Fotos: Carribbean Connection, Daniela Petersen

Von Fulda... an die Riviera Maya in Mexiko (mit Video)

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Yucatán - Stiehl mit deinen Augen, so viel du kannst: Diesen Tipp hat mir einst eine Kollegin gegeben, die oft auf Reisen ist. Jetzt kommt mir der Satz wieder in den Sinn – denn hier im Golf von Mexiko gibt es viel zu stehlen.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Das Boot schaukelt. Angestrengt schaut die Crew aufs Meer hinaus. Hier irgendwo im weiten Blau, das passenderweise „Blue Water“ genannt wird, müssen sie sein: Walhaie. Die sechs bis acht Meter langen Tiere sind das, weswegen wir gekommen sind. Wir möchten mit ihnen schnorcheln, sie ganz aus der Nähe betrachten. 200 Dollar hat es gekostet, auch wenn es nicht sicher ist, ob wir überhaupt einen Walhai sehen werden. Bis jetzt zeigt sich keine einzige Finne. Jedes Anzeichen entpuppt sich als Welle. Eine Fata Morgana.

Jeder Ausflug ist aufregend

„Ihr müsst geduldig sein“, rät Diego. Er spricht Englisch und hat eine beruhigende Art. Der 24-Jährige arbeitet bei Caribbean Connections, ist zusammen mit Kapitän Julien Guide der Gruppe und wird mit im Wasser sein, Fotos machen und darauf aufpassen, dass niemand den Tieren zu nahe kommt. Anfassen ist verboten. Diego war schon häufig mit Walhaien schnorcheln.

Doch auch für ihn ist jeder Ausflug aufregend – und ein Glücksspiel: „Manchmal sieht man einen Walhai, manchmal 200. Und manchmal zeigt sich keiner. Das ist ganz unterschiedlich.“ Am Ende des Ausflugs wird er zugeben, dass in den vergangenen fünf Tagen kein einziger Walhai zu sehen war. Und dass er die Chance (nur) bei 50 Prozent eingeschätzt hatte.

Zwei Meter Abstand halten

Doch während des Ausflugs gibt er sich zuversichtlich. Ganz nach dem Motto: Positiv denken, dann wird es auch positiv laufen. „Na klar, sehen wir Walhaie. Man muss optimistisch sein.“ Die Saison für Touristen, Walhaie zu beobachten, beginnt an der Riviera Maya Ende Mai. Zwischen Mai und September halten sich die Tiere in den Gewässern rund um die Halbinsel Yucatán auf.

Auch wenn die Ozeanriesen den Begriff „Wal“ in ihrem Namen haben, sind sie keine Säugetiere und gehören zu den Fischen. Genau genommen sind es die größten bekannten Fische der Welt. „Sie ernähren sich von Plankton und anderen Kleinstlebewesen“, sagt Diego und erklärt die Regeln im Wasser: Die Tiere niemals anfassen, einen Abstand von zwei Metern einhalten, und es können nicht alle gleichzeitig schnorcheln. Um die Tiere möglichst wenig zu stören, wird in Zweierteams geschwommen.

Viele Walhaie

Plötzlich ist ein Funkspruch zu hören: Ein anderes Boot hat die Tiere entdeckt. Bei der Suche arbeiten die zehn Boote der Firma zusammen. An Deck wird es nun hektisch. Julien steuert zügig durch die Wellen. Jeder ist gespannt, wie viele Tiere es sein werden und wie die Erfahrung wohl ist, mit diesen gigantischen Geschöpfen zu schnorcheln. Ich bin aufgeregt, schon lange möchte ich diese Erfahrung machen. Und als mein Sitznachbar im Flugzeug davon erzählt hatte, dass er genau deswegen nach Mexiko reist, hatte ich mir vorgenommen, auch einen solchen Ausflug zu buchen.

„Das scheinen mehr Tiere zu sein, weil sich die Boote recht verteilt haben“, sagt Diego, als wir an dem Platz ankommen, wo die Walhaie gesichtet worden sind. Als sich das Boot vorsichtig nähert, werden die Augen größer. Überall ragen Finnen aus dem Meer. „50, 60 Walhaie sind es“, schätzt der 24-Jährige. Zum Teil schwimmen die Tiere nah an die Boote heran. „Team 1 macht sich bereit“, befiehlt Diego, setzt sich Maske und Schnorchel auf und greift zu seiner Unterwasserkamera.

Punkte sind bei jedem Tier unterschiedlich

Dann geht alles schnell. Julien bringt das Boot in Position. Team 1 springt ins Wasser. Auch ich mache mich bereit. Ich gehöre zu Team 2. Mein Herz klopft. Mir ist flau im Magen von der Bootsfahrt, und ich bin aufgeregt. „Team 2, los“, sagt Diego einige Minuten später. Ich springe ins Wasser und kann ohne Übertreibung sagen: Es folgen die Minuten meines Lebens. Diego greift meine Hand, und wir schnorcheln einem Walhai hinterher, plötzlich taucht unter mir ein zweiter auf und zeigt seine ganze Schönheit.

Die Punkte, die so typisch für diese Fische sind, sind bei jedem Tier unterschiedlich. Genau wie die Finnen. Einige Walhaie kommen seit vielen Jahren in diese Gewässer. Ihr Maul hat eine Spannweite von gut einem Meter. Als der Walhai sein Maul gemächlich öffnet, wird mir etwas mulmig, auch wenn ich weiß, dass die Tiere als ungefährlich gelten.

Drei Mal ins Wasser

Diese Geschöpfe in ihrer Umgebung zu beobachten, wie sie an einem vorbeigleiten, ist eine ganz besondere Erfahrung. Plötzlich stellt sich eines der Tiere fast senkrecht ins Wasser. Wie eine Säule sieht der Walhai aus und dreht sich langsam um die eigene Achse. „Er hat sich vollgefressen“, erklärt Diego später.

Insgesamt darf ich drei Mal für wenige Minuten ins Wasser. Einmal mehr als üblich: „Weil so viele Walhaie da sind. Wenn es weniger sind, dürfen wir die Gäste nur maximal zwei Mal ins Wasser lassen“, sagt Diego.

Viel zu schnell ist das Erlebnis vorbei, und das Boot steuert ein Riff an, wo der Tag ausklingen wird und wir noch einmal schwimmen können. Unterwegs tauchen Fliegenfische auf. Und als auch noch zwei Meeresschildkröten zu sehen sind, die sich gerade paaren, kann ich mein Glück kaum fassen.

Das könnte Sie auch interessieren