Auf den Turmstumpf soll die begehbare Turmsilhouette gebaut werden. Helfer stellen die Montageplattform her.
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Auf den Turmstumpf soll die begehbare Turmsilhouette gebaut werden. Helfer stellen die Montageplattform her.

Aufsatz kostet 80.000 Euro

Alte Ritterburg in Steinau: Verein baut 14 Meter hohen und begehbaren Turm

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Nach und nach nehmen die Umrisse der einstigen Wasserburg von Steinau Gestalt an. Der Verein Burgreste, der sich um die Freilegung verdient macht, wird in zwei bis drei Monaten eine 14 Meter hohe Turmsilhouette errichten – ein weithin sichtbares Zeichen der einstigen Burg bei Petersberg (Landkreis Fulda).

Petersberg - Seit 18 Jahren graben die Mitglieder in der Vergangenheit und legen immer wieder Gebäudeteile frei, entdecken mittelalterliche Exponate wie eine 600 Jahre alte Rassel oder eine Steinschleuderkugel und natürlich immer mehr Gebäudeteile. Mittlerweile sind die Umrisse gut erkennbar.

Vor acht Jahren stießen die Mitglieder bei ihren Grabungen in Petersberg-Steinau (Landkreis Fulda) auf die Fundamente des östlichen Turms. Diese wurden freigelegt und in Teilen bis zu einer Höhe von vier Metern wieder als Schutzschicht für die historische Substanz aufgebaut.

Fulda: Verein baut 14 Meter hohen und begehbaren Turm für alte Ritterburg

Jetzt folgt der nächste Schritt: Die Errichtung einer begehbaren, insgesamt 14 Meter hohen Turmsilhouette. Das Stahlgerüst ist bestellt, die Treppenstufen liegen zum Einbau bereit. „Derzeit bereiten die Mitglieder eine Montageplattform her“, berichtet Vorsitzender Stephan Möller.

In etwa drei Monaten soll die Montage abgeschlossen sein. Die Stahlkonstruktion wird mit einem Autokran auf den schon hergerichteten etwa vier Meter hohen Sandstein-Turmteil gesetzt (lesen Sie auch hier: Seckendorff-Schloss in Buchenau wird restauriert).

Möller weist darauf hin, dass der Turm in abstrakter Form, also nicht historisierend, aber in der Proportion den Burgtürmen der damaligen Zeit nachempfunden aufgebaut wird. Er soll begehbar werden und dem Betrachter aus der Vogelperspektive vor Augen führen, wie die Anlage einmal ausgesehen haben könnte. Interessierte Bürger können den Turm besteigen und aus der Höhe auf das Areal blicken und sich ein wenig wie ein Burgherr oder eine Burgherrin fühlen.

Dabei werden sie sehen, wie viele Gebäudeteile die Helfer des Vereins in den vergangenen Jahren schon freigelegt und gesichert haben. Mittlerweile ist der Grundriss der einstigen Burg gut erkennbar. In einigen Teilbereichen, etwa im Eingangsbereich, sind auch die Fundamente von Räumen zu sehen.

Historie

Die Burg wurde 1260 erstmals erwähnt. 1271 zog Ritter Giso von Steinau mit seinen Getreuen nach Fulda und ermordete seinen Rivalen Fürstabt Bertho II. Doch das sollte ihnen übel aufstoßen. Denn Berthos Nachfolger spürten die Gisoschen Ritter auf, rächten sich an ihnen und zerstörten Teile der Burg im Jahr 1287. Ein Teil der Wasserburg blieb aber verschont und erhalten. Dort herrschte bis ins Mittelalter ritterliches Leben.

Der Turmaufsatz kostet rund 80.000 Euro. Die Gemeinde Petersberg beteiligt sich daran mit rund 40.000 Euro für den Turm sowie mit 10.000 Euro für die Freilegung von Mauerresten, 20.000 Euro kommen vom Verein und 20.000 Euro fließen in Form von Eigenleistungen der 150 Mitglieder mit ein. Apropos Eigenleistung.

Othmar Bleuel, zuständig für die Organisation der rüstigen Rentner, die regelmäßig an der Freilegung und der Rekonstruktion arbeiten, schätzt, dass sie bislang fast 40.000 Stunden an dem Projekt gearbeitet haben (lesen Sie auch hier: Stadtbibliothek in Fulda umgebaut).

Teile der Wasserburg wurden freigelegt und rekonstruiert.

Die Gemeinde unterstützt die Arbeit des Vereins. „Der Förderverein Burgreste wird von uns dieses Jahr mit circa 50.000 Euro unterstützt. Das ist gut angelegtes Geld, denn der Verein lässt die Geschichte nicht nur des Ortsteils Steinau auferstehen, sondern er zeichnet das Leben eines Adelsgeschlechts nach, wie es typisch für den Raum Fulda im Mittelalter war.

Die Projekte fördern wir auch deshalb, weil der Verein ein unglaubliches ehrenamtliches Engagement und viel Eigenleistung einbringt“, lobt Bürgermeister Carsten Froß (CDU). „Wir gehen auch davon aus, dass insbesondere der geplante Turm ein touristisches Highlight wird. Das wird Steinau und somit auch die gesamte Gemeinde Petersberg weiter aufwerten“, erklärt er weiter.

Aber der Turm ist nur eine Zwischenstation. Der Verein hat weitere Ziele. So soll ein barrierefreier Zugang zu den Burgresten über Bohlen gebaut werden. Wenn weitere Gelder zur Verfügung stehen, soll die Scheune, die noch da steht, wo früher Teile der Burg standen, abgerissen und ein Ersatz-Neubau errichtet werden. Dann werden zwei Türme, die Fundamente und rekonstruierte Burgmauern der einstigen Wasserburg erkennbar werden.

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