Die Männer der Tat (von links) Jochen Gumpert, Ricardo Guiducci, Matthias Etzel, Mario Guiducci (es fehlt Oliver Guiducci), Bürgermeister Ronny Günkel und sein Vorgänger Hubert Blum bei der Einweihung der Skulptur.
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Die Männer der Tat (von links) Jochen Gumpert, Ricardo Guiducci, Matthias Etzel, Mario Guiducci (es fehlt Oliver Guiducci), Bürgermeister Ronny Günkel und sein Vorgänger Hubert Blum bei der Einweihung der Skulptur.

Kuriose Straftat

Nach „Diebstahl“ durch Ortsbeirat - Kunstwerk bekommt in Hilders Polizeischutz

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Happy End einer abenteuerlichen Geschichte: Die Bronze-Skulptur „Morgen“ hat seit dieser Woche einen neuen Standort. Sie steht jetzt auf dem kleinen Platz direkt neben der Polizeidienststelle Hilders. Vorausgegangen war ein vermeintlicher Diebstahl. 

Hilders - Rückblick: Im November 2013 vereinbarte der Ortsbeirat von Hilders (Fulda), dass das schwere Bronze-Kunstwerk mit dem Namen „Morgen“ vor einem Diebstahl gesichert werden soll. Denn die geschlossene Jugendherberge außerhalb von Hilders, wo die Skulptur stand, war verwaist und schon häufiger von Dieben heimgesucht worden. Die beiden insgesamt 700 Kilogramm schweren Bronzefiguren hatten damals bestimmt einen Wert von 5000 Euro“, erklärt der Hilderser Jochen Gumpert. „Wenn wir nicht tätig geworden wären, wären sie gestohlen worden“, ist sich Ortsvorsteher Matthias Etzel sicher.

Er gehörte zu einer Gruppe von fünf Männern, die mit schwerem Werkzeug eines Morgens das Kunstwerk abmontierten und im Bauhof der Gemeinde in Sicherheit brachten. Das Problem: Es war eine Geheimaktion. Die Männer der Tat hatten schlichtweg vergessen, die Gemeinde und den damaligen Bürgermeister Hubert Blum zu informieren. „Vielleicht waren wir etwas zu flott“, sagt Etzel im Nachhinein selbstkritisch. „Ruck, zuck haben wir die Skulptur abgebaut und in den Bauhof gebracht.“ (Lesen Sie hier: Diebe stehlen Lkw mit Baugerüst - 60.000 Euro Schaden)

Das Jugendherbergswerk meldete das Kunstwerk bei der Polizei als gestohlen. Doch als die Beamten vor Ort nachforschten, war der Fall schnell gelöst, als der Ortsvorsteher bei der Polizei für Aufklärung sorgte.

Fulda: Nach „Diebstahl“ durch Ortsvorsteher - Skulptur unter Polizeischutz

Seitdem lag das Kunstwerk – unterbrochen von einem zweimonatigen „Freigang“ – als es in der Kunststation Kleinsassen ausgestellt wurde, im Bauhof der Gemeinde Hilders. Denn es entbrannte ein Streit, wo die Skulptur künftig stehen soll. Die Gemeinde und der Ortsbeirat befürworteten einen Standort in Hilders, bevorzugt am Ulstersaal. Das Jugendherbergswerk, dem die Figuren rechtlich gehörten, hätte das Kunstwerk am liebsten in Bad Hersfeld in der dortigen Jugendherberge aufgestellt. Der Künstler, der 2015 verstorbene Johannes Kirsch, plädierte zu Lebzeiten für einen Standort direkt an Hessens Grenze zu Thüringen. Das würde thematisch am besten zu der Intention des Kunstwerks passen, sagte er damals.

So gingen viele Jahre ins Land, bis der Jugendherbergsverband das Kunstwerk der Gemeinde überließ. Da der angedachte Standort, die Wiese neben dem Ulstersaal, von der Naturschutzbehörde abgelehnt wurde, einigte man sich schließlich auf den Platz neben der Polizeidienststelle Hilders an der Abzweigung in Richtung Frankenheim. (Lesen Sie hier: Versuchter Diebstahl in Lebensmittelgeschäft - Kunden schnappen die Täter)

Seit dieser Woche steht die Skulptur am neuen Standort. „Eine Tafel wird noch angebracht, die über das Kunstwerk informiert“, erklärte Bürgermeister Ronny Günkel. Mit diesem Standort werde der Gedanke des Künstlers aufgegriffen, gleichzeitig bleibt das Werk in Hilders, sagte er.

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„Fakt ist, ohne die Aktion der fünf Männer würden die Figuren heute nicht in Hilders stehen“, sagte Ex-Bürgermeister Blum. „Alles ist richtig gemacht worden, allerdings war die Kommunikation verbesserungswürdig“, fügte er schmunzelnd hinzu.

Die Aktion vor fast acht Jahren war noch häufig Thema in Hilders – sei es am Stammtisch oder auch an Fastnacht, als Ortsvorsteher Matthias Etzel und Bürgermeister Hubert Blum die Geschichte dem närrischen Publikum erzählten.

Die Männer der Tat müssen immer noch über ihre Nacht- und-Nebel-Aktion schmunzeln. Und sie sind sich sicher, dass das Kunstwerk nun direkt neben der Polizeistation absolut sicher steht. Es genießt jetzt quasi Polizeischutz, sagen Etzel und Blum.

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