Die in einem Waldstück abgelegten Reifen wurden von Mitarbeitern entsorgt.
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Die in einem Waldstück abgelegten Reifen wurden von Mitarbeitern entsorgt und werden nun verbrannt.

Umweltskandal in Eichenzell

1000 Altreifen im Wald entsorgt: Nun werden sie verbrannt - Täter weiterhin unbekannt

  • Leon Weiser
    VonLeon Weiser
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  • Sabrina Mehler
    Sabrina Mehler
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Rund 1000 alte Reifen sind in der vergangenen Woche an einem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden worden. Der Bereich ist mittlerweile geräumt worden und die Reifen werden nun verbrannt.

Update vom 20. Juli, 11.23 Uhr: Der Bereich, in dem die Altreifen abgelegt wurden, ist am Montag, 19. Juli, geräumt worden. „Für uns war die Entsorgung der Reifen ein Gemeindedienst. Es ist etwas anderes, als nur im Büro zu sitzen“, erklärt Christoph Henning, Betriebsleiter vom Veolia Umweltservice Süd mit Sitz in Eichenzell.

Für die Entsorgung und den Abtransport rückte die Firma mit einem Bagger sowie mehreren Lastwagen an. „Die Entsorgung ist auf Begeisterung bei den Mitarbeitern gestoßen, da viele aus Eichenzell kommen“, sagt Henning. Die Reifen wurden von vier Mitarbeitern abtransportiert und werden in der Firma nach der Größe sortiert und in ein Zementwerk gefahren. In diesem folge die Verbrennung der Reifen, die als Sekundärbrennstoff für das Werk verwendet werden können, erläutert der Betriebsleiter.

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei in Fulda dauern indes noch immer an, sodass diese noch keine Informationen zu möglichen Tätern nennen kann. Daher bittet die Polizei die Bevölkerung weiterhin um Hinweise zu der Tat.

Fulda: 1000 Reifen in Wald entsorgt - Kripo ermittelt nach Umweltskandal

Erstmeldung vom 14. Juli, 11.14 Uhr:

Eichenzell - Es ist ein außergewöhnlicher Vorfall, und auch die Polizei in Fulda scheint perplex: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Polizeisprecher Patrick Bug auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein Bürger habe der Polizei die Ablagerung der Altreifen auf einem Parallelweg zur B27 gemeldet. Rund 1000 Reifen aller Art - darunter von Autos, Lkw und Traktoren - hatten die Beamten dann auf mehreren Stapeln im Wald zwischen Rothemann und Döllbach verteilt entdeckt.

„Zwar geht von dem Unrat keine akute Gefährdung aus, allerdings handelt es sich bei der unerlaubten und zudem umweltschädigenden Entsorgung um eine Straftat“, so die Polizei. Das für Umweltdelikte zuständige Kommissariat hat wegen unerlaubten Umgangs mit Abfall die Ermittlungen aufgenommen und sich auf umfangreiche Spurensuche begeben. (Lesen Sie auch: Domplatz in Fulda voll mit Müll - Anwohner ärgern sich über Partyvolk)

Reifen werden nach Abtransport als Sekundärbrennstoff für Zementwerk genutzt

Zum einen könnte der Zustand der Reifen, zum anderen Spuren von Fahrzeugen Rückschlüsse auf den oder die Täter geben, berichtet Patrick Bug. Auch Zeugen hätten sich mittlerweile gemeldet. Bug geht davon aus, dass die Reifen mit einem größeren Fahrzeug in den Wald transportiert worden sind. Ob sie dort abgekippt oder per Hand abgeladen wurden, sei unklar.

Umweltsünder entsorgen rund 1000 Reifen im Wald

Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden.
Rund 1000 Altreifen wurden an dem Waldweg zwischen Rothemann und Döllbach gefunden. © Fuldamedia

Wer Hinweise zu der Verursacherin oder dem Verursacher geben kann, wird gebeten, sich beim Polizeipräsidium Osthessen unter Telefon (0661) 1050, jeder anderen Polizeidienststelle oder über die Onlinewache unter www.polizei.hessen.de zu melden.

Fund von 1000 Altreifen erschüttert Eichenzeller Bürgermeister

Erschüttert zeigt sich auch der Eichenzeller Bürgermeister Johannes Rothmund (CDU): „Ich konnte das gar nicht glauben. Es ist völlig unfassbar, wie Leute mit unserer Umwelt und der Gemeinde umgehen.“ Auch er glaubt, dass die Täter mehrfach mit einem Traktor oder ähnlichem Fahrzeug in das Waldgebiet gefahren sind und hofft deshalb auf reichlich Zeugenhinweise. „Ich empfehle dem- oder derjenigen, sich von sich aus zu stellen“, appelliert der Bürgermeister. Der Vorfall zeige „die Tendenz, zunehmend unsere Umwelt für Abfallhinterlassenschaften zu missbrauchen. Das ist nicht zu akzeptieren.“

Was droht dem Umweltsünder?

Sollte die Polizei den Verantwortlichen ermitteln, wird er wohl zur Kasse gebeten werden. Allerdings ist man in Hessen vergleichsweise milde, wo nur ein Bußgeld zwischen 200 und 1000 Euro fällig werden. Wer etwa in Hamburg erwischt wird, müsste bei 75 Euro pro Stück recht tief in die Tasche greifen.

Jährlich fallen über eine halbe Million Tonnen Altreifen in Deutschland an. Die korrekte Altreifenentsorgung ist besonders wichtig, da die Lagerung des Abfalls auf Deponien gefährlich wird. Die Altreifen können Feuer fangen und erhöhen damit die Waldbrandgefahr. Aus diesem Grund ist es seit dem Jahr 2003 in Deutschland verboten, Altreifen auf eine Deponie zu werfen.

Vermutlich wird die Gemeinde nun ein Unternehmen beauftragen, das die Altreifen abtransportiert und entsorgt, erklärt Thomas Gernhardt vom Eichenzeller Ordnungsamt. Das bedeutet: Sollte kein Täter gefunden werden, muss der Eichenzeller Gebührenzahler die entstehenden Kosten tragen. Mit zwischen drei und fünf Euro pro Reifen, und damit mindestens 5000 Euro, rechnet der Bürgermeister.

Immer wieder würden in der Gemarkung Eichenzell Gegenstände wie Reifen oder Kühlschränke illegal entsorgt, berichtet Thomas Gernhardt: „Es gibt nichts, das nicht illegal entsorgt wird.“ In dieser Dimension habe er das aber noch nicht erlebt. Wer seine Altreifen loswerden will, könne das zum Beispiel bei Unternehmen, die Reifen auch verkaufen, oder am kommunalen Wertstoffhof tun, erklärt er. Dies sei aber gebührenpflichtig – und vermutlich deshalb auch der Grund, warum der Eigentümer der entsorgten Reifen sich für den illegalen Weg entschieden hat.

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