Stephan Schmitt vor dem Gebäude des Schulamts.
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Dienstag war der letzte Arbeitstag von Stephan Schmitt im Schulamt.

Ruhestand für Schulamtsleiter

Stephan Schmitt: „Digitale Medien ersetzen Lehrer nicht“

  • Rainer Ickler
    vonRainer Ickler
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Die letzten Monate vor seiner Pensionierung hätte sich Schulamtsleiter Stephan Schmitt sicher anders vorgestellt. Doch die Corona-Krise stellte ihn vor große Herausforderungen.

Fulda - Am Dienstag hatte der 65-jährige Schmitt seinen letzten Arbeitstag. Fünf Jahre lang leitet er das Amt, sieben Jahre davor war er im Schulamt zuständig für die Berufsschulen. Anlass eine Bilanz zu ziehen. Die Abiturprüfungen seien in Corona-Zeiten gut verlaufen ebenso die Abschlussprüfungen der Haupt- und Realschulen. „Ich bin froh, dass wir es so hingekriegt haben“, sagt er.

Doch nicht nur die Prüfungen, auch das coronabedingte Herunterfahren des Unterrichts habe viele Fragen aufgeworfen – ebenso wie der Beginn des eingeschränkten Unterrichts vor zwei Wochen mit Abstandsregeln. Da habe es viel zu tun gegeben.

Der scheidende Schulamtschef macht klar, dass trotz des Homeschoolings, also dem Lernen zu Hause, Lücken bei vielen Schülern bleiben werden – vor allem bei schwächeren und in den Nebenfächern, weil der Schwerpunkt auf den Hauptfächern gelegen habe. Das fehlende Wissen müsse im neuen Schuljahr kompensiert werden. Das sei eine wichtige Aufgabe, damit keine Wissensdefizite entstehen und es keine Benachteiligungen in der weiteren Schullaufbahn gebe. Da sei in den Schulen viel Organisationsarbeit notwendig.

Schmitt: Die Mischung macht es

Zur viel diskutierten Digitalisierung sagt Schmitt, dass die Einbeziehung der neuen Medien im Unterricht wichtig sei, dass aber nach wie vor der Präsenzunterricht mit dem Lehrer und den unterschiedlichen Unterrichtsformen notwendig sei. „Digitale Medien ersetzen den Lehrer nicht. Die richtige Mischung macht es.“

Die Hauptaufgabe des Schulamtes, von denen es 15 in Hessen gibt, ist die Schulaufsicht. Egal ob Grund-, Haupt-, Real- und Förderschule oder Gymnasium – alle haben sich an die Verordnungen und Vorgaben des Kultusministeriums zu halten. Dies zu überprüfen sei Sache des Schulamtes. Dazu kommt die Aufsicht und Kontrolle bei allen Prüfungen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. 40 Mitarbeiter sind in der Fuldaer Josefstraße in den verschiedenen Abteilungen beschäftigt.

Schulpsychologie so gefragt wie nie

Eine davon ist die Rechtsabteilung. Immer häufiger werden Schulen mit juristischen Fragen konfrontiert. Das können „ungerechte Noten“, Infragestellungen bei Versetzungen oder disziplinarische Fragen sein, berichtet er.

Wichtig ist auch die Schulpsychologie. Allein sieben Schulpsychologen sind im Schulamt beschäftigt. Die Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Dies beweise die Notwendigkeit und sei auch ein Spiegel der Gesellschaft. „Die Arbeit der Kolleginnen ist gut nachgefragt“, erklärt Schmitt. Sie seien aber nur auf dem Gebiet der Beratung tätig, macht der Schulamtsleiter klar. Sie werden präventiv tätig, wenn es um Sucht, Gewalt, Gesundheit, Medienschutz oder Mobbing gehe.

Bei Beschwerden von Eltern, Lehrern oder Schülern, die nicht auf Schulebene geklärt werden können, ist das Schulamt eine wichtige Anlaufstelle. „Dabei übernehmen wir eine vermittelnde Aufgabe“, sagt er. Es sei aber nur ein begrenzte Anzahl, schränkt er ein.

Über Jahre gute Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis Fulda

Eine ganz wichtige Aufgabe ist die Lehrerversorgung. „Hier ist der Landkreis sehr gut aufgestellt“, freut sich Schmitt. Mittlerweile seien Stadt und Landkreis Fulda bei angehenden Lehrern gefragt. Das habe mit der verbesserten Infrastruktur, dem guten Freizeitangebot, bezahlbarem Wohnraum, aber auch mit der gesunden Schul- und Schülerstruktur und dem guten Ruf, den die Bildungsregion Fulda genieße, zu tun. „Lehrer kommen wieder gerne hierher“, sagt er. Alle Stellen seien besetzt. Probleme gebe es lediglich bei den Grundschulen – dies sei allerdings hessenweit der Fall.

Schmitt hebt die gute Zusammenarbeit mit den Schulträgern – dem Landkreis und der Stadt Fulda – hervor. Sie sind zuständig für die Ausstattung und die Gebäude. „Das klappt hervorragend und ist hessenweit nicht selbstverständlich. Hier steht Fulda ganz oben“, sagt er stolz.

Eltern geben Verantwortung in der Erziehung immer häufiger ab

Sorgen bereitet Schmitt eine Tendenz: Die Eltern würden immer häufiger die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder abgeben. Dabei sei es ihre Aufgabe, während sich Schule um die Vermittlung von Wissen kümmern müsse, macht er klar. Schule könne nur gut funktionieren, wenn Elternhaus und Schule zusammenarbeiten.

Stephan Schmitt freut, dass in seiner Amtszeit die Servicefunktion des Schulamtes immer mehr von Schulen, Schülern und Lehrern wahrgenommen worden sei. „Wir wollen unterstützen, wo Hilfe benötigt wird. Ich denke, das Miteinander hat ganz gut funktioniert“, fasst er stolz zusammen. Und so hinterlässt Schmitt seinem Nachfolger ein gut aufgestelltes Schulamt mit einem hessenweit guten Ruf.

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