Björn Both von Santiano
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Im Interview verrät Björn Both auch, ob und wann er mit Santiano wieder nach Fulda kommt.

Sänger im Interview

„Werden weiter unsere Stimme erheben“ - Santiano-Frontmann Both über das neue Album, Abschied und Puff Daddy

  • Anne Baun
    VonAnne Baun
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Santiano-Frontmann Björn Both (56) spricht im Interview mit unserer Zeitung über deutsches Schubladendenken und eine Hommage an Led Zeppelin. Oder Puff Daddy.

Fulda - Wann Santiano endlich wieder nach Fulda kommt, kann Frontmann Björn Both noch nicht genau sagen. Um die Wartezeit zu überbrücken, verrät er im Interview bereits einiges über den Nummer-eins-Einstieg des neuen Albums „Wenn die Kälte kommt“ .

Herr Both, Sie haben mit „Wenn die Kälte kommt“ einen unglaublich starken Verkaufsstart hingelegt. Wie betrunken war die Band nach dieser Nachricht?
Haha! Die Sauferei brauchen wir zum Glück nicht, um uns zu freuen. Aber natürlich feiern wir das. Mit weit weniger zufrieden zu sein, ist ja auch nicht Sinn der Sache. Wir haben ein tolles Album gemacht und wollen natürlich, dass alle es hören und gut finden. 
Zehn Jahre Bandgeschichte, sechs Alben, sechs Mal Nummer eins der Charts. Echt mal: Was soll da noch kommen?
Vielleicht ja zwölf Jahre Bandgeschichte, sieben Alben, sieben Mal Nummer eins der Charts? Und dann von mir aus so weiter. Die Welt bewegt sich, und wir werden immer Themen finden, aus denen wir die Kraft ziehen, weiter zu machen. Wind ist immer irgendwie und irgendwo.

Fulda: Santino-Frontmann Björn Both im Interview - „Werden Stimme erheben“

Es ist das erste Mal, dass Sie eine Art Konzeptalbum vorlegen. War das von Anfang an Ihr Plan, oder hat Ihnen Corona einfach mehr Zeit verschafft, um tiefer in die Geschichte einzutauchen? 
Vor allem haben wir festgestellt, dass wir die Geschichte, die wir erzählen wollten, nicht in einem Song unterkriegen. Nach und nach war klar, dass das Thema, um das es uns ging, sich entlang einer solchen Expedition entspinnen kann. Und das haben wir dann getan. Und wir sind mit dieser Entscheidung sehr glücklich. Auf der normalen CD stehen die Songs für sich. Sie bauen zwar aufeinander auf, funktionieren aber auch einzeln. Die Special Edition ist eine Art Hörspiel, in dem alle Titel in die Geschichte dieser Expedition eingebettet sind. Das macht es noch mal eine Spur kraftvoller, und man ist noch mehr drin – in der Musik und in den Worten.
Warum klingt der Anfang vom Opener wie „Come With Me“ von Puff Daddy?
Ich leg einen drauf und sage, der klingt am Anfang sogar leicht nach „Kashmir“ von unseren geliebten Led Zeppelin. Und Puff Daddy scheint die auch zu mögen. Wir sehen das als eine reine Hommage.

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Hand aufs Herz: Musste der letzte Song – „Ein Leben lang“ – wirklich sein?
Ja. Musste er. Wir sind uns immer noch darüber im klaren, dass viele unserer Fans, genauso wie wir, sich mit Abschied auseinander setzen müssen. Ob wir das nun wollen oder nicht. Aus der Sprachlosigkeit in solchen Situationen wieder ein klitzekleines Stück herauszufinden, ist sehr wertvoll. Wenn wir dabei helfen können, ist es uns eine Ehre. Genauso bin ich davon überzeugt, dass gerade in Titeln wie „Steh auf“ oder „Eure Zeit“ so unglaublich viel Kraft steckt, dass man sich in schweren Lebenssituationen wirklich daran aufrichten kann. Wir haben da so unglaublich viel Power reingesteckt, dass es für alle reicht. 
Sie sind bei MTV genauso zuhause wie bei Florian Silbereisen. Ist Schlager für Sie ein Schimpfwort, notwendiges Übel, oder gibt’s diese Genre-Grenzen für Sie einfach nicht?
Darüber sollen sich Leute streiten, die nichts Besseres vorhaben. Uns interessiert das  nicht. Im Gegenteil, die Diskussion ist lästig. Die gibt es übrigens, wie so manch andere überflüssige Diskussion, nur hier in Deutschland. Schubladen, Trennung und Abgrenzung sind eine gerne gepflegte deutsche Spezialität.
Lieber 3G- oder 2G-Regeln bei Konzerten?
Das werden wir den Veranstaltern überlassen. Die haben letztlich das Hausrecht. Ist eine schwierige Frage. Man könnte sicher 3G machen. Nur würde das bedeuten, dass wir akzeptieren, dass sich ein bestimmter Teil der Leute in meinen Augen durchmogelt. Und das kann ich als Bürger, der ich ja nun auch mal bin, nicht akzeptieren. Natürlich immer ausgenommen, diejenigen, die sich aus Gründen nicht impfen lassen können. 
Im Booklet bedanken Sie sich, dass die Kälte in den letzten Monaten nicht obsiegt hat und dass es für die Lösung unserer Probleme weder Trennung noch Spaltung braucht. Wie oft werden Sie eigentlich anonym im Internet von hirnlosen Trollen mit zu viel Freizeit beschimpft?
Echt? Wir werden beschimpft? Wir sind wahrscheinlich so dermaßen abgehoben und weltfremd unterwegs, dass wir da nichts von mitbekommen. Darüber hinaus sind wir durch und durch versaut von einem längst überholten humanistischem Gutmenschen-Weltbild, dass wir uns als ausgemachte Schlafschafe und Systemlinge, die wir ja nun mal sind, nur selten und ungern aus unserem linksgrünversifften Nest erheben. Das war jetzt ein Witz, aber das Bild entsteht ungefähr, wenn man die Trolle ernst nimmt. Wir lassen uns da nicht ablenken oder beirren und werden weiter unsere Stimme erheben, wenn wir das für richtig halten. Und wer aussteigt, wenn wir über Plastik im Meer oder den Klimawandel reden, hat uns leider nie verstanden. 
Wichtigste Frage: Wann kommen Sie endlich wieder nach Fulda? 
Keine Ahnung. Wann hättet Ihr denn Zeit? 
Für Sie doch immer. 
Wir werden da mal nachforschen und es rechtzeitig bekannt geben.

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