Als eine Mitfahrerin bei der Sparkasse in der Fuldaer Rabanusstraße einen hohen Geldbetrag abheben will, ruft Taxifahrer Norbert Reinhardt die Polizei - und verhindert einen Trickbetrug.
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Als eine Mitfahrerin bei der Sparkasse in der Fuldaer Rabanusstraße einen hohen Geldbetrag abheben will, ruft Taxifahrer Norbert Reinhardt die Polizei - und verhindert einen Trickbetrug.

Polizei alarmiert

Taxifahrer aus Fulda vereitelt Trickbetrug: Norbert Reinhardt bewahrt eine Kundin vor hohem Schaden

  • Andreas Ungermann
    vonAndreas Ungermann
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Die Geschichte von einem angeblichen Unfall bei Weimar hat Norbert Reinhardt stutzig gemacht. Der Taxifahrer aus Fulda bewahrte mit seinem mulmigen Gefühl eine Kundin davor, auf Trickbetrüger hereinzufallen.

Fulda - Es klang zunächst wie ein alltäglicher Auftrag, den Norbert Reinhardt an einem Mittwochnachmittag vor wenigen Wochen von seinem Chef erhielt: „Eine Fahrt mit kurzer Wartezeit war mir angekündigt worden“, erinnert er sich. Eine ältere Dame sollte er zunächst in einer Rhön-Gemeinde abholen, nach Fulda fahren, dort kurz warten, um sie dann wieder nach Hause zu bringen. Das genaue Fahrtziel, so stellte sich heraus, sollte eine Sparkassen-Filiale sein. „Ich kam dann während der Fahrt mit der Frau ins Gespräch, und sie erzählte mir, dass ihr Sohn bei Weimar einen Unfall gehabt habe, sie sich nun große Sorgen mache und der Sohn ganz dringend Geld benötige. Das kam mir ganz merkwürdig vor und bei mir haben die Alarmglocken geschrillt“, berichtet der Taxifahrer.

Auf seine Warnungen wollte die offensichtlich beunruhigte Frau allerdings nicht hören, auch nicht auf seinen Ratschlag, doch unbedingt die Polizei zu informieren. „Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass da etwas faul ist und dass es für solche Unfälle Versicherungen gibt und niemand sofort irgendetwas irgendwem in bar bezahlen muss“, erinnert sich Reinhardt. Außerdem kam es ihm verdächtig vor, dass die Anrufer seinem Fahrgast eingetrichtert hätten, auf keinen Fall die Polizei einzuschalten.

Fulda: Taxifahrer Norbert Reinhardt bewahrt Kundin vor Trickbetrügern

Jüngst sind zwei Taxifahrer in Osthessen selbst Opfer von Kriminalität geworden: In Fulda wurde in der vergangenen Woche ein Taxifahrer mit einer Pistole bedroht; Ähnliches hatte nur wenige Tage zuvor ein Taxifahrer in Bad Soden-Salmünster erlebt.

Zurück zum Fall von Norbert Reinhardt: Seine Taxifahrt führte zunächst über Petersberg und dann weiter in die Innenstadt von Fulda. Dann habe er die Seniorin an der Sparkassen-Filiale in der Dr.-Dietz-Straße absetzen wollen, wo die Frau wohl bekannt sei. Diese war jedoch am Mittwochnachmittag geschlossen. Reinhardt fuhr die Kundin daraufhin zur Rabanusstraße – weiterhin mit einem komischen Gefühl.

Als seine Mitfahrerin die Bank betrat, rief er dann doch die Polizei an. „Mir war es egal, ob ich mich blamiert hätte, weil die Dame das Geld doch für ihren Sohn gebraucht hätte. Aber ich hätte nicht später erfahren wollen, dass jemand ausgenommen wurde und ich da indirekt beteiligt gewesen wäre“, sagt der Taxifahrer heute. „Ich habe dann geschildert, was sie mir erzählt hat, und gesagt, dass sie gerade einen höheren Geldbetrag in der Sparkasse abheben möchte. Es dauerte kurz, bis eine Streife und später auch die Kriminalpolizei eintrafen“, berichtet er.

Reinhardt indes war nicht der einzige, der ob der Geschichte und der Geldsumme stutzig geworden war. Auch über die Bank war die Polizei parallel informiert worden. „Da vorne habe ich damals gestanden und mich mit den Polizisten unterhalten“, sagt der Taxifahrer und zeigt auf den Eingang des Bio-Lebensmittelgeschäfts, das im Sparkassen-Gebäude untergebracht ist. (Lesen Sie auch: Taxifahrer berichten von Gestank und Dreck im ZOB-Parkhaus in Fulda)

Trickbetrüger wollen am Telefon auch den Taxifahrer aus Fulda manipulieren

Noch während dieses Gesprächs sei die Geschichte dann vollkommen kurios geworden. Über Reinhardts Chef hatten die mutmaßlichen Betrüger die Handy-Nummer des Fahrers herausgefunden. „Da rief dann ein Mann bei mir an mit einer ganz jungen Stimme und gab sich als Sohn der Frau aus. Und fragte nach, wo denn die Mutter bliebe“, schildert er, der nicht im Detail weiß, wie der Fall ausgegangen ist – nur dass er froh ist, einen Beitrag geleistet zu haben, damit seiner Kundin kein hoher finanzieller Schaden entstand.

Dankbar dafür sei auch deren Tochter gewesen. Das habe sie ihm am Telefon gesagt. „Ihre Mutter, hat sie mir erzählt, hätte nie von sich aus ein Taxi bestellt, um in die Stadt zu fahren“, berichtet Reinhardt aus dem Telefonat. Also müssten die mutmaßlichen Betrüger auch schon das Fahrzeug für ihr potenzielles Opfer geordert haben. (Lesen Sie auch: Betrugsmaschen immer perfider: Polizei in Fulda warnt vor Trickbetrug und Schockanrufen)

Video: Wenn ein Taxi-Schild rot blinkt, sollte man sofort die Polizei alarmieren

Speziell geschult – etwa durch die Polizei oder einen Berufsverband – seien er und seine Kollegen nicht. Eine Sensibilität für das Thema und die Gefahren durch Trickbetrüger besteht offenbar dennoch. „Ich hatte bei der Geschichte einfach ein merkwürdiges Gefühl. So ungefähr zwei Wochen vorher hat mir schon einmal ein Kollege erzählt, dass ihm etwas Ähnliches passiert ist“, sagt Reinhardt. In Taxifahrerkreisen spreche sich so etwas ja schnell rum.

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