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Pionier bei sauberen Antrieben: Zufall setzt auf Elektro und Wasserstoff

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Von: Volker Nies

Die Belastung des Klimas bei Transporten reduzieren – das ist ein wichtiges Ziel der Spedition Zufall in Fulda. Sie gehört in ihrer Branche zu den Pionieren in der Erprobung von Elektro- und Wasserstoffantrieben, erwartet aber keine schnellen Ergebnisse. 

Fulda - Gemeinsam mit der Hochschule Fulda hat Zufall einen E-Lkw mehrere Wochen lang im Nahverkehr getestet. Im Bereich Wasserstoff arbeitet das Unternehmen in dem osthessischen Projekt „Hy-Wheels“ (deutsch: Wasserstoff-Räder) mit. Hier stehen erste Tests noch aus. Zufall-Niederlassungsleiter Michael Hamperl (59) ist sicher aber sicher: „Auf absehbare Zeit werden wir auf Diesel-Lkw nicht verzichten können.“

Fulda: Spedition Zufall setzt auf Elektro- und Wasserstoffantriebe

Zufall will dennoch in naher Zukunft einen Elektro-Lkw kaufen – einen von 100 Lastwagen, die im Nahbereich im Einsatz sind. Weitere 300 Lkw sind im Fernverkehr für das Unternehmen unterwegs.

„Der Umweltschutz ist uns wichtig. Aber damit ein Fahrzeug wirtschaftlich eingesetzt werden kann, muss es viel unterwegs sein“, erklärt Hamperl. „Ergebnis unserer Tests hier in der Region ist: Elektro-Lkws brauchen viel Zeit zum Laden der Batterien, und sie können nur relativ geringe Lasten transportieren, da die Batterien schwer sind. Wir sehen Elektrofahrzeuge als Ergänzung, nicht als Ersatz zu unserer Diesel-Flotte.“

Etwas anders ist das beim Wasserstoff-Antrieb. Das verflüssigte Gas könnte wie Benzin getankt werden. „Darin sehen wir eher die Zukunft – sofern genug Wasserstoff und die Tankstellen dafür vorhanden sind. Sobald der Wasserstoff-Antrieb praktisch nutzbar ist, sind wir dabei.“

An der Autobahnausfahrt Hünfeld/Schlitz soll eine Wasserstoff-Tankstelle entstehen. Erzeugt werden soll der Wasserstoff durch einen nahen Windpark. „Der Night Star im Gewerbegebiet an der A7, der zu unserer Gruppe gehört, könnte eine der ersten Speditionen sein, die ihre Flotte teilweise auf Fahrzeuge mit Brennstoffzellen umstellt und vor der Haustür mit Wasserstoff betankt“, sagt Hamperl.

Zufall-Niederlassungsleiter Michael Hamperl (links) und sein ehemaliger Azubi Maximilian Drüschler.
Maximilian Drüschler (rechts) wurde 2021 vom Verband deutscher Spediteure als bester deutscher Azubi ausgezeichnet. © Volker Nies

Klimaschonender sollen auch die Firmengebäude arbeiten: Alle Standorte sind bereits auf stromsparende LED-Beleuchtung umgestellt; eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach soll fünf Prozent des Stromverbrauchs abdecken.

Spedition Zufall: Umsatz trotz Fachkräftemangel leicht angestiegen

Insgesamt läuft das Geschäft von Zufall gut. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz leicht an, berichtet Hamperl. In der Niederlassung Fulda erwirtschafteten 1000 Mitarbeiter einen Umsatz von 149,6 Millionen Euro (netto, ohne Umsatzsteuer). 1,179 Millionen Sendungen wurden befördert. Der Anteil der Transporte ins europäische Ausland wächst.

Ein drängendes Problem ist allerdings der Mangel an Fahrern. „Viele Fahrer sind in andere Branchen abgewandert. Die Lage in unserer Branche ist fast so schwierig wie in der Gastronomie.“

Zufall ist nicht von einer Branche abhängig, weil die gesamte Breite der Unternehmen zu seinen Kunden gehört. „Wir merken allerdings, dass die Menge der transportierten Güter jetzt insgesamt zurückgeht. Für uns ist das ein Zeichen dafür, dass sich die Konjunktur insgesamt eintrübt.“ (Lesen Sie auch: Eichenzeller Speditions-Netzwerk CargoLine baut neu - aber nicht im Kreis Fulda)

Ein wichtiges Standbein für Zufall ist die „Kontraktlogistik“. Das bedeutet: Zufall lagert für Unternehmen große Mengen an Ware ein und verschickt die Produkte in dessen Auftrag nach und nach an Firmen oder Endverbraucher. Ein Fünftel des Jahresumsatzes erwirtschaftet Zufall mit dieser Dienstleistung.

Fulda: Spedition Zufall will Elektro-Lkw anschaffen

In dem zuletzt gebauten Lager in Flieden gab es eine Änderung. Gebaut wurde es für die Reifenlogistik. Der Auftraggeber, ein Reifenexporteur aus Korea, nutzt jetzt aber ein Lager in Magdeburg. „Das Lager in Flieden ist dennoch ausgelastet“, berichtet Hamperl. Aus Flieden verschickt werden nun Kaffeemaschinen, Lampen und Spielzeug.

„Die Ausbildung und Duale Studium bleiben weiter unverzichtbare Bausteine, um unseren Fachkräftebedarf zu decken“, sagt Hamperl. Mehr über das duale Studium und die Ausbildung bei der Firma Zufall lesen Sie in der Print-Ausgabe von Freitag (26. August) oder im E-Paper.

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