Neugestaltung der Stadtmauer in Fulda fast abgeschlossen.
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Inoffiziell ist der neue Naherholungs- und Erlebnisort zwischen Dalberg- und Gutenbergstraße schon freigegeben.

Areal an der Dalbergstraße

Neugestaltung der Stadtmauer fast abgeschlossen: Fuldas Stadtgeschichte wird erlebbar

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Früher Parkplatz, jetzt eine Oase inmitten des geschäftigen Treibens am Rande der Innenstadt und ein Ort, an dem Fuldaer Geschichte erlebbar werden soll: Das neu gestaltete Gelände entlang der Stadtmauer an der Dalbergstraße ist nun – zumindest schon mal inoffiziell – für die Bürger und Bürgerinnen freigegeben.

  • Die Neugestaltung der Fuldaer Stadtmauer an der Dalbgerstraße ist fast abgeschlossen.
  • Der neue Erlebnisort in Fulda kann jetzt besucht werden.
  • Die offizielle Eröffnungsfeier wird wohl 2021 stattfinden.

Fulda - Zugegeben: Bei Nieselregen und grauem Himmel sieht das Areal an der Dalbergstraße in Fulda noch etwas trist aus. Doch wenn die Sonne scheint und die neu gestaltete Fläche in strahlendes Licht getaucht wird, dann kann man sich hier gut niederlassen – und sich ausmalen, wie der Ort einst ausgesehen haben mag.

2017 hatten umfangreiche archäologische Arbeiten zwischen Florengasse und Gutenbergstraße begonnen, nachdem sich die Stadt Fulda entschieden hatte, das jahrelang als Parkplatz verpachtete Areal zu einem Naherholungs- und Geschichtserlebnisort umzugestalten. Während der Grabungen wurden Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung freigelegt: der Fuß eines Stadtmauerturms, ein fast vier Meter tiefer Stadtgraben und für die Archäologen überraschend auch ein gemauerter Kanal, der wohl aus der Barockzeit stammt. Dieser war offenbar nach der Verfüllung des Grabens gebaut worden und verlief unterirdisch.

Fuldaer Geschichte: Neu gestaltete Stadtmauer an der Dalbergstraße kann jetzt besucht werden

Den Verantwortlichen, den Archäologen und der Stadt war schnell klar, dass die Bauwerke erhalten bleiben müssen, denn sie erzählen viel von der Stadtgeschichte. Die mächtige Stadtmauer stammt immerhin aus dem Jahr 1162. Sie war einst unter Abt Markward I. auf einer Länge von insgesamt 1,7 Kilometern angelegt worden, damit Fulda vor seinen Feinden, vor allem vor den Raubrittern aus der Rhön, dem Schlitzerland und dem Spessart geschützt wird. Heute sind von der Mauer nur noch wenige Reste übrig geblieben, darunter der Hexenturm in der Kanalstraße und der Bierturm in der Dalbergstraße unweit des nun neu gestalteten Areals.

Metallstelen mit „Schießscharten“ machen den früheren Turm sichtbar.

Dort sind die Sanierungs- und Gestaltungsarbeiten jetzt weitgehend abgeschlossen. Der historische Wehrturm, der einen Durchmesser von acht Metern hatte, wurde mit hohen Metallstelen sichtbar gemacht. Der ehemalige Graben wurde in einer Mischung aus Kieselpflaster und Kalksteinplatten befestigt und mit Mauern aus Naturstein eingefasst. Eine langgezogene Holzbank mit einer hohen Lehne, die die Besucher vor der stark befahrenen Dalbergstraße „schützen“ soll, lädt zum Verweilen und Erholen ein.

Fuldas Stadtmauer: Erlebnisort wird wohl erst 2021 offiziell eröffnet

Bis vor wenigen Wochen war das Gelände noch von Bauzäunen umgeben, weil der Bereich begrünt wurde, berichtet der städtische Pressesprecher Johannes Heller. Ein Baumbeet wurde mit Efeu, Gräsern und Solitärstauden bepflanzt. Jetzt hat sich der Bewuchs so stabilisiert, dass die Rasenflächen betreten werden können. Die Anlage sei „inoffiziell für die Öffentlichkeit freigegeben“. So ganz fertig ist der Bereich aber trotzdem nicht: Denn noch fehlen Informationstafeln und eine Beleuchtung.

Archäologen haben die Stadtmauer in vier Metern Tiefe freigelegt.

Bis das Areal offiziell eröffnet wird, dauert es noch: Ursprünglich war geplant gewesen, den neuen Erlebnisort noch im Fuldaer Jubiläumsjahr 2019 einzuweihen. Wegen der umfangreichen archäologischen Grabungen hatte sich der Zeitplan verschoben, erklärt Heller. Auch eine Eröffnung am Tag der Städtebauförderung im Mai – die Umgestaltung ist eine der letzten Maßnahmen im Förderprogramm „Stadtumbau Südliche Innenstadt“ – klappte coronabedingt nicht. Jetzt soll für die offizielle Eröffnungsfeier ein neuer Anlass gesucht werden, sagt der Stadtsprecher. Das dürfte aber erst nächstes Jahr der Fall sein.

Die Kosten für die Umgestaltung des Platzes inklusive des Stadtturms betragen rund 450.000 Euro, zwei Drittel davon werden gefördert. Die Kosten für die Sanierung der Stadtmauer, welche die Stadt Fulda allein schultert, lassen sich derzeit noch nicht endgültig beziffern, so der städtische Sprecher.

Auch im Fuldaer Schlosshof wurden bei Grabungen Teile der alten Stadtmauer freigelegt. Bei den Grabungen im Schlosshof wurden Tierknochen und Scherben gefunden.

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