Barbara Weiler
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SPD-Politikerin

27 Jahre in Europa-Parlament und Bundestag - Barbara Weiler wird 75

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Sieben Jahre im Bundestag, 20 Jahre im Europa-Parlament – eine solch lange Zeit, verteilt auf zwei Parlamente, das schaffen nur ganz wenige Abgeordnete. Barbara Weiler gelang das. Heute wird die SPD-Politikerin 75 Jahre alt. 

Fulda - In Windeseile hatte Barbara Weiler Anhänger im SPD-Unterbezirk Fulda gesammelt: Schon im Januar 1986 wurde sie Bundestagskandidatin. Erst im April 1985 war die Rheinländerin SPD-Geschäftsführerin im Kreis Fulda geworden. „Da konnte ich mein Hobby zum Beruf machen“, erzählt sie.

Nach einem Sprachstudium in Großbritannien hatte sie in einem Unternehmen in Düsseldorf als Prokuristin gearbeitet, sich aber zugleich in ihrer Heimatstadt Willich am Niederrhein in der SPD engagiert. „Die Persönlichkeit von Willy Brandt hat mich 1970 zum Parteieintritt motiviert.“

Die SPD in Fulda suchte einen Geschäftsführer, der nicht nur organisiert, sondern sich auch inhaltlich einbringt. Das konnte Weiler. Gegen 14 Mitbewerber setzte sie sich durch. „Dann hielt ich für die SPD Vorträge etwa in Hosenfeld und in Poppenhausen. Da war vorher nie ein Sozialdemokrat gewesen.“ Ihr Engagement sprach sich herum. Mit Rückenwind des Fuldaer Stadtverbands, der Frauen, der Arbeitnehmer und der Jusos wurde sie nominiert.

Fulda: SPD-Politikerin Barbara Weiler wird 75

Die Hessen-SPD setzte sie auf Platz 6 der Landesliste. Im Januar 1987 wurde Weiler Bundestagsabgeordnete. Nach der Wiedervereinigung gelang es ihr, ein besonderes Anrecht von Frauen auf Weiterbildung in das Arbeitsförderungsgesetz zu bekommen. Auch dass erstmals Frauen im Bundestagsfahrdienst eingestellt wurden, schreibt sich Weiler auf die Fahnen. „Vor allem habe ich mich um unzählige Bürgeranliegen gekümmert. Ein Anruf von mir setzte bei vielen Behörden einiges in Bewegung.“

Vor der Europawahl 1994 suchte die SPD einen Kandidaten für das Europäische Parlament. Karl-Heinrich Mihr, der Nordhessen bis dahin in Straßburg vertreten hatte (und parallel VW-Konzernbetriebsrat war), zog sich zurück. „Europa hatte mich immer gereizt. Ich bin nah der holländischen Grenze aufgewachsen, in England hatte ich nach der Schule eineinhalb Jahre als Au-Pair verbracht“, erzählt sie. Und es reizte sie auch, berichtet sie, etwas Neues anzupacken.

In den ersten zehn Jahren im Europa-Parlament war sie für Sozialpolitik zuständig, in den zweiten zehn Jahren waren Binnenmarkt und Verbraucherschutz ihr Hauptgebiet. Europaweit Schlagzeilen machte sie 2010 mit der Initiative gegen den Hang mancher Behörden, Handwerkerrechnungen spät zu bezahlen („Late Payment Directive“). Diese EU-Verordnung hatte sie als Berichterstatterin für das Europäische Parlament mit den Regierungen ausgehandelt.

27 Jahre lang war Barbara Weiler Abgeordnete

„Insgesamt ist die Europapolitik aber weit weg vom Bürger. Das ist manchmal frustrierend“, räumt sie ein. 2009 wollte sie eigentlich schon aufhören, ließ sich aber von der nordhessischen SPD überzeugen, bis 2014 weiterzumachen. Die Mitarbeit im Sonderausschuss „Crime“ gegen Korruption und Geldwäsche war dann noch einmal ein politischer Höhepunkt für sie. „Ein Ergebnis unserer Arbeit war die Schaffung einer europäischen Staatsanwaltschaft.“ (Lesen Sie hier: „Ich mag Macher“ - Birgit Kömpel (SPD) hofft auf Wiedereinzug in den Bundestag)

Ihre Bilanz nach 27 Jahren in Parlamenten? „Ich habe Vieles bewegt. Aber Politik ist immer ein Gemeinschaftswerk. In Europa hat ein Abgeordneter noch mehr Freiheiten und Möglichkeiten, weil es keine feste Regierungsmehrheit gibt. Die Mehrheit muss man sich suchen.“ Allerdings: Belastend seien die häufigen Reisen zwischen Fulda, Straßburg und Brüssel schon gewesen.

Im Ruhestand hält sie Vorträge – auch für den Verband ehemaliger EP-Abgeordneter. Ihren Geburtstag wird Barbara Weiler an der Ostsee verbringen – mit ihrer Tochter Regina (53) und deren Partner sowie ihrem Bruder und ihrem Cousin, die mit ihren Familien mitfeiern werden.

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