Vor 75 Jahren wurde in Reulbach das Busunternehmen Stumpf gegründet.
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Vor 75 Jahren wurde in Reulbach das Busunternehmen Stumpf gegründet.

Inzwischen in Dietershausen

Weltweit unterwegs: Vor 75 Jahren wurde in Reulbach das Busunternehmen Stumpf gegründet

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Vom Holzvergaser bis zum Komfort-Reisebus hat sich in 75 Jahren viel getan. So lange besteht das Busunternehmen Stumpf, das inzwischen von Reulbach nach Dietershausen gezogen ist.

Kreis Fulda - Dass ein Reiseunternehmen, dessen Busse durch Deutschland und ins europäische Ausland fahren, mit seiner Heimatverbundenheit wirbt, scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Für Martina Stumpf, ihre Schwester Cornelia Hanna-Stumpf und Mutter Friedel Stumpf ist das mitnichten ein Widerspruch - aus zweierlei Gründen: Zum einen, so berichten sie, sei ihr Busunternehmen mit den Fahrgästen aus der Rhön groß geworden. Zum anderen berichteten ihnen Reisegruppen von außerhalb, die sie beispielsweise von den Hotels in Osthessen zum Einstieg in Wanderrouten fahren, immer wieder, wie schön die Rhön sei. „Die sind begeistert von den Ortschaften und den Vorgärten in der Rhön und sagen uns oft: ,Das zeigt die große Heimatverbundenheit der Menschen hier‘“, berichten die drei Frauen.

Fulda: Stumpf feiert Jubiläum - 75 Jahre mit dem Bus in der Welt unterwegs

Dass somit die Silhouetten von Fulda und der Rhön auch Reisebusse aus der Stumpf’schen Flotte zieren, ist dann kaum verwunderlich. „Ein Stück weit verstehen wir das auch als eine Art Regionalmarketing für unsere Heimat“, sagt Cornelia Hanna-Stumpf. Und darauf würden die Fahrer und Reisegruppen auch immer wieder angesprochen, wenn es über die Grenzen Osthessens hinaus geht – zum Beispiel in den südfranzösischen Marien-Wallfahrtsort Lourdes.

Viel hat sich seit dem Beginn in Reulbach vor 75 Jahren bis heute in der Fahrzeugtechnik und der Belegschaft getan. Mit dem Rhön-Adler wurden Arbeiter aus Reulbach zu ihren Arbeitsplätzen nach Gersfeld und nach Fulda gefahren.

Nach wie vor sei das ein beliebtes Ziel, das das Unternehmen regelmäßig anfährt. „Ende der 1950er Jahre waren wir schon in Lourdes. Das war für die katholischen Rhöner etwas ganz Besonderes. Anfangs haben wir noch einen Zwischenstopp in Paris eingelegt“, berichtet Friedel Stumpf, die zudem weiß, dass der Pilgerort Altötting in Bayern oder Rom sehr beliebt sind. „Die Touren sind immer ganz schnell ausgebucht. Da füllt sich der Bus von selbst“, sagt die Seniorchefin. (Lesen Sie hier: Jubiläumsausstellung zu 75 Jahren Verfassung in Hessen)

„Wir verstehen das als eine Art Regionalmarketing für unsere Heimat“ - Cornelia Hanna-Stumpf über die Heimatverbundenheit des Unternehmens

Auch wenn die Ziele mitunter noch dieselben sind, auf dem Reisemarkt, bei der Fahrzeugtechnik und beim Komfort hat sich ebenso viel verändert wie im Verkehrsrecht – vor allem bei den Lenk- und Ruhezeiten. „Das ist schon sehr viel strenger geworden und macht die Planung von Routen, Fahrzeugen und Personal schwieriger. Aber das ist auch richtig so, weil unsere Busfahrer ja das wertvollste Gut transportieren, das es gibt: Menschen“, sagt Martina Stumpf, die selbst täglich im Schulbusverkehr fährt und liebevoll von ihren Kiddies spricht.

Begonnen hat die Firmengeschichte auch mit einer Art Linienverkehr. Mit einem selbst hergerichteten Militärlaster, der mit Holzvergaser fuhr, hat Friedel Stumpfs Schwiegervater einst Arbeiter von Reulbach nach Fulda gefahren. „Kürzlich haben wir erst wieder einen Brief von einem älteren Mann erhalten, der uns geschrieben hat, dass er sich noch an diesen ersten Bus erinnern kann“, berichtet Cornelia Hanna-Stumpf. Mit den heute zehn Reisebussen und vier Sprintern hatte der „Rhönadler“ indes wenig gemein.

Fahrer haben dem Unternehmen auch in Zeiten von Corona Treue gehalten

Die Fahrzeuge des in Reulbach gegründeten und seit 1975 in Dietershausen ansässigen Unternehmens sind heute nicht mehr nur zwischen Rhön und Fulda unterwegs. „Wir fahren überall dorthin, wo wir mit dem Bus hinkommen. Wir waren zum Beispiel auch schon auf Malta oder haben eine Reise nach Amerika organisiert, wo unser Fahrer einen Bus übernommen hat“, berichten die Stumpfs und nennen eine ganze Reihe weiterer Ziele wie Rom, Prag oder Budapest.

Durch die Pandemie standen viele Reisebusse in Osthessen still. Nun hoffen sie, dass sich nach Corona wieder eine Normalität einstellt. „So etwas haben wir in unserer Firmengeschichte noch nicht erlebt. Aber es geht aufwärts. Auch wir merken, dass die Menschen wieder raus wollen, reisen wollen und die Freiheit suchen“, sagt Cornelia Hanna-Stumpf. Die Fahrer haben dem Unternehmen auch in dieser Zeit die Treue gehalten.

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