Reste aus Zweitem Weltkrieg

Von Bomben bis Borreliose: Kampfmittelsondierung am Rauschenberg in vollem Gange

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Derzeit durchkämmen 16 Facharbeiter den Rauschenberg auf der Suche nach Bombenresten. Dabei stellen sie sich gleich mehreren Gefahren.

Petersberg - Wie viele Reste von Munition, Bomben sowie sonstigen Sprengmitteln sich auf dem Rauschenberg noch im Erdboden verbergen, das ist ungewiss. 16 Mitarbeiter der Firma Tauber aus dem nordrhein-westfälischen Greven suchen aktuell in dem Waldstück nach gefährlichen Überresten aus dem Zweiten Weltkrieg, 25 waren es in den Hochzeiten, berichtet Feuerwerker und Räumstellenleiter Jens Gebhardt.

Bis in den Herbst hinein, sollen die Arbeiten auf dem 27 Hektar großen Gelände noch andauern. Die Gemeinde Petersberg hofft, die ersten Wege im beliebten Naherholungsgebiet im Frühjahr 2022 wieder freigeben zu können.

Petersberg: Kampfmittelsondierung am Rauschenberg ist in vollem Gange

Dass das Waldstück eigentlich gesperrt ist, interessiert so manchen Spaziergänger allerdings wenig. „Das Waldstück aktuell zu betreten, ist nicht ungefährlich – nicht nur wegen der im Boden vermuteten Kampfmittel, sondern auch wegen kranker Bäume nah an den Waldwegen“, stellt Petersbergs Pressesprecher Sebastian Kircher fest. Selbst die Kampfmittelsondierer behandeln die rund 100 mit einem gelben Punkt markierten Bäume mit Respekt. Die davon ausgehenden Gefahren machen ihre Arbeit nicht einfacher und auch nicht das oft abschüssige Gelände.

Mit Bodensonden – dem Laien etwa als Metalldetektoren bekannter – und sogenannten Großschleifen, die mit Magnetfeldern arbeiten, suchen sie nach Unregelmäßigkeiten im Waldboden. Treten solche auf, werden die Stellen markiert und das Graben beginnt.

Fotostrecke: Die Bombensuche auf dem Rauschenberg ist in vollem Gange

Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.
Feuerwerker Andreas Kühn von der Firma Tauber zeigt Splitter einer Sprengbombe, diese unterscheiden sich von denen einer Splitterbombe. © Andreas Ungermann
Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.
Mit der Großschleife sucht das Team der Geophysiker nach Unebenheiten im Boden. © Andreas Ungermann
Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.
Einige Stellen im Wald sind auch für die Kampfmittelräumer tabu. Etwa dieses Biotop, in dem ein umgestürzter Baum liegt. © Andreas Ungermann
Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.
An den Stellen, an denen gegraben wird, kommen auch noch einmal Bodensonden zum Einsatz. © Andreas Ungermann
Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.
Ein Müllkrater: In einem der einstigen Bombentrichter wurde über Jahre und bis in die jüngere Vergangenheit hinein Abfälle abgeladen. © Andreas Ungermann
Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.
Jens Gebhardt von der Firma Tauber koordiniert die Arbeiten am Rauschenberg als Räumstellenleiter. © Andreas Ungermann
Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.
Wenn der Verdacht eines Fundes aufkommt, wird im Boden nach Munitions- und Bombenresten gegraben. © Andreas Ungermann

120 Bombentrichter finden sich laut Lutz Fritsche, der für das Ingenieurbüro IBH aus Weimar die Arbeiten begleitet, auf dem Rauschenberg. Gehe man von einer erfahrungsgemäßen Blindgängerquote von 18 bis 20 Prozent aus, so könnten auf dem 27 Hektar großen Gelände gut zwei Dutzend solcher noch gefährlichen Sprengkörper verborgen liegen.

Immerhin 500 Stabbrandbomben und zwei Tonnen an Sprengmitteln haben die Kampfmittelsondierer bislang auf dem Gelände, das zu Petersberg und Fulda gehört, aufgetan. Sollten sich größere noch scharfe Waffenreste am Rauschenberg finden, so käme im Extremfall eine Evakuierung in Betracht.

Fachkräfte durchkämmen den Rauschenberg auf der Suche nach Kampfmittelresten.

Damit sind Gebhardt und seine Kollegen jedoch vorsichtig. „Es gibt Wege dies zu steuern. Wenn der Verdacht auf eine schwere Bombe besteht, dann fährt man vielleicht bis an das Objekt dran, markiert es und wartet ab, ob sich noch weitere ähnliche Funde ergeben. Die kann man dann zusammen entschärfen, sodass nicht mehrere Evakuierunge nötig würden. Das macht die Bevölkerung nämlich nicht mit“, erklärt der Räumstellenleiter, für den der Rauschenberg schon eine größere Baustelle und die erste in Hessen darstellt.

Und noch etwas ist für das Team der Firma Tauber eine Premiere: „Wir hatten hier tatsächlich unseren ersten Borreliose-Fall“, sagt Gebhardt.

Rubriklistenbild: © Andreas Ungermann

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