Beim dynamischen ersten Spatenstich (von links): Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Ehm Eike Ehrig, Steffi Mosebach (Amt Grünflächen und Stadtservice), Harro Beyer (Bauleiter Fa. Fichter), Adrian Hehl (Untere Denkmalbehörde) und Stadtbaurat Daniel Schreiner.
+
Beim ersten Spatenstich (von links): Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Planer Ehm Eike Ehrig, Steffi Mosebach (Stadt Fulda), Harro Beyer (Firma Fichter), Adrian Hehl (Denkmalbehörde) und Stadtbaurat Daniel Schreiner.

Großprojekt in Fulda

Spatenstich für Sanierung des Schlossgartens: Vor diesen Herausforderungen stehen die Planer

  • Anja Hildmann
    VonAnja Hildmann
    schließen

Der Schlossgarten in Fulda soll zu einem spätbarocken „Garten-Juwel“ umgebaut werden. Nun fand der symbolische Spatenstich für die Sanierungsarbeiten statt, die große bautechnische Herausforderungen mit sich bringen.

Fulda - Die gegenwärtige Witterung zeigt die Probleme überdeutlich: Große Pfützen bilden sich auf den Wegen im Fuldaer Schlossgarten, andere Stellen sind matschig und kaum zu passieren, ohne sich das Schuhwerk ruinieren. Doch Abhilfe ist in Sicht: Vor kurzem fand der symbolische erste Spatenstich für die Sanierung des Schlossgartens statt, verkündet die Stadt Fulda in einer Pressemitteilung.

Dabei geht es jedoch längst nicht nur um eine Instandsetzung der Wegeverbindungen sowie der in die Jahre gekommenen Brunnentechnik und der Beleuchtung, sondern vor allem um eine denkmalgerechte Rekonstruktion der spätbarocken Gartenanlage, die im gesamten deutschsprachigen Raum nur wenige Entsprechungen hat.

Fulda: Schlossgarten wird saniert - Das sind die Herausforderungen

Auf diese Besonderheit des Fuldaer Schlossgartens wiesen Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Stadtbaurat Daniel Schreiner bei dem Ortstermin hin. Der beauftragte Landschaftsarchitekt Ehm Eike Ehrig aus Bielefeld erläuterte die historische Bedeutung: „Der spätbarocke Residenzgarten, der uns über den historischen Aufmaßplan vom Leutnant Kördel 1803/1804 bekannt ist, ist eine der wenigen spätbarocken Anlagen neben dem Schlosspark Schwetzingen, dem Residenzgarten Würzburg und dem Barockparterres von Schloss Neuhaus bei Paderborn, die aus dieser Zeit in Deutschland als Gesamtanlage beziehungsweise in Teilbereichen überliefert sind.“ 

Zwar wurde schon für die Landesgartenschau 1994 versucht, die barocke Anmutung im vorderen Teil des Schlossgartens wiederherzustellen, insbesondere indem die Blickachse vom Schloss zur Floravase und zur Orangerie durch das große Brunnenbassin mit Fontäne betont wurde. Jedoch wurden im Detail nicht die originalen Größenverhältnisse und Geometrien rekonstruiert, die über den Kördelschen Plan noch erhalten sind.

„Überhaupt ist es ein großer Glücksfall, dass der Oranierprinz Wilhelm zu Beginn des 19. Jahrhunderts als neuer Fuldaer Landesherr seinen Leutnant Kördel mit der Dokumentation der alten Anlage beauftragte, bevor er sich daranmachte, den kompletten Schlossgarten – ganz in der Mode der Zeit – im Stil eines naturnahen englischen Landschaftsparks gestalten zu lassen“, heißt es weiter.

Überbleibsel aus dieser Zeit sind die mächtigen, zum Teil 200 Jahre alten Bäume im Schlossgarten, die selbstverständlich erhalten bleiben. Denn diese wertvollen Bäume - unter anderem Säuleneichen, Feldahorn und Lärchen - repräsentieren eine eigene „Zeitschicht“, die auch nach der Sanierung sichtbar sein wird. (Lesen Sie hier: Schlossgarten, Spielplatz, Schreibtisch: Das sind die Aufgaben von Landschaftsgärtner Marcel Waber)

Landschaftsarchitekt Ehrig erläuterte: „Die jetzt beginnenden Bauarbeiten werden den Residenzgarten nach heutigen denkmalpflegerischen Grundsätzen eines integrierten Leitbildes wiederherstellen. Das bedeutet, dass zwei sich überlagernde Zeitschichten gezeigt werden, die strukturgebenden spätbarocken Strukturen der Treppenanlagen, Grotten, Brunnen und Wege und die überlagernde Baumschicht der Landschaftsgartenzeit.“

Symbolischer Spatenstich im Schlossgarten Fulda

„Die Rekonstruktion des spätbarocken Zustands ist also nur eine Annäherung; und anders als im Barock werden die Bürgerinnen und Bürger natürlich nicht ausgesperrt: Die hohe Aufenthaltsqualität auf den Wiesen unter den alten Bäumen, die viele Fuldaerinnen und Fuldaer so schätzen, bleibt erhalten“, heißt es weiter.

Das Bauprojekt umfasst zwei bautechnische Herausforderungen: Zum einen muss die authentische Rekonstruktion der Wegestrukturen derart erfolgen, dass die Baumstandorte unbeschadet integriert werden können, um die wertvollen Altbäume der Landschaftsgartenzeit so lange wie möglich zu erhalten. Es wird deshalb einen speziellen Wegebau im Residenzgarten geben, der die Belüftung des Wurzelraumes fördert und dennoch sehr belastbar bei intensivierter Nutzung ist.

Eine weitere planerisch-bauliche Herausforderung ist es, die zentralisierte und hochmoderne Brunnentechnik in den historischen Residenzgarten einzubauen. Bislang wurden die Brunnen mit wertvollem Trinkwasser betrieben, das aus den Brunnenüberläufen direkt in die Kanalisation eingeleitet wurde. Das neue wassersparende Brunnensystem wird hingegen ein geschlossener Kreislauf sein und über eine zentrale Brunnenkammer alle sechs Becken beschicken. Mit dem Ausbau der Kaisersaalterrasse wird die Brunnenanlage später sogar acht Brunnen versorgen können. 

Video: Startschuss für Umgestaltung des Aueweihers in Fulda

Oberbürgermeister Wingenfeld und Stadtbaurat Schreiner warben um Verständnis dafür, dass der vordere Schlossgarten während der unterschiedlichen Bauabschnitte nur eingeschränkt nutzbar sein werde. Gleichzeitig werde man darauf achten, dass für Fußgänger die Baustellenbereiche in der Regel passierbar bleiben oder leicht zu umgehen sind.

Angesichts der komplexen Herausforderungen einer denkmalgerechten Sanierung summieren sich die Baukosten auf rund 2,7 Millionen Euro, über das Bund-Länder-Programm „Lebendige Zentren“ fließt zugleich eine Förderung in Höhe von 1,6 Millionen Euro. „Die Verantwortlichen zeigten sich überzeugt, dass der Schlossgarten nach der Sanierung seine enorme Attraktivität für die Bürgerinnen und Bürger behalten und seine touristische Anziehungskraft als original spätbarockes Garten-Juwel sogar noch steigern wird“, so die Stadt.

Das könnte Sie auch interessieren