Auch am Weiher-Nordufer in Fulda wurden Bäume gefällt.
+
Auch am Weiher-Nordufer in Fulda wurden Bäume gefällt.

Deutliche Worte des Stadtbaurats

Aueweiher: Kritik an Sanierung reißt nicht ab - Stadt Fulda verteidigt Vorhaben

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
    schließen

Der Schlagabtausch zwischen Stadt und Naturschützern zur Aueweiher-Umgestaltung geht in die nächste Runde: Nachdem Vertreter von Vogelschutzwarte und NABU erneut Kritik äußerten, verteidigt sich Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) mit deutlichen Worten.

Fulda - Vor allem zwei Punkte stoßen den Umwelt- und Naturschützern nach wie vor bitter auf: Die Stadt Fulda möchte beide Weiher zusammenlegen, um die Wasserqualität zu verbessern, und Bäume dort fällen. Sowohl Lothar Herzig, Kreisbeauftragter der staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, als auch der NABU Fulda-Künzell haben in den vergangenen Tagen in Pressemitteilungen deutliche Kritik an den geplanten Sanierungsarbeiten der Aueweiher geübt.

Deren Startschuss ist derweil schon gefallen: Am Montag vergangener Woche waren die ersten Bäume an der Stelle gefällt worden, wo später die Insel in der Mitte des dann zusammengelegten Weihers liegen soll.

Fulda: Kritik an Aueweiher-Sanierung reißt nicht ab - Das sagen NABU und Vogelschutzwarte

Ungeachtet dessen werfen Lothar Herzig und der NABU der Stadt Fulda vor, dass eine Sanierung der Weiher auch ohne eine Zusammenlegung und die Eingriffe in den vogelreichen Auwald möglich sei. Dies verschweige die Stadt Fulda. „Sie suggeriert, dass es beim Fällen von 18 Bäumen bliebe und verschweigt, dass sich die erfolgten Fällungen nur auf die Gewässersanierung und nicht auf die Arbeiten zur Landesgartenschau mit einem Brückenbau und vielen anderen Gestaltungselementen bezieht“, teilt Lothar Herzig mit. Durch die Vorbereitung dieser Eingriffe werde demnächst die Rodung „weiterer etwa 40 Bäume des eigentlich bundesgesetzlich geschützten alten Auwaldes erforderlich“.

Von einer Erhöhung der Biodiversität könne deshalb keine Rede sein – lediglich von einer „Ignoranz der Stadt gegenüber nationalen wie internationalen Vereinbarungen zur Erhaltung der Biodiversität“.

Aueweiher: NABU bezeichnet Insel als „Ersatz und Alibi“ für den möglichen Verlust der Artenvielfalt

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Zusammenlegung der beiden Weiher zu einem Gewässer. Der NABU Fulda-Künzell betont, man sei nicht gegen die Sanierung der Aueweiher. Doch die Stadt Fulda habe nicht nachweisen können, dass die Zusammenlegung beider Weiher für die Gewässersanierung notwendig sei. Diese hätte man mit der geplanten Technik für beide Weiher getrennt vornehmen können, kritisiert der NABU und erinnert daran, dass man bereits knapp 3000 Unterschriften gegen die Weiher-Zusammenlegung und die damit verbundenen Baumfällungen gesammelt habe.

Die Insel, die bei der Zusammenlegung entstehe, sei ein „Ersatz und Alibi“ für den möglichen Verlust der Artenvielfalt auf der langen Insel am südlichen Weiher durch die dort zunehmenden Freizeitaktivitäten. Ein Kompromissvorschlag des NABU habe bei der Stadt Fulda kein Gehör gefunden.

Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner weist Vorwürfe der NABU zum Aueweiher entschieden zurück

Die Stadt Fulda weist diese Vorwürfe zurück. Die Behauptungen basierten „auf größtenteils falschen oder längst überholten Informationen“, sagt Fuldas Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos). „Die Maßnahmen zur Landesgartenschau 2023 sind von den Gremien mit breiter Mehrheit beschlossen worden, sie unterliegen alle dem Fachrecht, weswegen teils langwierige Genehmigungsverfahren durchlaufen werden mussten, bei denen auch der Naturschutzbeirat frühzeitig eingebunden wurde.“ Zudem habe es konstruktive Gespräche mit Vertretern des NABU gegeben, deren Ergebnisse in die jeweiligen Planungen größtenteils einfließen konnten, erläutert Schreiner.

Für die Sanierung der Aueweiher seien unterschiedliche Varianten untersucht worden. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen habe sich die Stadt Fulda dafür entschieden, die beiden Weiher zusammenzulegen. Denn: Die notwendige Filterung für das zu sanierende Gewässer müsse so nur einmal betrieben und vorgehalten werden. Die Genehmigungen durch die Wasser- und Naturschutzbehörden lägen vor.

Stadt Fulda betont: Verbesserung der Gewässerqualität durch Sanierung der Aueweiher

Für Höhlenbäume, die man habe fällen müssen, seien als Ausgleich mehrere Nisthilfen angebracht worden. Die Zahl von 18 gefällten Bäumen habe sich immer auf die Durchbrüche der Landbrücke bezogen. Für die Erweiterung des Aueweihers im Norden und die Installation des Holzdecks mit Wassergarten werden etwa 16 weitere kleine und mittelgroße Bäume entfernt, berichtet Schreiner. Im Zuge der Umgestaltung des ehemaligen Parkplatzes an der Hornungsbrücke und der Neuregelung des Überlaufes des Aueweihers werden im Herbst weitere circa 15 Bäume gefällt. Für die neuen Fuß- und Radwegestege Hornungsmühle und Badegarten in Fulda müssten voraussichtlich sieben kleine bis mittelgroße Bäume gefällt werden.

Die Stadt Fulda betont weiter, mit der Sanierung der Aueweiher und der damit verbundenen Verbesserung der Gewässerqualität werde das Ökosystem „Gewässer“ deutlich verbessert. Damit werde neben Arten- auch Lebensraumvielfalt angestrebt – zum Beispiel mit der Anlage von Flachwasserbereichen, Röhricht- und Schilfflächen, die es bislang kaum gebe.

Auch zur Kritik, es gebe noch keine verbindlichen Aussagen über die Nutzung des Weihergebietes nach der Landesgartenschau, nimmt die Stadt Fulda Stellung: Da ein solches Nachnutzungskonzept auch den Rückbau der Ausstellungsbeiträge beinhalte, sei eine Konzept-Vorstellung vor Februar/März 2023 nicht möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema