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Literaturpreis Fulda 2022: Schauspieler Edgar Selge für Romandebüt ausgezeichnet

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Edgar Selge wird für sein Romandebüt „Hast du uns endlich gefunden“ mit dem Literaturpreis Fulda 2022 ausgezeichnet.
Edgar Selge wird für sein Romandebüt „Hast du uns endlich gefunden“ mit dem Literaturpreis Fulda 2022 ausgezeichnet. © Rowohlt; Muriel Liebmann

Der Literaturpreis Fulda 2022 geht an Edgar Selge. Der renommierte Schauspieler, der in mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte, wurde für seinen Debütroman „Hast du uns endlich gefunden“ ausgezeichnet.

Fulda - Edgar Selge, der unter anderem als Kommissar Tauber in der BR-Serie „Polizeiruf 110“ bekannt wurde, hat im Oktober 2021 seinen ersten Roman „Hast du uns endlich gefunden“ (Rowohlt) veröffentlicht.

„Sein Erstlingswerk befand die unabhängige fünfköpfige Jury als das literarisch bedeutendste Romandebüt der Buchsaison Herbst 2021/Frühjahr 2022“, schreibt die Stadt Fulda in einer Pressemitteilung. Die Würdigung ist mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbunden. Die Verleihung ist in Planung und soll im späten Frühjahr stattfinden. (Lesen Sie auch: Literaturpreis der Stadt Fulda 2021: Laudatorin würdigt Autor Timon Karl Kaleyta)

Fulda: Schauspieler Edgar Selge gewinnt Literaturpreis 2022

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) informierte den in München lebenden Preisträger telefonisch. „Edgar Selge freut sich sehr, dass ihm die Jury den Literaturpreis Fulda 2022 zuerkannt hat und die Auszeichnung den literarischen Wert seines Buches würdigt, an dem der Autor fünf Jahre lang gearbeitet hat“, sagte Wingenfeld nach dem Telefonat.

Zum Preisträger schreibt die Stadt Fulda:

Edgar Selge ist einer der bedeutendsten Charakterdarsteller im deutschsprachigen Raum. 1948 geboren, wuchs er im ostwestfälischen Herford als Sohn eines Gefängnisdirektors auf. Zunächst studierte er klassisches Klavier in Wien sowie Philosophie und Germanistik in München und Dublin. Seine Schauspielausbildung schloss er 1975 an der Otto Falckenberg Schule in München ab.

Ab 1978 gehörte er bis 1991 zum festen Ensemble der Münchner Kammerspiele, an denen er auch in den Folgejahren weiterhin gastierte. Neben seiner Bühnenarbeit wirkte Edgar Selge in mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen mit und erhielt für seine schauspielerische Leistung bedeutende Auszeichnungen. Zusammen mit seiner Ehefrau, Schauspielerin Franziska Walser, hat er zwei Kinder.

In der Begründung der Jury heißt es: „Edgar Selges literarisches Debüt ist das scharf gestellte Porträt der deutschen Nachkriegszeit, gesehen mit den Augen eines Heranwachsenden. Erfahrungen familiärer Gewalt, Versuche, nationalsozialistische Prägung abzustreifen, und die Sehnsucht nach einem kultivierten Leben verbindet Edgar Selge in einem verblüffenden Tonfall mit der berührenden Erzählung von tragischen Verlusten.“

„Hast du uns endlich gefunden“ ist nach Ansicht der Jury ein Buch voller Erkenntnisse, „getragen von Lebenserfahrung und der Bereitschaft des gereiften Erzählers, sich mit den Traumata seines Aufwachsens zu versöhnen.“

Edgar Selge: „Hast du uns endlich gefunden“ - zwischen Gefängnismauer und Musik

 „Hast du uns endlich gefunden“ handelt nach Angaben der Stadt Fulda von einem Zwölfjährigen und seiner Geschichte zwischen Gefängnismauer und klassischer Musik. Der Roman erzählt von einer Kindheit um 1960. Im bürgerlichen Haushalt des jungen Protagonisten wird viel musiziert. Sein Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist noch nicht lange vorbei, und die Eltern des Jungen versuchen, durch Hingabe an klassische Musik und Literatur nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen.

Überall spürt der Junge Risse in jener geordneten Welt. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer, und immer öfter flüchtet er sich in die Welt der Fantasie. Dieser Junge, den der Autor als fernen Bruder seiner selbst betrachtet, erzählt den Leserinnen und Lesern sein Leben und entdeckt dabei den eigenen Blick auf die Welt. Wenn sich Edgar Selge als Erwachsener hin und wieder kommentierend selbst einschaltet, wird deutlich, dass die Schatten der Kriegsgeneration bis in die Gegenwart hineinreichen. Die Musik, ob Bach oder Beethoven, Marschmusik oder Gospel, durchzieht den Roman wie eine zweite Erzählung und begleitet den unbeirrbaren Drang nach Freiheit.

Literaturpreis Fulda: Edgar Selge setzt sich gegen 40 Autoren durch

Nach der Ausschreibung des Wettbewerbs im September 2021 hatten Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 40 Romane ins Rennen um den Debütpreis der Stadt Fulda geschickt. Nach der Lektüre trafen die Jury-Mitglieder eine erste Auswahl, die dann nochmals auf eine Shortlist mit sieben favorisierten Titeln verdichtet wurde. Aus dieser ermittelte die Jury in ihrer finalen Sitzung nach intensiver Diskussion den diesjährigen Preisträger.

Literaturpreis Fulda:

Der mit 10.000 Euro dotierte Literaturpreis Fulda wird seit 2019 jährlich für das beste Romandebüt der Saison vergeben. Erste Preisträgerin war 2019 Johanna Maxl mit ihrem Roman „Unser großes Album elektrischer Tage“. 2020 ging die Auszeichnung der Stadt Fulda zu gleichen Teilen an Nadine Schneider für „Drei Kilometer“ und an Olivia Wenzel für „1000 Serpentinen Angst“. 2021 wurde Timon Karl Kaleyta für „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ mit dem Literaturpreis Fulda gewürdigt.

Die Jury setzt sich aktuell zusammen aus dem Literaturkritiker Christoph Schröder, der Schriftstellerin Zsuzsa Bánk, der Essayistin und Literaturkritikerin Dr. Hanna Engelmeier, dem Schriftsteller Jan Brandt und dem Autor Timon Karl Kaleyta, der im vergangenen Jahr für seinen Debütroman „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ mit dem Literaturpreis Fulda ausgezeichnet worden war. Organisiert wurde der Wettbewerb im Auftrag der Stadt Fulda von Silke Hartmann von der Agentur „Kulturperle – Kommunikation und Kulturmanagement“. (lio)

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