Fulda: Südlich von Bronnzell am Rande der Eichenzeller Straße befand sich die einstige Hausmülldeponie, die nun saniert werden soll.
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Südlich von Bronnzell am Rande der Eichenzeller Straße befand sich die einstige Hausmülldeponie, die nun saniert werden soll.

In Bronnzell

400 Unterschriften gesammelt: Sanierung der Abfalldeponie sorgt für Unmut

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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In Bronnzell plant die Stadt Fulda die Sanierung der ehemaligen Hausmülldeponie. Dagegen regt sich in dem Stadtteil nun Unmut. Die Kritikpunkte: mangelnde Information und Sorgen um ein gesundheitsgefährdendes Sanierungsverfahren sowie über massiven Lkw-Verkehr.

Bronnzell - Knapp 400 Unterschriften hat Dieter Weiland in Bronnzell gesammelt. Gerichtet sind diese gegen die geplante Sanierung der ehemaligen Hausmülldeponie, die im Süden direkt an den Stadtteil angrenzt.

Beim Sammeln der Unterschriften habe sich herausgestellt, dass circa 95 Prozent der Stimmberechtigten nichts über die geplante Deponiesanierung gewusst hätten, schreibt Weiland in einem Brief an Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), der der Redaktion vorliegt. Zudem, so heißt es darin, hätten fast alle Unterzeichner erhebliche Einwände gegen die beabsichtige Abdeckung mittels eines aufgeschütteten Berges.

„Aufgrund der Art der vorhandenen Altlast kommt grundsätzlich nur eine Abdichtung gegenüber Oberflächenwasser und eine geordnete Gasabführung infrage“, erklärt Monika Kowoll-Ferger, Pressesprecherin der Stadt Fulda, auf Nachfrage. Vor Einreichung der Genehmigungsplanung seien verschiedene Varianten untersucht und letztlich eine mit der Genehmigungsbehörde abgestimmt worden. Diese Variante sei positiv beschieden worden und werde nun umgesetzt.

Fulda: Sanierung von ehemaliger Abfalldeponie sorgt für Unmut

In Bronnzell wird unterdessen befürchtet, dass es zu einer immensen Verkehrsbelastung durch Tausende Lastwagen und einer erheblichen Staubentwickung bei der Abkippung des Abdeckmaterials kommen werde. Letztere, so geht aus dem Schreiben an den OB hervor, sei durch Beifügungen außerordentlich gesundheitsschädlich.

Betroffen seien vor allem ein angrenzendes Wohngebiet samt Kinderspielplatz. Weiland sieht zudem langfristige Gefahren für das Wohngebiet zwischen Fasanerie- und Eichenzeller Straße: Er befürchtet – trotz bester Wasserführungsvorsorge –, dass durch Absickerungen Rohre langsam verschlammen und somit bei immer häufiger auftretenden Starkregen die Hochwassergefahr steigt, so ist dem Schreiben zu entnehmen.

Tatsächlich sei zeitweise mit verstärktem Baustellenverkehr zu rechnen, räumt Kowoll-Ferger ein. „Durch eine Einbahnregelung und die Schaffung einer Zufahrt auf die Landesstraße zwischen Bronnzell und Eichenzell wird die Beeinträchtigung der Anwohner in Bronzell jedoch so weit wie möglich verhindert“, sagt die Sprecherin. Um Staub von Gebäuden und der B 27 abzuhalten, solle einer Wolkenbildung durch befeuchtete Baustoffe und gegebenenfalls – nicht näher benannte – technische Einrichtungen vorgebeugt werden. (Lesen Sie auch hier: Auf diesen Strecken gibt es bis Ende 2021 noch Baustellen)

Hintergrund

Die ehemalige Hausmülldeponie im Süden von Bronnzell wurde mit Bescheid des Regierungspräsidiums Kassel (RP) vom 25. Oktober 1993 zur Altlast und die Stadt Fulda zur „Sanierungsverpflichteten“ erklärt. Ziel ist es laut Auskunft der Stadtverwaltung, „den Eintrag von Schadstoffen aus dem Deponiekörper ins Grundwasser zu unterbinden und den Austritt von Deponiegas so zu regulieren, dass davon keine Gefährdung für Mensch und Tier ausgeht“.

Die vom RP 2014 genehmigte Planung sehe vor, die Deponie mit einer mineralischen Schicht gegen Oberflächenwasser abzudichten, und die Ableitung von Deponiegas am Hochpunkt durch ein „Gasfenster“ sicherzustellen. Im Endzustand entstehe über der derzeitig ebenen Deponiefläche ein „moderater Hügel“, an dessen Hochpunkt sich das Gasfenster befindet und dessen Flanken eingegrünt sind.

Aktuell ist die Ausschreibung für die Bauarbeiten für den Spätherbst dieses Jahres geplant, die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2022 beginnen und werden voraussichtlich 12 bis 18 Monate dauern.

Namens der Stadt verteidigt Kowoll-Ferger das gewählte Verfahren. Dieses sei erprobt und garantiere zuverlässig den Sanierungserfolg. Denn: Die beiden Ziele Grundwasserschutz und geordnete Gasableitung seien nur durch Abdichtung und Gasdrainage zu erreichen. Bereits 2005 sei ein genehmigungsfähiger Entwurf für die Sanierung vorgelegt worden, auf den die Ausführungsplanungen basierten, die 2013 dem Regierungspräsidium Kassel (RP) vorgelegt worden seien und nun zur Umsetzung kommen sollen.

Stadt: Keine Abweichung von den Sanierungsplänen

Nachdem die Stadt in mehreren Veranstaltungen über die notwendige Sanierung und die Planungen informiert habe – zuletzt im Oktober 2016 und im März 2017 – ist ein weiterer Termin für Herbst 2021 anberaumt. „In dieser Veranstaltung sollen bereits konkrete Aussagen zum Ablauf der Baumaßnahmen, der bauzeitlichen Verkehrsführung sowie der Bauzeit getroffen werden“, kündigt die Sprecherin der Stadt an.

Eine Abweichung von den Sanierungsplänen sei indes nicht zu erwarten. Zur Abdichtung und Gasdrainage bestehe „tatsächlich keine Alternative“. Die Stadt sei an den Genehmigungsbescheid des RP gebunden und habe somit keine Möglichkeit, Alternativen vorzuschlagen. Die genehmigte Planung sei darüber hinaus in langwierigen rechtlichen Auseinandersetzungen durch mehrere Instanzen geprüft und für geeignet gehalten worden.

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