Dieses Paar brütet in einem selbst angelegten Nest.
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Ein seltenes Bild: Dieses Paar brütet in einem selbst angelegten Nest. Die Schwarzstorch-Bruten im Kreis Fulda sind leicht rückläufig.

16 nachgewiesene Junge

Überall lauern Gefahren: Schwarzstorch-Bruten leicht rückläufig

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Während Jahr für Jahr mehr Weißstörche im Landkreis Fulda brüten und Junge auf die Welt bringen, stagnieren die Brutergebnisse beim Schwarzstorch.

Kreis Fulda - In diesem Jahr verzeichnen die Forstämter Hofbieber, Fulda und Burghaun nur noch sechs nachgewiesene Bruten mit 16 Jungen beim Schwarzstorch. Das sind ein Brutpaar und fünf Jungvögel weniger als im Vorjahr, als sieben Brutpaare erfolgreich waren. Es hätten in diesem Jahr mehr sein können, berichtet Bernd Mordziol-Stelzer vom Forstamt Hofbieber. Denn auf einem Nest wurde das Gelege vermutlich von Waschbären geräubert.

Es war keine Schutzmanschette angelegt, die das Erklettern des Baumes verhindert hätte. Der Grund: Es war ein von den Schwarzstörchen selbst gebautes Nest auf einer Douglasie. Und um die sehr scheuen Waldbewohner nicht beim Brüten zu stören, verzichtete man auf eine Schutzmanschette. Auf einem weiteren Horst hat der Forstmann, der sich seit vielen Jahren um die Schwarzstörche kümmert, schon Junge gesehen. Sie seien aber zwei Wochen später spurlos verschwunden gewesen.

Fulda: Schwarzstorch-Bruten leicht rückläufig - 16 Junge nachgewiesen

Aufgrund von Berichten vermutet Mordziol-Stelzer noch eine zusätzliche Brut im Bereich des Forstamtes. Sie sei allerdings nicht bestätigt. Auch unsere Zeitung hat von einem Landwirt gehört, dass er brütende Schwarzstörche gesehen habe. Nicht im Landkreis, aber im im Grenzgebiet zu Thüringen und Bayern haben zwei weitere Schwarzstörche gebrütet. Deren Horste befinden sich wenige Meter hinter der Kreisgrenze. (Lesen Sie hier: Immer mehr Weißstörche im Landkreis Fulda - trotz schlechter Bedingungen)

Sechs nachgewiesene Brutpaare brachten 16 Junge auf die Welt.

Zudem vermutet Mordziol-Stelzer Brutpaare im Truppenübungsplatzgebiet Haderwald. Aber dort sei es schwierig, Informationen zu erhalten. „Insgesamt ist die Population auf dem Stand der vergangenen Jahre“, resümiert Mordziol-Stelzer. Es habe schon bessere Jahre gegeben.

Da stimmt ihm Jörg Burkard von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz zu. Zu den besten Zeiten wurden zehn Brutpaare im Landkreis Fulda verzeichnet. Aber der Windkraftbau, zunehmende Störungen durch Radfahrer, Wanderer, aber auch durch Waldarbeiter hätten die sehr scheuen Schwarzstörche vertrieben. Wenn in der Brutzeit Störungen auftreten, geben sie sofort das Brüten auf und meiden diese Gebiete. So seien einige Traditionshorste nicht mehr besetzt.

Dazu kommt, dass der Vogel zum Überwintern viele Tausend Kilometer bis nach Afrika fliegt. Der weite Flug berge viele Gefahren, weil der Schwarzstorch immer noch in vielen Ländern gejagt wird, sagt Burkard. Die Weißstörche bleiben dagegen teilweise in Deutschland, überwintern in der Regel in Frankreich oder Spanien.

Um zu verfolgen, wie die Schwarzstörche sich verhalten, welche Routen sie fliegen, und wo Gefahren lauern, sind elf Junge in diesem Jahr von der HGON beringt und auch besendert worden, berichtet Burkard, der dies organisiert hat. Deshalb weiß er, dass einige der Jungstörche schon den Landkreis verlassen haben. Beispielsweise sind sie aktuell bei Karlsruhe, andere in Nordostfrankreich angekommen. (Lesen Sie auch: Wegen Aueweiher-Sanierung in Fulda: Naturschützer sorgen sich um Brutvögel)

Steckbrief

Der Schwarzstorch ist einer der geheimnisvollsten Vögel in unserer Region. Er hält sich vorwiegend in Wäldern und in der Nähe von Flussläufen und Teichen auf. Deshalb bekommen den eleganten Flieger nur wenige Menschen zu Gesicht. Da er als Fischjäger gilt, wurde er früher bejagt und war viele Jahrzehnte ausgerottet. 1903 wurde der letzte Schwarzstorch in Osthessen gesichtet. Erst knapp 100 Jahre später kehrte er wieder zurück, zunächst in die Nähe der innerdeutschen Grenze ins Ulstertal und von dort in den Landkreis. In Deutschland gibt es etwa 500 und in Hessen 50 Brutpaare.

Die Forstämter und das Biosphärenreservat Rhön unternehmen einige Anstrengungen, um die Schwarzstörche zum Brüten in unserer Region zu locken. Sie bauen nicht nur Teiche, sondern auch Plattformen auf Bäumen, auf denen sie brüten können. Denn für die Schwarzstörche sei der Bau eines Nestes nicht einfach. Denn es gebe zu wenige Bäume, die sich dazu eignen. Sie müssen stark genug sein und müssten auch gut anzufliegen sein. Zwei Plattformen sind in diesem Jahr neu gebaut worden. Dazu sind eigens Kletterer aus Niedersachsen in der Rhön gewesen.

Video: Legenden-Check: Warum bringt der Storch Babys?

Mut für das kommende Jahr machen Mordziol-Stelzer die recht vielen „Junggesellen“, also die noch nicht geschlechtsreifen Schwarzstörche, die er im Frühjahr im Bereich des Forstamtes Hofbieber gesehen hat.

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