Vor dem Smart Markt in der Karlstraße herrscht um Mitternacht reger Betrieb.
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Vor dem Smart Markt in der Karlstraße herrscht um Mitternacht reger Betrieb. Für viele junge Menschen ist der Späti der perfekte Ort, um sich spätabends Getränke-Nachschub zu holen.

Serie zum Nachtleben

Ein „Späti“ in Fulda: Warum der Smart Markt von den geschlossenen Clubs profitiert

  • Anja Hildmann
    VonAnja Hildmann
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Fulda hat einen „Späti“: Bereits im Dezember 2019 ist der Smart Markt in der Karlstraße eröffnet worden. Die Inhaberin erklärt im neuen Teil unserer Serie zum Fuldaer Nachtleben, warum der Laden in diesem Sommer von den geschlossenen Clubs profitiert.

Fulda - Der Smart Markt in der Karlstraße hatte einen schweren Start. Bereits zwei Monate nach der Eröffnung im Dezember 2019 musste der Laden, der neben einem Geldtransfer-Service und Handyzubehör auch Lebensmittel und Getränke anbietet, wieder schließen. Schuld war das Coronavirus, welches das Treiben in der Innenstadt erst einmal lahmlegte.

Bestand das Nachtleben vor Corona noch aus prall gefüllten Bars und Nachtclubs, weichen zurzeit die meisten auf Partys in Selbstregie aus. Die Lust aufs Feiern bleibt - auch in Pandemie-Zeiten. Doch wo soll es hingehen? Die einen treffen sich im Garten oder auf der Terrasse, die anderen - vor allem junge Menschen - ziehen durch die Stadt.

Nachtleben in Fulda: Smart Markt profitiert von geschlossenen Clubs

Das bedeutet in der Regel: Getränke im Supermarkt kaufen, Freunde zusammentrommeln und ab in die Innenstadt. Dort dann Wurzeln auf öffentlichen Plätzen schlagen oder durch die Straßen ziehen. Dabei hat sich in diesem Sommer ein Lieblings-Ort herauskristallisiert: der Domplatz. Vor dem Fuldaer Dom haben sich an den Wochenenden zuletzt oft mehrere Hundert Personen versammelt - mit Musik und Getränken.

Und wenn der Getränkevorrat um Mitternacht schon aufgebraucht ist, aber die Feierlaune auf dem Höhepunkt? Supermärkte haben schon zu, Tankstellen sind zu weit weg. Was jetzt am späten Freitag- und Samstagabend offen hat: der Smart Markt in der Karlstraße - quasi ein „Späti“ mitten in Fulda.

So sieht der Smart Markt in Fulda bei Tageslicht aus. Einen Ansturm, wie um Mitternacht, gibt es nicht.

In einem „Späti“ - oder auch Spätkauf - werden üblicherweise Getränke und Tabakwaren verkauft, wie der Name schon sagt bis in die späte Nacht hinein. Vor allem in Berlin ist das Konzept etabliert und ein wichtiger Bestandteil der Berliner Kiezkultur. Doch auch in anderen Großstädten finden sich häufig Verkaufsstellen, die sich auf die Versorgung der Nachteulen spezialisiert haben.

Dass das Konzept auch in Fulda fruchtet, zeigt sich an den spätabendlichen Szenen in der Karlstraße. Um Mitternacht stehen die Menschen vor dem Smart Markt Schlange. Nicht etwa ungeduldig und in Eile, sondern redend und lachend in kleineren Grüppchen. Nach dem nächtlichen Shopping-Trip verweilen manche Gruppen vor dem kleinen Laden und trinken ihr eben gekauftes Bier.

Die Serie

In einer neuen Serie berichtet die Fuldaer Zeitung in loser Folge über verschiedene Aspekte des Nachtlebens in Fulda - und wie es in Zeiten von Corona stattfindet. Der dritte Teil dreht sich um den Smart Markt, als Spätversorger für Feiernde zwischen Buttermarkt und Bermuda-Dreieck. Ebenfalls in der Serie ist folgender Artikel erschienen: S-Club in Fulda wird im September zur Bar - Übergangslösung für Corona-Durststrecke und Club-Betreiber in Fulda reagieren mit Kritik auf neue Corona-Regeln - „Öffnung ist undurchführbar“

„Der Standort war uns sehr wichtig“, sagt Inhaberin Diddotharan Puthaneeswary, die den Laden zusammen mit ihrem Ehemann betreibt. Denn das Konzept funktioniere nur bei Innenstadtnähe. Mitten auf dem Verbindungsweg zwischen Bermuda-Dreieck und Buttermarkt sei die Lage perfekt, um die Feiernden abends zu versorgen. Denn in ihrem Sortiment haben sie neben Snacks wie Chips, Schokoriegel und Co eben auch alkoholische Getränke - zu einem höheren Preis als im Supermarkt.

Doch die höheren Preise nehmen die Menschen gerne in Kauf. „Wir haben mittlerweile auch schon Stammkunden“, berichtet die Inhaberin. „Freitag ab 22 Uhr kaufen hier vor allem junge Leute ein. Die Nachfrage ist derzeit groß.“

Der Laden würde davon profitieren, dass viele junge Menschen draußen feiern. Ein Problem gebe es dennoch: „Derzeit haben wir freitags bis 2 Uhr, aber samstags nur bis 24 Uhr geöffnet, weil wir am Sonntag nicht geöffnet haben dürfen“, erklärt Puthaneeswary. Ziel sei nun, eine entsprechende Genehmigung von der Stadt zu erhalten. Doch die Chancen stehen schlecht.

„Beim Smart Markt in der Karlstraße handelt es sich um eine Verkaufsstelle - also ein Ladengeschäft -, das heißt es werden von einer festen Stelle aus ständig Waren zum Verkauf angeboten. Verkaufsstellen dürfen an Werktagen für den geschäftlichen Verkehr mit Kundinnen und Kunden von 0 bis 24 Uhr geöffnet sein. An Sonn- und Feiertagen müssen sie gemäß dem Hessischen Ladenöffnungsgesetz geschlossen sein“, erklärt Monika Kowoll-Ferger, Pressesprecherin der Stadt Fulda.

Ausnahmeregelungen würde es für Kioske geben. „Diese können allerdings nicht betreten werden und haben auch kein Gesamtsortiment zur Auswahl für Kundinnen und Kunden“, führt Kowoll-Ferger weiter aus. Daher sei die Ausnahmeregelung nicht auf den Smart Markt anwendbar.

Video: Einkaufen, Restaurants, private Treffen: Das bedeuten die neuen Corona-Regeln

Auch wenn der Smart Markt am Samstag um Mitternacht schließen muss - die Partys auf der Straße gehen weiter. „Wenn die Kneipen zu machen, feiern die Menschen hier trotzdem weiter“, berichtet Mathias Gerhard. Der Inhaber des Ausrüstungsladens „Auf und davon“ ist der Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Herz der Altstadt“, eine Vereinigung der Händler der Karlstraße.

„Wir Händler haben hier tagsüber keine Probleme durch die Feiernden. Die Anwohner sind da schon eher betroffen“, sagt Gerhard. Hier gibt es durchaus Klagen. Vermehrter Müll allerdings sei ihm nicht aufgefallen, sagt Gerhard. „Die Kneipen machen einen guten Job. Morgens ist hier alles tipptopp“, so der Vorsitzende.

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