Vor dem neuen Automatisierungszentrum der Ferdinand-Braun-Schule in Fulda wird gerade das Pflaster verlegt.
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Vor dem neuen Automatisierungszentrum der Ferdinand-Braun-Schule in Fulda wird gerade das Pflaster verlegt.

Neue Bildungskonzepte

Cluster statt Klassen: Mit 60 Millionen Euro werden Schulen im Kreis Fulda saniert

Fast 60 Millionen Euro investieren Stadt und Landkreis Fulda allein in die vier größten Schulsanierungsprojekte. Im Zuge der Baumaßnahmen geht es dabei nicht nur um die Erneuerung der Gebäude, sondern auch um neue Bildungskonzepte und Digitalisierung. Ein Überblick.

Lichtbergschule Eiterfeld: Einmal ganz neu, heißt es für die Lichtbergschule in Eiterfeld. Denn sie wird für 30 Millionen Euro komplett abgerissen und neu gebaut. Angefangen haben die Baumaßnahmen im Juni 2020. Seitdem sind die Schüler übergangsweise in Containern untergebracht – ein Zustand, der noch eine Zeit lang anhalten wird.

„Die Bauarbeiten folgen unserem neuen Schulkonzept“, erklärt Rektorin Franziska Scheuerer. „Dieses fördert mehr Kommunikation und Gemeinschaft.“ Deshalb baue man nach dem sogenannten „Cluster-Prinzip“. Das heißt, eine bestimmte Anzahl von Klassen wird zu einem räumlichen Verbund zusammengefasst – in diesem Fall immer zwei Jahrgangsstufen. „So soll das offene Unterrichten ermöglicht werden“, erklärt Scheuerer.

Aktuell laufe der Bau der neuen Verwaltung, der bis Ende des kommenden Schuljahres bezogen werden soll. Christian Pießnack, Schulleiter der Lichtbergschule, ergänzt, dass im kommenden Jahr außerdem die Errichtung der neuen Unterrichtsgebäude beginne, welche man voraussichtlich gegen Ende des kommenden Schuljahres nutzen könne. „Sie werden mit digitalen Tafeln und flächendeckendem WLAN ausgestattet“, berichtet er. „Zusätzlich werden Differenzierungsräume für gemeinsame Arbeitsphasen angelegt.“ Davon profitierten auch Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, erklärt der Schulleiter.

Fulda: Cluster statt Klassen - Neue Bildungskonzepte an Schulen

Ferdinand-Braun-Schule in Fulda: Bereits im Oktober 2020 begann man an der Ferdinand-Braun-Schule in Fulda mit dem Rohbau des neuen Automatisierungszentrums. Außerdem werden die Werkstätten modernisiert. Laut Schulleiterin Ulrike Vogler sollen hier Produktionsprozesse schulisch abgebildet werden: „Wir fördern ein multiprofessionelles Zusammenarbeiten wie im betrieblichen Kontext. IT, Metall- und Elektrotechnik arbeiten Hand in Hand.“

Digitalisierung stehe dabei im Vordergrund: Unterricht und Lernen entwickelten sich weiter und die 40 Jahre alten Werkstätten seien längst nicht mehr zeitgemäß gewesen, erklärt Vogler.

Cluster

Der alte Klassenraum hat ausgedient. Durch eine Einteilung in sogenannte Raum-Cluster können klassenübergreifende Kooperationen gestärkt werden. Gruppenarbeiten, offener Unterricht, Differenzierung und überschaubare Einheiten sind so in einer Wohlfühlatmosphäre möglich. Cluster bedeutet eine Vergrößerung des Klassenraums, um damit den Unterricht variabler und interessanter gestalten zu können.

Die Stadt Fulda plante ursprünglich etwa 12 Millionen Euro für die gesamte Maßnahme ein. Die Kosten seien jedoch aufgrund von Asbestbeständen, steigender Materialpreise und technischen Anpassungen gestiegen. Abgeschlossen werde der Bau voraussichtlich bis zum Herbst. Die Nutzung sei nach den Herbstferien für das Schuljahr 2021/2022 geplant.

Rhönschule in Gersfeld: Auch an der Rhönschule Gersfeld wird gebaut. Aktuell wird aber nicht gearbeitet. Der Grund: Der Landkreis Fulda benötigt die Kapazitäten an anderer Stelle. Die Arbeiten werden laut Schulleiter Marco Schumacher daher frühestens in den Herbstferien fortgesetzt.

Der Ausbau sechs weiterer Klassen und eines Innenbereichs dauere voraussichtlich ein weiteres Vierteljahr, jedoch könnten die betroffenen Klassen problemlos in den Altbau ausgelagert werden. „Für die Jahrgänge werden Cluster angelegt“, erklärt Schumacher. Im Zuge der Digitalisierung habe man pro Jahrgang 25 Laptops angeschafft.

„Das Coronavirus kam uns beim Bau ehrlich gesagt entgegen – die Schule war leer und die Bauarbeiten konnten ungehindert stattfinden“, sagt Schumacher.

Ein Sorgenkind seien die naturwissenschaftlichen Räume. „Bisher sind noch keine Bauarbeiten geplant, die Räume müssen aber erneuert werden. Hier wurden kritische Materialien verbaut, die man sauber abbauen muss: Das wird teuer“, sagt er. An der Rhönschule Gersfeld investiert der Landkreis als Schulträger insgesamt 9 Millionen Euro.

Fulda: 60 Millionen Euro fließen in Sanierung der Schulen

Konrad-Adenauer-Schule in Petersberg: Eine Runderneuerung unter Beibehaltung des Schulbetriebs wird an der Konrad-Adenauer Schule in Petersberg umgesetzt. „Der erste Bauabschnitt ist bereits abgeschlossen“, berichtet Ralf Kleemann, Mitglied der Schulleitung. Nächster Schritt ist die Erneuerung von Verwaltung, Lehrerzimmer und Fachräumen. Dieser werde mindestens das kommende Schuljahr beanspruchen. „Unsere Schulgebäude stammen aus den 70er Jahren – Material und Raumkonzept sind veraltet“, bemerkt er.

Zur Erneuerung der Klassenräume gehören auch Maßnahmen der Digitalisierung: Neueste Technik, Präsentationsmedien und WLAN-Anschlüsse werden installiert, sagt Kleemann. Auch in Petersberg werde im Zuge des Umbaus ein neues pädagogisches Raumkonzept umgesetzt: „Wir bauen barrierefrei und unter dem Aspekt des Wohlfühlens“, erklärt Kleemann.

Gänge und Klassenräume sollen ansprechend gestaltet werden, um „einen Lebensraum statt eines reinen Lernraums“ zu schaffen. Vorgesehen seien dabei Ruhezonen, Aufenthaltsräume sowie Besprechungs- und Arbeitsnischen. „Wir wollen das selbstgesteuerte Lernen fördern. Hierfür werden zusätzlich Differenzierungsräume für selbstständiges Arbeiten und großzügigere Klassenräume eingerichtet“, erklärt Konrektor Kleemann. Die Maßnahmen werden etwa 8,5 Millionen Euro kosten. (Von Sophie Brosch)

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