Ein damals 21-Jähriger ist im September vor zwei Jahren in der Dampfsauna im Stadtbad Esperanto in Fulda Opfer sexueller Nötigung geworden.
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Ein damals 21-Jähriger ist im September vor zwei Jahren in der Dampfsauna im Stadtbad Esperanto in Fulda Opfer sexueller Nötigung geworden.

57-Jähriger in Fulda verurteilt

Sexuelle Nötigung im Saunabereich - Richter schließt eine „Lügengeschichte“ des Opfers aus

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Weil er sich vor knapp zwei Jahren in einer Dampfsauna im Wellnessbereich des Esperanto in Fulda selbst befriedigt hatte und danach einen anderen Mann sexuell genötigt hat, ist ein 57-jähriger Fuldaer zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Fulda - Es sei ein komischer, ein ungewöhnlicher Fall, sagte Verteidiger Knut Hillenbrand zum Abschluss der Verhandlung im Amtsgericht Fulda. Damit hatte Hillenbrand nicht Unrecht – was sich auch daran zeigte, dass alle Beteiligten die Tat unterschiedlich beurteilten.

Oberstaatsanwalt Stephan Müller-Odenwald sah es als erwiesen an, dass sich der Angeklagte in der Dampfsauna selbst befriedigt und danach „plötzlich und ohne Worte“, das Glied eines 21-Jährigen ergriffen, an den Mund geführt und mit Mund und Zunge berührt habe. Allerdings räumte Müller-Odenwald ein, dass es keine objektiven Beweismittel für die Tat gebe: Das Opfer habe sich nach dem Vorfall gründlich gewaschen, DNA-Spuren hätten daher nicht mehr festgestellt werden können. Da sich in dem Dampfbad auch nur die beiden Personen befunden haben, stehe nun Aussage gegen Aussage.

Prozess um sexuelle Nötigung in Fuldaer Saunabereich: Staatsanwalt und Richter glauben dem Opfer

Ausgedacht habe sich der Geschädigte die Tat aber nicht, zeigte sich der Staatsanwalt sicher. Denn der 23-Jährige habe bei der damaligen polizeilichen Vernehmung den kompletten und komplexen Ablauf geschildert – mit seinen Gefühlen und Reaktionen sowie Randdetails. Seine Schilderungen seien auch typisch für ein Opfer von Sexualdelikten: Der 23-Jährige habe von seinem Ekel berichtet, aber auch von seinem Schock und der Starre, in der er sich befunden habe.

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Der Angeklagte habe den Überraschungsmoment ausgenutzt, verdeutlichte der Staatsanwalt. Noch heute leide das Opfer psychisch an den Folgen der Tat. Es gebe aber einiges, das für den Beschuldigten spreche: „Ich würde diese Tat nicht als Ausrutscher bezeichnen, aber sie war eine absolute Einmaligkeit.“ Zudem habe das Opfer die sexuelle Handlung „relativ schnell abstellen“ können, indem er den Kopf des Täters weggedrückt habe. Eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen à zehn Euro sei angemessen.

Nach Sauna-Vorfall in Fulda: Verteidiger fordert Freispruch - sein Mandant habe kein Motiv

Anders sah das Verteidiger Knut Hillebrand. Er forderte einen Freispruch: „Ich gehe davon aus, dass die Tat nicht passiert ist.“ Der Geschädigte habe viel Widersprüchliches geschildert. Auch gebe es kein Motiv: Sein Mandant lebe seit sechs Jahren in einer glücklichen Beziehung. „Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass Sexualtäter eher abgelegene Plätze aufsuchen. Hier soll aber die Tat in einer belebten Saunalandschaft stattgefunden haben.“

Amtsrichter Ulrich Jahn bewertete den Fall nicht nur anders als der Verteidiger, sondern auch als der Staatsanwalt. Er verurteilte den 57-Jährigen wegen exhibitionistischer Handlung und sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe. Die Fülle an Details, die der Geschädigte wiedergegeben habe, aber auch dass der 23-Jährige noch heute psychisch leide, würden gegen eine „Lügengeschichte“ sprechen. Der Beschuldigte habe den „Überraschungsmoment“ ausgenutzt, um sich dem jungen Mann in der Sauna zu nähern.

Urteil im Fuldaer Sauna-Prozess: Acht Monate Bewährung für 57-jährigen Täter

Vor den Plädoyers waren noch Zeugen gehört worden, darunter Polizeibeamte, die von der Fahndung nach dem Beschuldigten berichteten. Dieser hatte nach der Tat das Esperanto unerkannt verlassen, war aber von einer Kamera aufgezeichnet worden. Im März 2019 wurde das Bild an die Medien herausgegeben; die Fahndung hatte Erfolg: Die Polizei traf den 57-Jährigen in einer anderen Wellness-Einrichtung in Fulda an.

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