Der Schlossgarten in Fulda
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Der Schlossgarten in Fulda wird demnächst saniert und umgestaltet.

2,9 Millionen Euro

Wie einst im Spätbarock: Fuldaer Schlossgarten wird zwischen Orangerie und Stadtschloss saniert

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Zurück in die Vergangenheit: Der Fuldaer Schlossgarten soll im Bereich zwischen Orangerie und Stadtschloss saniert und so gestaltet werden, wie er einst im Spätbarock zu Beginn des 18. Jahrhunderts aussah. Die Kosten für die Arbeiten, die noch in diesem Jahr beginnen, belaufen sich auf rund 2,9 Millionen Euro.

Fulda - Bei der Maßnahme im Schlossgarten, durch den auch bis zum 12. November einige Sankt-Martins-Umzüge führen, geht es in erster Linie um die Sanierung der abgenutzten und stark beschädigten Wegedecke im Bereich des Parterres zwischen Orangerie und Stadtschloss. Die vor mehr als 30 Jahren angelegten Wege „entsprechen in keiner Weise dem Wert der Gartenanlage“, hatte kürzlich Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) öffentlich in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion erklärt.

Doch die Maßnahme ist mehr als nur eine Ausbesserung von Unebenheiten, in denen sich bei Regenwetter immer wieder Pfützen bilden: Die Stadt Fulda will die Arbeiten als Chance nutzen, um ein Versäumnis aus den Jahren vor der Landesgartenschau 1994 nachzuholen. Dazu muss man wissen, dass die grüne Oase im Fuldaer Barockviertel Anfang des 18. Jahrhunderts zwar zunächst als Barockgarten angelegt worden war, doch etwa ein Jahrhundert später – wie auch andere Gärten in ganz Europa – dem Trend folgend von einem Landschaftsgarten abgelöst wurde, der viel wilder und natürlicher war.

Fulda: Schlossgarten soll zwischen Orangerie und Stadtschloss saniert werden

Vor rund 30 Jahren entschied sich die Stadt für eine Kehrtwende: Im Zuge der Vorbereitungen für die große Gartenbau-Ausstellung in Fulda wurde das Parterre wieder barock wie in seinen Anfängen. Unter anderem entstanden in den 1990er Jahren das Wasserbassin in der Mitte des Parks, die Pavillons sowie die achsialen Verbindungswege zwischen den Gebäuden.

Allerdings wurden die Arbeiten damals offenbar weder originalgetreu noch denkmalfachlich korrekt, sondern eher beispielhaft ausgeführt. Das hat auch das nun beauftragte Bielefelder Landschaftsarchitekturbüro festgestellt, das für die Sanierung eine „gartendenkmalpflegerische Zielsetzung“ erarbeitet hat. Was seinerzeit versäumt wurde, soll nun nachgeholt werden. Das ist möglich, weil tatsächlich noch Aufmaßpläne vom ersten Barockgarten vorliegen. (Lesen Sie auch hier: Bauarbeiten am Schlossturm verzögern sich - Stadt nennt Gründe)

Beispielsweise sollen die Achsen zwischen Schloss, Neptunbrunnen und Floravase noch stärker betont werden: Neben Blühstreifen werden dazu in den Achsen zusätzlich Grenzstreifen mit Rasen angelegt. Dadurch werden die Wege etwas breiter, die quadratischen Rasenflächen hingegen etwas kleiner, erklärt der städtische Pressesprecher Johannes Heller. Auf der Terrasse vor dem Kaisersaal wird es künftig wohl noch ornamentaler und blumiger mit mehr Möglichkeiten für eine je nach Jahreszeit wechselnde Bepflanzung als bisher.

Ganz exakt so wie im 18. Jahrhundert wird der Barockgarten künftig allerdings trotzdem nicht aussehen: Denn die Bäume, die in der Zeit des Landschaftsgartens gepflanzt wurden, bleiben selbstverständlich erhalten. Somit bleiben zwei „Zeitschichten“ parallel bestehen, erklärt die Stadt.

Schlossgarten

Der Schlossgarten gliedert sich in eine Terrasse vor der Nordfront des Stadtschlosses, eine Terrasse vor der Orangerie, ein dazwischenliegendes Parterre sowie den ehemaligen Boskettgarten, der sich bis zur Kurfürstenstraße erstreckt.

Die grüne Oase geht auf Pläne des Mainzer Baudirektors Maximilian von Welsch aus den Jahren 1719 bis 1721 zurück. Für die Anlage ließ Fürstabt Constantin von Buttlar den alten Tiergarten, der sich an gleicher Stelle befand, einebnen. Der Waidesbach, der den Park durchfließt, wurde in einen unterirdischen Kanal gefasst. Die barocke Anlage wurde 1738 fertiggestellt und in kurhessischer Zeit ab 1821 in einen englischen Landschaftspark umgewandelt.

Aus Anlass der Landesgartenschau 1994 wurde der barocke Teil des Schlossgartens neu angelegt. (sam)

Lediglich Anfang dieses Jahres waren zwölf Bäume gefällt worden, deren Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben war und die anderen wertvollen Baumbestand gefährdet hatten. Die Maßnahmen wurden und werden weiterhin mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) und dem Naturschutzbeirat abgestimmt. Das Landesamt für Denkmalpflege ist ebenfalls in den Entwicklungsprozess eingebunden.

Während der bald beginnenden Arbeiten wird der hintere Teil des Schlossgartens uneingeschränkt nutzbar bleiben, dort ist erst längerfristig eine Sanierung der Wege geplant. Im Bereich des Parterres wird es eine Durchwegung geben, die mit einem Bauzaun gesichert wird. Aufenthaltsflächen werden „temporär nicht zur Verfügung stehen“. Die Arbeiten werden sich in mehreren Etappen bis ins Jahr 2022 erstrecken und sollen zur Landesgartenschau, die im April 2023 beginnt, fertiggestellt sein.

Barockgarten

Prächtige Alleen, Wasserflächen mit Springbrunnen und kunstvolle Skulpturen kennzeichnen den Barockgarten, der streng geometrisch angelegt ist. Er repräsentierte einst die Macht der Könige – oder, wie im Falle Fuldas, der Fürstäbte und Fürstbischöfe. Seinen Ursprung hat der Barockgarten, auch französischer Garten genannt, im 17. Jahrhundert; als Begründer gilt André le Nôtre, Gartenarchitekt am Hof von Versailles. Mit der Französischen Revolution endete die Blütezeit des herrschaftlichen Barockgartens. Man entdeckte einen neuen und weniger formellen Stil: den englischen Landschaftsgarten.

Die Kosten für Sanierung und Umgestaltung sind im städtischen Haushalt mit 2,85 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung und Neugestaltung wird voraussichtlich mit circa 1,6 Millionen Euro gefördert werden.

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