In Fulda können Schafe nach zehn Jahren nun wieder geschlachtet werden.
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In Fulda können Schafe nach zehn Jahren nun wieder geschlachtet werden. (Symbolfoto)

Schlachthof mit neuer Anlage

Schafe schlachten in Fulda ist nach zehn Jahren wieder möglich - Interesse an regionalem Fleisch wächst

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Das Schaffleisch gewinnt an Beliebtheit: Seit Ende des vergangenen Jahres ist es am Schlachthof in Fulda wieder möglich, Schafe schlachten zu lassen. Generell scheint das Interesse an regionalen Fleischprodukten in der Region zu wachsen.

Fulda - Bis 2011 war die Schafschlachtung in Fulda noch möglich, dann machte ihr eine neue Tierschutzverordnung einen Strich durch die Rechnung. Sven Euen, Chef des Fuldaer Schlachthofes, sagt: „Es wurden andere Voraussetzungen für die Schlachtung von Schafen gefordert.“ Diese habe man nicht erfüllen können. Entsprechende Vorrichtungen seien im Schlachthof in Fulda nicht vorhanden gewesen. Und so ruhte das Geschäft mit den Schafen für einige Jahre. (Lesen Sie hier: Schweinehalter leiden unter den Schlachthof-Schließungen)

Doch dann – so Euen – mehrten sich die Wünsche etwa von Schafhaltervereinigungen, Schäfern und Schafzuchtverbänden, in Fulda erneut die Möglichkeit zur Schafschlachtung zu schaffen. Euen berichtet davon, dass es auch ein persönlicher Wunsch von ihm gewesen sei. „Wir leben in einer Region, in der das Schaf beheimatet ist“, sagt er und fügt hinzu: „Wir haben hier die Grünlandregion Rhön, da spielt das Schaf schon eine große Rolle.“

Fulda: Schafe schlachten nach zehn Jahren wieder möglich

Wie aus der Idee ein Plan wurde, erklärt der 55-Jährige: „Als wir, die Erzeugerschlachthof Kurhessen AG, den Schlachthof 2019 übernommen haben, habe ich gesagt, dass die Ermöglichung der Schafschlachtung eine unserer ersten Amtshandlungen sein wird.“ Außerdem habe man eine Nische füllen wollen. Die Schlachtanlage sei schließlich von Euen, der Betriebsleitung des Schlachthofes Fulda und einem ortsansässigen Metallbauer entwickelt und gebaut worden. Euen berichtet, die Entwicklung habe etwa ein halbes Jahr, der Bau bis hin zum Feinschliff etwa ein Dreivierteljahr gedauert.

Man habe Stallungen modifizieren müssen, um dem Tierschutz gerecht zu werden; die Schlachtvorrichtung an sich habe außerdem so konstruiert werden müssen, dass sie gesetzlichen Vorgaben entspreche: So dürfen von der Betäubung bis zur tatsächlichen Schlachtung nur maximal acht Sekunden vergehen. Ende 2020 sei die Anlage schließlich endgültig zugelassen worden. Der Schlachthof habe etwa 40.000 Euro in die Anlage investiert.

Bislang seien zwar erst zwei Testschlachtungen durchgeführt worden, doch es gebe bereits viele Nachfragen, wie der Schlachthof-Chef berichtet. Der 55-Jährige schätzt, dass die Anfragen vor allem zu Ostern hin ansteigen würden. „Es ist ein Saisongeschäft“, sagt Euen. Die Anfragen, die er bislang erhalten habe, kämen zum Großteil aus der Region – etwa von Selbstvermarktern, Lebensmitteleinzelhändlern sowie vom Schafhalterverband.

Interesse nach Fleisch von Schafen aus der Region Fulda wächst

Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, sieht in dem Angebot des Schlachthofes Fulda ein „positives Zeichen“. „Ich finde regionale Schlachtungen wichtig.“ Dadurch verkürzten sich die Lieferketten hier in der Region, was wünschenswert sei. Außerdem könne das Angebot des Schlachthofes eine Impulswirkung haben, in deren Folge sich mancher Landwirt in Richtung Schafhaltung aufstelle. Generell habe er das Gefühl, die Schafhaltung habe sich in den vergangenen Jahren vermehrt.

Video: Nach Corona-Ausbruch in Vilshofen soll Schlachthof Betrieb wieder aufnehmen

Die Nachfrage nach Schaffleisch steigt in der Region, doch wie sieht es mit anderen Fleischsorten – etwa Rind- und Schweinefleisch – aus? Hier verzeichnet der Schlachthof-Chef in den vergangenen Jahren eine leichte Steigerung der Nachfrage. „Die ist aber nicht so hoch wie erwartet“, betont er. Zu einer positiven Bilanz Ende des vergangenen Jahres habe die Corona-Pandemie beigetragen. Denn diese habe dazu geführt, dass die Zahlen insbesondere nach Weihnachten und zu Beginn des neuen Jahres nicht eingebrochen seien, obwohl der Bedarf der Gastronomie durch die Krise größtenteils weggefallen sei. „Der private Konsum steigt, die Leute kochen mehr zu Hause“, vermutet Euen. In den Vorjahren hingegen seien die Zahlen nach dem Jahreswechsel signifikant abgesunken – ein natürlicher Lauf, weiß der 55-Jährige. Die Menschen seien „satt“ und wollten ihren Fleischkonsum eher reduzieren.

Schramm nimmt die Situation ähnlich wie Euen wahr. „Gefühlt geht der Trend dahin, dass viele ihr Fleisch vom Direktvermarkter beziehen.“ Wünschenswert wäre, dass sich dieser Trend verstärke.

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