Die Spritpreise steigen weiter an
+
Die Spritpreise steigen weiter an. Das hat auch Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. (Symbolbild)

Lieferengpässe

Wirtschaft ächzt unter hohen Spritpreisen: So ist die Situation in Osthessen

  • Daniel Krenzer
    VonDaniel Krenzer
    schließen

Die hohen Spritpreise belasten nicht nur den privaten Geldbeutel, sondern zunehmend auch die regionale Wirtschaft. Wie sehen Akteure in Fulda und im Main-Kinzig-Kreis die Situation? 

Fulda - „In der Region Fulda sind viele Dienstleister und Pendler auf Fahrzeuge angewiesen, selbst wenn der Öffentliche Personennahverkehr über Bus und Bahn ausgereifte Angebote bereitstellt“, stellt Martin Räth von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda fest. Vor allem Branchen wie mobile Pflegedienste, Taxis, Transporteure, Omnibusbetriebe oder das Baugewerbe, aber auch Handelsvertreter würden unter den aktuell hohen Spritpreisen leiden.

„Allen gemeinsam ist, dass sich der Aufwand für die genutzten Kraftfahrzeuge deutlich erhöht, dagegen aber die Preise oder Provisionen für ihre Leistungen vorläufig unverändert bleiben“, führt Räth aus. Im Taxigewerbe seien beispielsweise die Tarife kommunal fixiert, Erhöhungen benötigten einiges an Vorlauf. (Lesen Sie hier: „Kaufentscheidung beeinflussen“: Plakat an Tankstellen zeigt Preise von anderen Antrieben)

Fulda: Hohe Spritpreise - So heikel ist die Situation in Osthessen

„Über die Steuergestaltung nimmt der Bund indirekt Einfluss auf das Verhalten der Nutzer“, sagt Räth. Letztendlich aber flössen höhere Spritpreise in die Preiskalkulationen der Unternehmen ein und führten „früher oder später zu steigenden Preisen für Dienstleistungen und Waren“ – was dann abermals den privaten Geldbeutel der Kunden belastet.

„Hohe Energiekosten begrenzen das Budget der Verbraucher. Die hohen Sprit-, Gas- und Heizölpreise belasten somit die Nachfrage. Weniger Konsum belastet indirekt die Unternehmen, die weniger verkaufen können. Das behindert die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise“, fasst Achim Knips, Sprecher der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) zusammen.

Man dürfe allerdings nicht vergessen, dass der größte Teil der gestiegenen Preise in Deutschland als Steuern und durch die CO2-Bepreisung an den Staat fließen. „Der klimaneutrale Umbau unserer Gesellschaft kostet viel Geld – von daher ist die Steuerlast nachvollziehbar“, stellt Knips fest. Aber wenn wegen der hohen Energiekosten hier anderswo auf der Welt billiger produziert werden kann, dann sorge die sogenannte Energiewende für weniger Beschäftigung, also mehr Arbeitslose und weniger Investitionen, führt der IHK-Sprecher aus.

Wirtschaft ächzt unter hohen Spritpreisen - aber auch unter Lieferengpässen

„Unsere aktuelle Konjunkturumfrage zeigt, dass fast zwei Drittel der Unternehmen die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise als massives wirtschaftliches Risiko einstufen“, sagt Knips. „Die häufig geschmähte fossile Wirtschaft mit ihren konventionellen, aber sehr ausgetüftelten Verbrennungsmotoren ist – und bleibt bis auf weiteres – der Antreiber unserer wirtschaftlichen Entwicklung. Sie ist der Garant unseres Wohlstands“, meint der IHK-Experte.

Er sieht den Wandel weg von fossilen Treibstoffen offenbar skeptisch: „Technisch mag das möglich sein, aber hoffentlich vergessen wir darüber nicht die Kosten. Wir sollten die Wettbewerbskraft der Weltwirtschaft nicht unterschätzen.“

Die aktuell steigenden Spritpreise kommen auch beim Handwerk an, bestätigt Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda. Allerdings sei diese Kostenentwicklung mit Blick auf die Kostenstrukturen der meisten Handwerksbranchen gut plan- und kalkulierbar. „Mehr Probleme bereiten unseren Mitgliedsbetrieben die Entwicklung auf dem Beschaffungsmarkt für Güter, Material und Dienstleistungen“, stellt Leipold fest.

Video: Steigende Spritpreise: Mit diesen Tricks spart man Benzin

Insbesondere die Preissteigerungen bei Roh- und Betriebsstoffen, Ersatzteilen und Maschinen sowie lange Lieferzeiten und die damit einhergehende Materialverknappung stellten immer mehr Handwerksbetriebe vor enorme Herausforderungen. „Wenn einem Handwerksbetrieb die Grundlagen für die Herstellung seiner Produkte oder Leistungen fehlen, dann läuft irgendwann nichts mehr. Und dann haben wir alle, unabhängig ob Wirtschaft oder Gesellschaft, ein großes Problem“, warnt Leipold.

Weshalb auch Landwirte die hohen Treibstoffpreise deutlich spüren, erfahren Sie in der Printausgabe der Fuldaer Zeitung vom Freitag, 15. Oktober, und im digitalen E-Paper.

Das könnte Sie auch interessieren