Die ehemalige jüdische Synagoge am Stockhaus in Fulda.
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Das Areal der ehemaligen Synagoge am Stockhaus gehört zu den jüdischen Gedenkorten, die die Stadt Fulda aufwerten will.

Gespräch mit Arbeitsgruppe

Jerusalemplatz und Areal der früheren Synagoge - Stadt will jüdische Gedenkorte neu gestalten

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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Die Stadt will jüdische Mahn- und Gedenkorte in Fulda aufwerten. Im Blickpunkt stehen dabei das Areal der ehemaligen jüdischen Synagoge am Stockhaus sowie der Jerusalemplatz, der alte jüdische Friedhof. Beide Orte sollen neu gestaltet werden.

Fulda - Die frühere Synagoge stand einst Am Stockhaus – bis sie während der Novemberpogrome 1938 von den Nationalsozialisten in Brand gesetzt und schließlich komplett abgerissen wurde. Heute erinnert in der Straße nur noch wenig an das jüdische Leben von damals. Die Fläche, auf der das Gotteshaus stand, wird mittlerweile als Parkplatz genutzt. Im vergangenen Jahr war es der Stadt Fulda jedoch gelungen, das Areal sowie umliegende Immobilien zu erwerben.

Nun laufen enge Abstimmungsgespräche zur künftigen Gestaltung des Areals mit der Arbeitsgruppe „Jüdisches Fulda“, berichtet der städtische Pressesprecher Johannes Heller.

Fulda: Stadt will Gedenkorte aufwerten - Jüdisches Leben sichtbar machen

Dieser gehören unter anderem die Jüdische Gemeinde Fulda an, der Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen, die Beauftragte für das jüdische Leben in Fulda, Anja Listmann, sowie Vertreterinnen und Vertreter von Nachkommen ehemaliger Fuldaer Juden. Die Arbeitsgruppe war eigens im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Synagogenareals und auch des Jerusalemplatzes ins Leben gerufen worden.

Der Jerusalemplatz in Fulda ist ein alter jüdischer Friedhof. Die Stadt hat vor, den Platz neu zu gestalten.

Bevor es am Stockhaus allerdings an die konkrete Umgestaltung geht, wird das Areal zunächst archäologisch untersucht – in den vergangenen Monaten war bereits die in einem Nachbarhaus erhaltene Mikwe, das frühere jüdische Ritualbad, untersucht und freigelegt worden. Heller spricht von einer „beträchtlichen Zeit“, die die Untersuchungen voraussichtlich in Anspruch nehmen werden. Sie seien aber wichtig für die weiteren Überlegungen und Planungen.

Einen Schritt weiter ist die Stadt beim Jerusalemplatz, dem alten jüdischen Friedhof zwischen Rabanus- und Sturmiusstraße, der Anfang des 20. Jahrhunderts geschlossen und im Nationalsozialismus eingeebnet wurde. Auch hier erinnert lediglich ein Gedenkstein an die damalige Nutzung. Inzwischen liegt für die neue Gestaltung des alten jüdischen Friedhofs ein künstlerischer Entwurf aus der Feder von Franz Erhard Walther vor, berichtet der Magistratspressesprecher. Die Stadt prüfe derzeit die technische Umsetzbarkeit.

Ehemalige Synagoge

Die Fuldaer Synagoge wurde in den Jahren 1858/1859 im neu-orientalischen Stil erbaut und 1927 erweitert. Während der Novemberpogrome 1938 wurde sie unter dem SS-Ortskommandanten Otto Grüner zerstört. In den frühen Morgenstunden des 10. November ging das Gotteshaus in Flammen auf. Die Feuerwehr wurde zwar alarmiert, griff aber nicht ein, sondern schützte nur die angrenzenden Gebäude. Anfang 1939 wurden die Reste komplett abgerissen. Die Kosten wurden der jüdischen Gemeinde auferlegt. An der Stelle der Synagoge blieb eine Baulücke. 2010 wurde hier eine Art „Wand der Erinnerung“ mit Namen von deportierten und ermordeten Juden enthüllt. Erhalten ist noch das nebenstehende Gebäude, in dem sich auch die Jeschiwa (Toralehranstalt) und die Mikwe (rituelles Bad) befanden. Die beiden Tauchbecken mit dem Stufenzugang sowie das dazwischenliegende Wasserreservoir ließ die Stadt ab November 2020 freilegen. Das „Fenster des Erinnerns“, das vor zwei Jahren an dieser Stelle eingerichtet wurde, soll um die Einblicke in die ehemalige Mikwe erweitert werden.

Um das jüdische Leben in Fulda und der Region auch museal aufzubereiten, sieht das Vonderau Museum bei seiner Neukonzeption zudem eine eigene Ausstellungsfläche vor, die unter anderem die wichtige Rolle des Judentums für die Lokalhistorie und auch die regionalen Aspekte der Judenverfolgung in der NS-Zeit widerspiegeln soll, sagt Johannes Heller. (Lesen Sie hier: Nach 70 Jahren wird der alte Teil des jüdischen Friedhofs in Weyhers saniert)

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In den vergangenen Jahren hatten die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung die Gestaltung der ehemaligen Synagoge und des Jerusalemplatzes immer wieder aufgegriffen und sich dafür stark gemacht. Zuletzt sprach sich etwa die FDP Fulda in einer Pressemitteilung für ein jüdisches Museum am Standort der ehemaligen Synagoge am Stockhaus aus.

Alter Friedhof

Der jüdische Friedhof zwischen der heutigen Sturmius- und Rabanusstraße bestand seit Ende des 16. Jahrhunderts. Bis 1906/07 fanden hier die Beisetzungen der jüdischen Gemeinde statt. Während der NS-Zeit wurde der Friedhof eingeebnet: „Im Interesse der Schönheit des Stadtbildes ist es notwendig, dass dieser Friedhof baldmöglichst verschwindet“, hieß es in einem Schreiben des Gauamtsleiters im August 1938. An der Stelle wurde ein Park angelegt, der heute Jerusalemplatz heißt. Er erhielt den Namen in der Zeit, als der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Hamberger den Kontakt zur jüdischen Gemeinde Fuldas intensivierte und ausbaute. Ein Gedenkstein erinnert an den alten Friedhof. Im Gedenkraum des Zollamts ist eine Tafel angebracht mit der Inschrift: „Dieser Raum sei geweiht der Erinnerung an die Seelen aller Heiligen, Frommen und Großen in Israel, aller Männer und Frauen der altehrwürdigen Gemeinde Fulda, die hier ihre Ruhestätte fanden bis zur gewaltsamen Auflösung des Friedhofes zur Zeit der Schreckensherrschaft.“ 

Die Aufwertung jüdischer Mahn- und Gedenkorte war außerdem auch ein wichtiger Punkt im neuen Koalitionsvertrag von CDU, FDP und CWE: Die Spuren jüdischen Lebens sollen durch die Gestaltung entsprechender Mahn- und Gedenkorte wieder sichtbarer gemacht werden, heißt es in der Vereinbarung.

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