Fulda ist Hessens Seniorenparadies und punktet mit einem gut ausgebauten Gesundheitswesen.
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Fulda ist Hessens Seniorenparadies und punktet mit einem gut ausgebauten Gesundheitswesen.

Platz 19 in Deutschland

Fulda ist Hessens Seniorenparadies – kurioser Grund, warum die Barockstadt nicht noch besser abschneidet

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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In keiner hessischen Mittelstadt sind die Lebensbedingungen für Senioren so günstig wie in Fulda. Das ist das Ergebnis eines Rankings der Zeitschrift „Kommunal“, die vom Deutschen Städte- und Gemeindebund mit herausgegeben wird.

Fulda - Für das Ranking waren 585 deutsche Städte zwischen 20.000 und 75.000 Einwohner untersucht worden. Das Ergebnis: Fulda kommt auf Platz 19 in Deutschland und Platz 1 in Hessen - und ist damit so etwas wie das Seniorenparadies des Bundeslandes. Bundesweit liegt die fränkische Kurstadt Bad Kissingen auf Platz 1, gefolgt von Günzburg (Schwaben) und Bad Neuenahr (Rheinland-Pfalz).

Basis des Rankings war eine Reihe statistischer Daten. Fulda punktete vor allem mit hoher sozialer Sicherheit (gemessen an niedriger Kriminalität und geringer Arbeitslosigkeit), einem gut ausgebauten Gesundheitswesen, gemessen an vielen Beschäftigten im Gesundheitswesen, und relativ günstigen Mieten.

Ranking unter Deutschlands Mittelstädten: Fulda ist Hessens Seniorenparadies

Auch für ein gutes Freizeitangebot gab es Pluspunkte. „Wo viele Geschäfte, wo viele Cafés und Restaurants sind, haben Senioren bessere Möglichkeiten zum sozialen Austausch. Soziale Bindungen haben maßgeblichen Einfluss darauf, wie zufrieden Menschen sind.

Die Anzahl der Beschäftigten in den Bereichen Gastronomie und Einzelhandel sind deshalb ein Indikator für eine Vielfalt der Angebote vor Ort“, heißt es in der Studie. Für eine dynamische Stadtentwicklung spreche das überdurchschnittliche Bevölkerungswachstum. (Lesen Sie hier: Handel in Hessen fordert verkaufsoffene Adventssonntage).

Kurios: Fulda hätte noch besser abgeschnitten, wenn der Seniorenanteil in der Bevölkerung noch höher gewesen wäre. Die Bevölkerung ist aber relativ jung – jedenfalls jünger als der Schnitt der anderen hessischen Mittelstädte. Die Autoren der Studie erläutern:

„Ein Hinweis darauf, dass eine Stadt seniorenfreundlich ist, ist der Anteil der älteren Menschen in einer Stadt. Leben viele Rentner in einer Stadt, so ist davon auszugehen, dass sich eine Stadt gut auf die Bedürfnisse der älteren Menschen eingestellt hat.“

Fulda hat zwar relativ wenig Rentner – dennoch schneidet die Stadt in der Auswertung sehr gut ab, und sie hat sich nach der Überzeugung von Seniorenvertretern gut auf älteren Menschen eingestellt.

Fulda: Relativ wenig Renter, dennoch gut auf ältere Menschen eingestellt

Dass Fulda seniorenfreundlich ist, das sagen auch die Vertreter von Verbänden, die im Seniorenforum der Stadt präsent sind. Das Forum tritt in normalen Jahren zweimal zusammen – in diesem Jahr war das indes noch gar nicht der Fall. Einen Vorsitzenden hat das Gremium nicht.

Seniorenfreundliches Fulda? Das stimmt hundertprozentig“, sagt Theo Lomb, Sprecher der Seniorengemeinschaft Kämmerzell. „Man fühlt sich als Senior in der Stadt willkommen. Und weil Fulda auch überschaubar ist, trifft man eigentlich immer jemanden, den man kennt.“

„Es wird viel gemacht für ältere Menschen“, lobt Klaudia Reinhardt, Vertreterin des Rhönklubs im Seniorenforum. „In der Stadt werden Führungen, Fahrten, Veranstaltungen, Spaziergänge für Senioren angeboten – kein älterer Mensch muss allein bleiben“, lobt Reinhardt.

Klaudia Reinhardt (Rhönklub): „Kein älterer Mensch muss allein bleiben“

Es gebe allerdings Verbesserungspotenzial. „Das Pflaster in der Stadt ist alles andere als ein Seniorenparadies. Es gibt Ecken in der Unterstadt, die sind eine Katastrophe, wenn man mit dem Rollator oder dem Rollstuhl darüber fährt.“

„Die Pflasterung in manchen Bereichen ist wirklich unpraktisch. Ich bin selbst schon gestürzt“, sagt auch Karl-Josef Hahner, Kreisvorsitzender der CDU-Senioren-Union.

Generell sei die Stadt aber sehr aufgeschlossen für die Anliegen der älteren Menschen. Das zeige sich auch im Seniorenforum. „Das ist eine gute Plattform, auf dem sich die Vertreter der älteren Generation in den Vereinen und Verbänden austauschen können.“

Vielleicht solle die Stadt aber auch überlegen, einen Seniorenbeirat mit klaren Beteiligungsrechten zu bilden. Zu Seniorenfreundlichkeit gehöre, dass viele Vereine und Verbände älteren Menschen interessante Möglichkeiten zum Engagement böten.

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