des Fußballvereins, wir haben hier eingekauft, man hat sich ausgetauscht. Hier fand die ganze Fastnacht statt. Hier hängt auch mein Herz ein bisschen dran“, erzählt Malolepszy.

Fulda: Von der Metzgerei zum Rathaus - Nachhaltigkeits-Preis für Bauprojekt

Bei der Verleihung der Plakette des Landkreises Fulda möchte sich der Hausherr dann aber gar nicht in den Vordergrund drängen: „Ich stelle heute eigentlich nur die Räumlichkeiten zur Verfügung.“ Denn die Gemeinde hat diese nur gemietet, Eigentümer der Immobilie ist die Bauherrengemeinschaft Heiko Merz & Manuel Habicht.

Zusammengekommen war man, weil die Investoren auf der Suche nach einer Idee für die Nutzung des Areals waren und die Gemeinde wiederum in einem stark renovierungsbedürftigen Rathaus arbeitete, welches überdies zu klein für den wachsenden Verwaltungsapparat geworden war. Der Architekt Martin Ruppel brachte beide Parteien schließlich zusammen und das Projekt nahm Gestalt an. Ein Glücksfall, wie bei der Verleihung alle Seiten betonen. „Was wäre ansonsten mit dem Gebäude passiert?“, fragt Malolepszy und schließt an: „Es wäre verfallen. Es wäre ein Schandfleck geworden.“

„Das ist ein schicker Bau geworden“, befindet Jürgen Simon vom Fachdienst Regionalentwicklung des Landkreises. Er war Mitglied der Jury, welche die Gewinner des Wettbewerbs ermittelte. Dass die Gemeinde auf einen Rathaus-Neubau verzichtet und stattdessen ein Gebäude im Ortskern bezogen hat, sei nachhaltig, ressourcenschonend und damit gelebtes Regionalbewusstsein, heißt es vonseiten des Landkreises.

Hosenfelder Rathaus mit moderner Inneneinrichtung

Das zeigte sich auch bei einem kurzen Rundgang durch das Innenleben des Gebäudekörpers: Helle Räume, eine moderne Inneneinrichtung, eine schnörkellose, effiziente Architektur. Was den Fachmann des Landkreises besonders freut: „Das ist nicht der typische Neubau auf der grünen Wiese. Hier wurden die vorhandenen Materialien sehr gut verwendet und ein Gebäude direkt im Ortskern einer sinnvollen Nutzung zugeführt.“ Dieses Vorgehen werde die Zukunft sein, ist sich Simon sicher: „Wir werden es uns nicht mehr leisten können, alles neu zu kaufen und irgendwann wegzuschmeißen. Wir werden so viel wie möglich wiederverwenden müssen. Das ist hier passiert und deshalb ist dieser Bau für uns ein lobenswertes Projekt.“

Die Wiederverwendung vieler Materialien freut auch den Bürgermeister: „Im Bereich der Tagespflege haben wir die alten Holzelemente noch verbaut. Jedes Mal, wenn man da reinkommt, lebt die Geschichte dieses Gebäudes wieder auf. Die Leute, die dort betreut werden, kennen das ja noch so und freuen sich immer wieder darüber.“

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